Auf dem Arusha Moshi – Highway in Tansania: Fahren wie der Dalai Lama

Tansanias Norden: Arusha Moshi für Selbstfahrer

 

Als ob eine Safari nicht spannend genug wäre, gibt es für Adrenalinjunkies unterwegs in Tansania eine einmalige Möglichkeit, dem Tod mehrfach ins Auge schauen zu dürfen – und ich rede nicht davon, die Löwen füttern zu wollen oder den Massai eine Kuh zu stehlen. Ich spreche davon, mit dem Auto zwischen den beiden Städten Moshi und Arusha, im Norden Tansanias, zu fahren. Und zwar auf der nur zweispurigen und durchgehend asphaltierten Straße genannt „Arusha – Moshi – Highway“.

Arusha Moshi - Tansania für Selbstfahrer
Afrika für Selbstfahrer ist nichts für Weicheier!

Der Arusha – Moshi Highway ist keine Autobahn im Sinne des Wortes. Wie gesagt, die Strecke hat lediglich eine Fahrspur in jede Richtung. Asphalt gibt es durchgehend auf den ca. 70 km Länge der Straße, allerdings in wechselnder Qualität, zudem eine Menge Kurven, viele Hügel, noch mehr Polizeikontrollen und oftmals sehr wenig Sicht.

Doch was macht nun eine Fahrt auf dieser Strecke in Tansania so spannend und herausfordernd? Die Orientierung ist einfach – es gibt kaum nennenswerte Abzweigungen. Zum Kilimandscharo Airport als auch zu den Orten, wo die Routen zum Erklettern des Kili beginnen, und diese sind ausgeschildert. In Arusha ist das Autofahren auch kein Problem, es geht in diesem Ort ohnehin alles nur schrittweise vorwärts in einem permanenten Stau. In Tansanias Moshi fährt man dagegen auf breiten, baumbestandenen Alleen am Fuße des Kilimandscharo gemütlich, ohne viel Hektik und die übliche afrikanische Betriebsamkeit, durch das malerische Städtchen.

Das Fahren auf dem Highway wird durch zwei Umstände herausfordernd und einzigartig: Zum ersten wären da die anderen Verkehrsteilnehmer, welche Hindernisse darstellen. Und zum Zweiten sind es die anderen Verkehrsteilnehmer, welche dich als Hindernis betrachten.

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Der afrikanische Busfahrer: Ein König

 

Die erste Gruppe aus Verkehrsteilnehmern besteht aus ganz vielen Menschen und Tieren, die den Highway überall queren – an jeder möglichen und unmöglichen Stelle, offenbar todesverachtend. Menschen jedes Mobilitätsgrades, Frauen, Männer, Kinder, alte Menschen, Frauen mit Handwagen und Kindern, Männer und Frauen mit Haustieren (Esel, Kuh, Ziege, Schaf, Hund). Männer auf Eselskarren, Männer meterhoch mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aller Art (Kaffee, Zweige, Mais, Kartoffeln, Bananen, Holz) beladene Handkarren schiebend. Schulklassen in ihren schmucken Uniformen. Gruppen von Frauen von der Feldarbeit kommend. Gruppen von Männern, vom Herumsitzen kommend.

Dann, die Tiere. Kuhherden, Marabus, Esel, alles läuft oftmals frei und ungebunden herum. Die Esel scheinen die Verkehrsregeln zu kennen, die Kühe oft auch und bleiben am Straßenrand stehen. Ziegen und Schafe dagegen kenne keine Verkehrsregeln. Hunde sind fröhliche Anarchisten und machen, was sie wollen. Deshalb sieht man ihre Kadaver öfters am Wegesrand.

Zur ersten Gruppe der Hindernisse gehören natürlich auch motorisierte Fahrzeuge – allerdings solche, die nicht schnell fahren können: LKW aus der Kolonialzeit, Motorroller aus Indien, Rikschas, verrückte Fahrradfahrer, Traktoren, Touristen, die sich an die Verkehrsregeln halten.

Die zweite Gruppe aus Verkehrsteilnehmern ergänzen dieses malerische Mosaik des Wahnsinns nun um die Ebenen Geschwindigkeit und Todesverachtung, und sehen alle anderen als zu verachtendes Hindernis an, welches es gilt, hupend und gasgebend zu umfahren. Es sind dies in erster Linie die Busfahrer, und die Fahrer der kleineren Sammelbusse, Dalladalla genannt.

Der afrikanische Busfahrer, und ich verallgemeinere ganz bewusst, ist ein König. Herrscher seines kleinen, aber unabhängigen Lehens: Dem Bus. Mächtig, schnell, und ihm egal, ob er eine Kuh oder einen Eselskarren überfährt. Und jeder Bus in Afrika hat eine tolle Botschaft an seiner Front: Jesus Loves You, The Lord is our Saviour, Here Comes Mr. Lover Lover. Wer so fährt, als sei ihm das Paradies im Jenseits sicher, muss im Diesseits keine Rücksicht nehmen, Angst haben, Zweifel hegen, oder Verkehrsregeln im europäischen Sinne kennen und beachten.

Der Busfahrer auf dem Arusha-Moshi-Highway gibt Gas, und überholt überall. Auch da, wo man nicht überholen kann. Ähnliches gilt für Dalladallas: Stoppen und Losfahren, rechts anhalten und links wieder ausscheren, natürlich ohne zu schauen, zu blinken, oder zu warten. Und die Fahrgäste, die aus jedem Dalladalla ein- oder aussteigen agieren ähnlich ihres Verkehrsmittels.

Fahren wie der Dalai Lama

 

Für den waghalsigen Traveller kann es nur ein Rezept geben, diesem Experimentierfeld der Chaostheorie lebendig zu entkommen: Man muss fahren, wie der Dalai Lama. Wenn der Dalai Lama einen Führerschein hätte, natürlich.

Auf dem Arusha – Moshi – Highway bedeutet dies: Alle Dalladallas lässt man gnädig passieren und abbiegen, wo immer sie wollen. Lass sie einfach um dich herumschwirren wie Fliegen um einen Elefanten.

Bussen macht man Platz, egal auf welcher Seite der Straße sie fahren. Lass Jesus is the Answer an dir vorüber preschen, selig sind die sanftmütigen und die, welche warten können.

Kinder, Frauen, Tiere, alte Menschen, erwarte alles von Ihnen, nur nicht, dass Sie am Straßenrand, der Asphaltnarbe oberhalb roter Erde, einfach stehenbleiben, schauen, auf die Lücke im Autoverkehr warten, und dann gehen. Sie gehen, wann immer es ihnen passt. Ein Verhalten, so unberechenbar wie eine Herde Schafe bei Wolfsgeheul.

Sei ein weiser Traveller, und begegne diversen Polizeikontrollen mit einem dalailamahaften Lächeln und einem sanften Scherz, natürlich ebenso mit Verbandskasten, allen Papieren, zwei Warndreiecken und den Warnwesten griffbereit.  Der gerne nachgefragte „Führerschein für Tansania“ ist der internationale Führerschein, reiche diesen mit der Noblesse eines Klosterschülers an den Beamten. Und lasse keine Mißverständnisse aufkommen in diesem Speil der Bluffer: „Here you go, Sir!“

Fahren wie der Dalai Lama im nördlichen Tansania ist das Erfolgsrezept, den Arusha – Moshi – Highway zu überstehen, auf dem Weg zu Tansanias einmaligen Naturschätzen: Der Serengeti, dem Ngorongoro Krater, dem Kilimandscharo.

Wem das noch immer nicht reicht an afrikanischem Adrenalinkick, dem empfehle ich, mit kurzen Hosen in einem Schwarm Tse-Tse Fliegen zu tanzen. Aber das ist eine andere Geschichte.

DC Loew
Dabei sein

DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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