Amazonas Trifrontera Kolumbien, Brasilien, Peru: So geht es

Amazonas Trifrontera:  Von Einreise- und Ausreisestempeln

 

Wenn man den Amazonas bereist bzw. per Schnellboot von Iquitos nach Manaus fährt, stromabwärts also, durchquert man drei Länder: Peru, Kolumbien und Brasilien. Die Grenzen dieser drei Staaten treffen sich an einem Punkt des Flusses in einem Dreiländereck, und auf Spanisch heisst das dann: La Trifrontera. Wie man dort zurechtkommt, was es zu beachten gilt, wo man die Boote und wie die Grenzen wechselt, erzählt die folgende Story.

Amazonas Trifrontera

Grenzen zu queren ist für jeden unabhängigen Traveller doch immer wieder spannend: Bekomme ich mein Visum und werden sie mich einreisen lassen, wo bekomme ich den Ausreisestempel, gibt es Besonderheiten bei der Einreise bzw. spezielle Dokumente? Wer nicht in einer organisierten Gruppenreise unterwegs ist, muss all dies selbst herausfinden.

Das ist zuweilen schwierig, weil nicht alle Umstände eines Grenzübertritts so gut organisiert sind wie in Westeuropa. Aber Südamerika ist auch nicht Afrika, hier hat alles seine geregelte Ordnung!

Regeln an den Grenzen der Trifrontera

 

Denn die Regeln sind ganz einfach, und sie gelten auch an der Trifrontera: Für die meisten Länder in Lateinamerika benötigen EU Bürger kein Visum. Aber jeder braucht einen Einreisestempel und einen Ausreisestempel. Wer von Peru nach Kolumbien möchte, bekommt in Kolumbien keine Einreise, wenn der Exit-Stempel der Peruaner fehlt. So einfach ist das, und ist auch die Grundregel für die gar nicht so komplizierte Trifrontera im Dreiländereck am Amazonas von Peru, Kolumbien und Brasilien. Wer mit dem Boot den Amazonas befahren möchte, also bis nach Manaus oder Belem, der muss hier vorbei!

Amazonas Trifrontera
Mit dem Schnellboot den Amazonas hinab zur Trifrontera

Genug der Vorrede. Wir waren also auf dem Amazonas unterwegs. Auf dem Fluss der Flüsse, dem mächtigsten Wassersystem des Planeten. Der Amazonas hat soviel Wasser wie die nächstgrossen sieben Flüsse der Welt ZUSAMMEN. Aber mit einem sogenannten Schnellboot (barco rapido) ist man gut unterwegs, und zwar von Iquitos nach Santa Rosa.

Das dauert neun Stunden, wenn das Boote keine Panne hat, so wie es dem gleichzeitig mit uns abfahrendem Boot passiert ist. Drei Stunden ohne Motor auf dem Amazonas, war bestimmt spannend!

Wie auch immer, wir hatten Glück, und sausten ohne besondere Vorkommnisse stromabwärts. Die ca. 400 Flusskilometer ab Iquitos vergingen, nun ja, wie im Fluge. Kleine Urbanisationen entlang der Ufer des Flusses wurden zuweilen angesteuert, Passagiere und Fracht ausgetauscht und abgeliefert, und weiter ging die schnittige Fahrt. Bis nach Santa Rosa.

Mit dem Schnellboot nach Santa Rosa, Peru

 

Santa Rosa ist der peruanische Grenzort auf dem südlichen Ufer des Amazonas. Gegenüber und durch vielleicht zwei Kilomter Wasser getrennt liegen Kolumbien mit dem Städtchen Leticia und Brasilien mit Tabatinga. Der tägliche Verkehr zwischen den drei Orten ist sich selbst überlassen – es gibt keine nennenswerten Kontrollen. Jeder kann die Grenzen per Boot oder Tuktuk oder Bus überqueren, z.B. für Ausflüge, Besorgungen, Geldwechsel. Was mir bei der Ankunft in Santa Rosa nicht ganz klar war, war der Umstand, wo ich meinen Ausreisestempel für Peru erhalte, und wie man dort hinkommt.

Aber es ist ganz einfach. Wir trafen eine Lady aus England, die den Trip schon mal gemacht hatte, und uns den Vorgang erklärte. Sie arbeitete in Iquitos in einem dieser esoterischen sogenannten Gesundheitszentren, wo man sich unter Aufsicht lokale Drogenaufgüsse reinziehen darf, um sich die Seele aus dem Leib zu kotzen und dadurch seinen inneren Schamanen kennenzulernen. Man nennt das dann Atahuasca Zentren.

Klingt irgendwie seltsam, dass es so etwas gibt, aber die Leute zahlen sogar dafür. Mit Geld in erster Linie, und mit der Aufgabe ihrer Vernunft in zweiter Linie. Die Mitarbeiter dieser Zentren müssen ihr Visum für Peru alle drei Monate erneuern, und also die kleine Rundreise zur nächsten Grenze antreten. Aus Peru ausreisen, in Kolumbien einreisen, am nächsten Tag aus Kolumbien ausreisen, um in Peru wieder einzureisen. Um dann letztlich und mit Glück ein Visum für weitere drei Monate zu erhalten. Und dafür mindestens zwei Tage unterwegs zu sein. Die Rückfahrt von Santa Rosa nach Iquitos dauert zwölf Stunden, weil das Boot stromaufwärts fahren muss. Abfahrt um drei Uhr morgens!

Ankunft in Santa Rosa, Peru

 

Das Schnellboot legt in Santa Rosa an einer Art schwimmenden Mole an, und das Anlegen ist dort immer abhängig vom Wasserstand des Amazonas. Ist das Wasser hoch, also in den Monaten nach der Regenzeit im März, stehen lokalen Boote (chaluppas) an der Mole bereit. Diese fahren für zehn Soles in Richtung Immigrationsbüro von Santa Rosa. Gepäck mitnehmen nicht vergessen, das bleibt nicht im Schnellboot, und wird für einen ausgeladen und umgeladen. Die Chaluppa tuckert dann in Richtung peruanisches Ufer, lädt die Reisenden aus und der Fahrer zeigt die Richtung, wo sich das oficina de imigracion befindet. Das Gepäck bleibt wohlbehütet zurück.

Amazonas Trifrontera
Statt grauer Tauben. Ortsübliche Vogelpopulation am Amazonas

Da es nur eine nennenswerte Strasse in Santa Rosa gibt, kann man sich kaum verlaufen. Im Büro der Grenzpolizei bekommt man den Ausreisestempel für Peru. Und dann geht es mit dem kleinen Boot, welches gewartet hat, zum finalen Zielort an der Trifrontera. Denn wer nicht in Santa Rosa bleiben möchte, und ich wollte es nicht, der muss also nach Leticia oder Tabatinga.

Leticia in Kolumbien: Palmen und Motocarros

 

Von allen drei Orten an der Trifrontera hat mir Leticia am besten gefallen. Santa Rosa ist wie ein mexikanisches Dorf aus einem Sam Peckinpah Film, ein paar Hütten, ein paar Restaurants mit Plastikstühlen und ohne Wände. Die Strasse ist eher ein Lehmpfad. Aber es gibt dort ein billiges Hostel, und bunte Schwärme von Papageien. Die Dame im Immigrationsbüro verrichtet professionell freundlich ihren Dienst. Wer ausreisen möchte aus Peru, bekommt hier seinen Stempel. Die englische Lady übrigens, welche mit uns reiste, fuhr auch nach Leticia, und wir teilten uns ein Boot. Was uns keinen Gewinn brachte, denn man zahlt pro Person.

Also auf nach Kolumbien! Leticia hat einen kleinen Hafen am Amazonas, von welchem Kolumbien nur ca. 100 Km seines Ufers besitzt. Leticia ist quirlig, staubig, heiss und hat den Charme einer freundlichen Grenzstadt. Mit Löchern in den Strassen so gross wie ein Schulbus. Palmen, Papageien, Geldwechselstuben, und vollbesetzten Cafes, in denen Menschen in James Rodriguez Fussballtrikots nichts tun ausser sitzen und schauen. Die am Amazonas bewährten asiatischen Motorradrikschas sausen durch die Strassen wie ein Schwarm verirrter Bienen. Allerdings heissen die Rikschas hier nicht Tuktuks, sondern Motocarros.

Amazonas Trifrontera
In den Strassen von Leticia, Kolumbien

Der erste Weg in Kolumbien führte uns also pflichtgemäss in das örtliche Immigrationsbüro. Welches sich am Flughafen von Leticia befindet. Wir brausen also mit all unserem Gepäck auf dem Motocarro zum Flughafen, lassen die Taschen der Einfachheit halber beim Fahrer, welcher treuherzig meint, darauf aufzupassen. Das ist ok, wir kennen uns ja schon zehn Minuten. So lange braucht man nämlich, um vom Hafen in Leticia zum Aeroporte zu gelangen.

Dort ist das Immigrationsbüro direkt in der sehr überschaubaren Abflughalle untergebracht, und wir erhalten unseren Einreisestempel. Bienvenidos a Colombia! Zu unserer Überraschung sind das Motocarro, der Fahrer und unser Gepäck auch noch da, und wir fahren direkt in unser Hotel. Kurz darauf gehen wir zu Fuß zu einer der Geldwechselstuben in Leticia, und tauschen dort die peruanischen Soles in kolumbianische Pesos. Von denen sind 30.000 ungefähr zehn Euro, an die Summen muss man sich also erst mal gewöhnen.

Leticia bietet eine gute Infrastruktur für Traveller

 

Typische Aktivitäten an der Trifrontera sind Ausflüge nach Puerto Narinjo und in den Regenwald auf beiden Seiten des Amazonas. Leticia verfügt über einige Agenturen, die preiswert und gut sind und die Exkursionen durchführen.

In einem der vielen Reisebüros in Leticia erfahren wir von einem freundlichen Herrn: Wer von der Trifrontera aus weiter den Fluss mit einem der langsamen und grossen Boot befahren möchte, kann in Leticia nur Tickets für das Schnellboot zurück nach Iquitos kaufen. Die Tickets für die Boote nach Manaus gibt es nur in Tabatinga an der Mole. Auf Spanisch ist dies die Muelle. Wir schnappen uns also ein Motocarro, sausen nach Brasilien, und der Fahrer kennen den richtigen Ort. Das Ticketoffice für die barcos lentos ist im kleinen Terminal an der Mole von Tabatinga.

Nur Barzahlung, nur in brasilianischer Währung!

Es gibt zwei Banken in Tabatinga, und es gibt ein Limit für Bargeldzahlung, welches momentan 800 Reales ist. Das Ticket für eine Kabine für die Fahrt nach Manaus kostet ca. 1500 Reals, man muss das Limit also zweimal ausnutzen, um das Bargeld zusammen zu bekommen.

Der Motocarrofahrer unseres Vertrauens wartet. Brasilianische Banken können voll sein, so mein Eindruck, aber nicht alle Leute warten an den zahleichen Geldautomaten. Manche scheinen dort allerdings auch Bargeld für Freunde und Verwandte abzuholen, es kann also dauern…Kreditkarten von Mastercard haben funktioniert in Tabatinga, sicher erschien es mir auch. Am hellichten Tag sind dort viele Menschen, und die beiden Banken liegen sich an einer stark befahrenen Strasse gegenüber.

Die Trifrontera zu verlassen, wenn man denn sein Ticket für das Amazonas Boot hat, ist wieder sehr einfach. Ab zum Flughafen von Leticia, Ausreisestempel und Adios Colombia! Wer früh morgens in Brasilien weg muss, kann auch am Abend vorher sich den Stempel in Kolumbien besorgen. In Tabatinga Brasilien bekommt man den Einreisestempel in der örtlichen Polizeistation, welche in der Nähe der Mole liegt – wie praktisch!

An uns wurden also einige Motocarros reich! Nun ja, fast, es sind keine hohen Beträge. Viel Gepäck sollte man auch nicht dabei haben, die Tuktuks sind klein…

Wer nicht mit dem Schiff die Trifrontera verlassen möchte, der kann auch fliegen. Tabatinga als auch Leticia haben Flughäfen, und Iquitos, Bogota und Manaus sind von dort täglich zu erreichen.

Übersicht: An der Trifrontera des Amazonas

  • Drei Orte zur Auswahl: Santa Rosa in Peru, auf der anderen Seite des Flusses liegen Leticia, Kolumbien und Tabatinga, Brasilien. Leticia und Tabatinga sind nicht von Wasser getrennt!
  • Zwischen den Orten keine Grenzkontrollen, aber:
  • Jeweils vor der Weiterreise bzw. Ausreise den Ausreisestempel des Landes besorgen, im Oficina de Imigracion nach sello de salir oder entrar (bei der Einreise) fragen
  • Schnellboote von und nach Iquitos: Nur ab Santa Rosa, Peru.
  • Langsame Boote nach Manaus, Brasilien: Nur ab Tabatinga. Ebenso die Tickets gibt es nur an der Muelle de Tabatinga. Kosten für eine Kabine für zwei Personen: 1500 Reals bis Manaus. Essen inklusive.
  • Zahlbar in Reals! Cash is king, keine Karten!
  • In Tabatinga kann man am Automat momentan maximal 800 Reals abheben.
  • Mehr Info zur Fahrt von Iquitos nach Santa Rosa auf dem Amazonas

 

DC Loew
Dabei sein

DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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