Amazonas: Auf den Flüssen rund um Iquitos, Peru

Ein Ausflug rund um Iquitos: Amazonas, Rio Nanay, Belen

 

Die sehr interessante – wenn auch im klasssichen Sinne touristisch eher weniger spannende Stadt Iquitos –  am Oberlauf des Amazonas im Norden von Peru, bietet dem Reisenden sehr schöne Optionen für Ausflüge.

Mit dem Boot.

Denn: Es gibt sehr viel Wasser um Iquitos herum, nicht nur den Amazonas, sondern auch den ganz wunderbaren, nahezu romantischen Rio Nanay als auch den Itaya, welcher den Stadtteil Belen zu einer Shantytown auf Stelzen macht. Ein Venedig für die Armen, Zuwanderer, Landflüchtlinge.

Und: In der Stadt selbst, deshalb meine Einschränkung oben, gibt es wirklich nicht viel zu sehen an kulturellen oder historischen Sehenswürdigkeiten. Das in allen Reiseführern hervorgehobene, angeblich von Gustave Eiffel gebaute Casa de Fierro ist mehr als unscheinbar.

Es hat aber eine schöne Drogerie im Erdgeschoss. Im Angesicht der Unscheinbarkeit dieses Hauses aus Eisen erscheint es mir auch eher unwahrscheinlich, dass es von Eiffel sein könnte! Der Herr hatte genug zu tun mit Türmen und Brücken!

Amazonas

In Iquitos findet man die Anbieter für Touren mit dem Boot am sogenannten Malecon, der Uferpromenade der Stadt. Ein ganztägiger Ausflug ist nicht sehr teuer (waren das 200 Soles für das Boot, also so 40 Euro?), und wirklich lohnenswert.

Zeit und einen Sonnenschutz sollte man mitbringen. Mit Jim, einem Expat aus Nashville und Chato, einem jungen Typen aus Iquitos, fahren wir los.

Erst nach Belen, dem Stadtteil auf Stelzen, im Wasser des Rio Itaya gelegen.

Belen – eine Favela auf dem Wasser

Belen ist nicht gerade das Beverly Hills von Iquitos, hier wohnen eher arme Leute. Es gibt Strom für die Häuser, aber keine Abwasserleitungen – das erledigt der Fluss.

Belen, Iquitos, Peru
Am Amazonas: Belen, ein Stadtteil von Iquitos, Peru.

Zum Höhepunkt der Regenzeit, im März, steht das Wasser noch mal knapp zwei Meter höher, das kann man auf meinen Fotos ganz gut sehen. Die Häuser in Belen sind einfach, erfüllen aber ihren Zweck, und werden von den Bewohnern sorgfältig gepflegt.

Der Markt von Belen ist auf dem Festland, ein grosser Teil des Barrio allerdings auf dem Wasser. Restaurants, Tankstellen, Kneipen, Schulen finden sich ebenfalls auf Stelzenhäusern inmitten des Flusses.

Belen, Iquitos
Belen am Amazonas Iquitos Peru

Im oberen Foto, das blaue Gebäude, ist die Grundschule. Hier werden die Kinder mit Booten, Pirogen, Kanus und Barken gebracht und abgeholt.

Als Besucher beschleichen mich immer zwiespältige Gefühle, wenn ich quasi in den Lebensraum fremder Menschen eindringe. In  Belen ist man aber entspannt, ob zu Fuss oder mit dem Boot, man kann sich hier ganz gut umschauen.

Belen Iquitos Peru
Blick in Richtung Belen

In Richtung des Marktes von Belen gibt es Wasserstrassen, auf dem Foto oben sieht man das ganz gut, ebenso die Stromkabel, welche jedes Haus mit Strom versorgen.

Belen Amazonas Iquitos
Die Tankstelle von Belen. Grafisch anspruchsvoll!

El Chamberito ist die schwimmende Tankstelle, hier landen die Boote zum Spritfassen an. Fragt mich nicht, was passiert, wenn es hier mal leckt. Die Umweltschutzstandards dürften nicht so hoch sein. Belen heisst, mit dem Fluss wohnen, mit Abstrichen an den Komfort, aber preiswert und nicht ohne Charme.

Für die ärmeren Bevölkerungsschichten im Amazonas Tiefland bietet Belen eine gute Option, wenn sie vom Land in die urbane Metropole ziehen müssen/wollen. In einem solchen Fall hat man dann allerdings auch keine Zeit, kein Geld, keinen mentalen Bedarf nach Schutz der Umwelt.

Auf dem Amazonas vor Iquitos

 

Entlang der Uferpromenade von Iquitos schippern wir in angenehmen Tempo die Bucht des Itaya entlang, welcher die Stadt vom Amazonas trennt. Wie ich auf der zukünftigen Reise feststellen durfte, erkennt man das Wasser des Amazonas immer an seiner hellbraunen, an einen Latte Macchiato erinnernden Farbe.

Die meisten Zu- oder Nebenflüsse des Amazonas haben eine andere Farbe, ein anderes Braun, zuweilen sind sie fast schwarz.

Die unterschiedlichen Farben der Flüsse des Amazonas Fluss-Systems ergeben sich aus den Sedimenten, welche die Flüsse mit sich führen. Braunes Wasser bedeutet, es transportiert Sedimente aus den Anden, schwarzes Wasser führt Erde und Bestandteile des Regenwaldes in Richtung Atlantik.

In Iquitos tendiert der Rio Itaya zu einem glänzenden Schwarz.

Iquitos Malecon
Iquitos vom Fluss aus: Der Malecon

Vorbei an Iquitos, wie es sich kilometerweit am Itaya in Richtung Amazonas entlang zieht, der Hafen mit sehr vielen grossen und kleinen Booten und Schiffen. Und dann wird der Horizont weit, und der Himmel gross, und der Fluss braun, und man ist auf dem stillen Amazonas.

Mit etwas Glück kann man an dieser Stelle, in den Inseln aus Gras, die rosa und grauen Delfine antreffen. Sehr viel mehr als ihre Rückenflossen wird man kaum sehen, aber ihr Atmen hören kann man zuweilen. Ob das Pfeifen der Peruaner die Delfine anlockt, wage ich zu bezweifeln, aber was weiss ich letztlich von Flussdelfinen!

Iquitos Peru
Auf dem Amazonas vor Iquitos

Auf dem Rio Nanay

 

Über den Amazonas geht es an der Spitze von Iquitos in nordwestlicher Richtung vorbei in einen malerisch schönen, ca. 300 Kilometer langen Nebenfluss des Amazonas, den Rio Nanay.

An seiner Mündung in den Amazonas bei Iquitos weist dieser schwarzwassrige Urwaldfluss eine beeindruckende Breite, aber auch nahezu romantische Stille auf. Und ist so breit wie der Rhein bei Mainz. Wenn ich es mir recht überlege: Der Nanay ist eher breiter.

Iquitos Rio Nanay
Malerischer Rio Nanay bei Iquitos, Peru, unweit der Mündung in den Amazonas.

Entlang den Ufern des Nanay gibt es einige Restaurants auf Pontons, man kann dort sehr lecker essen, auch für Vegetarier wird schnell was gezaubert und der Fisch einfach weggelassen. Auf Höhe der Wasseroberfläche kann man den Fluss und seine Stille sehr gut geniessen.

In den angrenzenden Seitenarmen, in welchen in der Trockenzeit sehr viel weniger Wasser steht als jetzt im Mai, kommt man dem Regenwald sehr nah. Die vielen Lagunen und wilrdromantischen, waldumsäumten Wasserwege bilden eine fantastische, unvergessliche Naturlandschaft.

Iquitos Rio Nanay Peru
Im Regenwald des Rio Nanay, Peru

Himmel, Wasser, Wolken, Wald, das Boot, die Sonne – die Seitenarme des Rio Nanay sind ein wunderbares Naturtheater, und wir schweigen alle andächtig.

Wer also kann und Zeit hat, sollte den Nanay in seinem Bootsausflug rund um Iquitos unbedingt besuchen, es lohnt sich sehr. Es gibt dort noch ein Tiersanatorium zu besuchen, unendlich viel im Hafen von Iquitos zu sehen, verostete Wracks von alten Flussdampfern, niegalnagelneue Schnellboote der peruanischen Marine, und die lokalen schnellen und weniger schnellen Boote in allen Grössen, die Menschen in die Orte in der Gegend um Iquitos bringen.

Mit einem dieser Boote (barco rapido) kann man auch in Richtung Trifontera bei Santa Rosa fahren, mehr dazu hier im Reiseblog.

DC Loew
Dabei sein

DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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