Wunderbares Americana – Bloomington, Indiana: Die Stadt, in der ich John Mellencamp nie traf

Bloomington, Indiana: small town USA

 

Americana, das sind Stories und Folklore aus der reichhaltigen Geschichte der Vereinigten Staaten. Die folgende Geschichte spielt im Sommer, im alten Westen…Ich habe keine Ahnung, ob Bruce Springsteen irgendwo in New Jersey wohnt. Aber die ganze Welt weiss, dass John Mellencamp in Bloomington, Indiana, seiner Heimatstadt, lebt. In a mansion on the hill, nehme ich an. Und wer die wahre USA sehen möchte, fernab von glitzy LA und Capital of the world NYC, der muss in die Provinz, in das heartland, nach Indiana.

Es gibt absolut keinen Grund, nach Indiana zu fahren, es sei denn, man möchte Mellencamp treffen, oder muss an die dortige Universität, aber aufgepasst: Nichts ist wahrer als die Provinz. Städte sind oft nur ein Schlag ins Gesicht oder ein pain in the neck. Die Provinz ist immer ein erdender Tritt in den Hintern.

Die Berichte der Mellencamp Treffen in Kneipen und auf Strassen Bloomingtons sind Legende und überall im Netz nachzulesen. Wie auch immer, ich mochte Mellencamps Musik, und eines Tages beschloss ich, dass ich nach Bloomington fahren werde. Nicht nur wegen Mellencamp, dem Musiker. Sondern wegen John Ford, dem Filmregisseur. Ich fuhr an die in Bloomington ansässige Universität, die Indiana University, um dort im Rahmen meines Studiums der Filmwissenschaft eine Recherche über einen der berühmtesten Filmregisseure der USA durchzuführen.

In der Indiana University liegt nämlich der künstlerische Nachlass von John Ford, einem echtem American artist: Drehbücher, Konzepte, Briefe, Verträge, Korrespondenz mit John Wayne, James Stewart und anderen Hollywoodgrössen aus den Goldenen Tagen von Tinseltown.

Über Chicago also fliegt man am besten in Richtung Bloomington ein. Von der Stadt am Lake Michigan sind es vier bis fünf Stunden über den Highway nach Süden, entlang durch Farmland USA, und direkt ins Herzland der Nation: Maisfelder solange das Auge blicken kann und eine Gegend, die ausschaut wie der Allgäu, nur ohne die Alpen dahinter. Und mit Maisfeldern anstatt grünen Wiesen. Wahlweise kann man auch bis Indianapolis fliegen, einer der unscheinbarsten Städte dieses Planeten, glaube ich – denn entweder habe ich eine Amnesie, was diese Zeit angeht, oder tatsächlich hat Indy keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Wahrscheinlich ists eine Mischung aus beidem!

Irgendwann taucht dann Bloomington hinter den gelben Maishügeln auf, eine propere amerikanische Unistadt wie aus einer Fernsehserie. Allerdings ist die Indiana University von ihrer Infrastruktur wirklich sehr beeindruckend: Der Campus ist mehr ein Parkgelände in der Grösse eines Stadtteils, die Unigebäude über den Park verteilt, riesige Sporthallen, das Footballstadion, die Strassen gesäumt von den Fraternitätshäusern, prächtigen Villen im Stil des 19. Jahrhunderts.

Die Bibliotheken und sind sandsteinverbrämte Prachtbauten, die deutschen Studierenden wahrscheinlich Tränen der Freude und des Neides in die Augen treiben. Ich begab mich in die Lilly Library, einem fast bescheidenem, unscheinbarem Gebäude hinter Bäumen, gesäumt von geschotterten Fusswegen. Im Eingangsbereich liegt eine echte Gutenbergbibel ausgestellt, in einer Glasvitrine, sowie eine Abschrift der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Ich musste also bis nach Bloomington, Indiana, USA fahren, um eine der ersten jemals im Drucksatz erstellten Bücher eines Mannes aus Mainz sehen zu können, angefertigt im 16. Jahrhundert in der alten Welt, jetzt einsehbar im Herzland der neuen Welt. Gutenberg wurde vom Time Magazin zum Mann des Jahrtausends gewählt, wisst ihr noch? Und gibt es Gutenbergbibeln in Mainz zu sehen? (Ja, gibt es, eine einzige).

Aber auch die John-Ford-Papers sind für jeden Filmhistoriker eine Reise zur Indiana University wert, und die Lilly Library ist eine weitere traumhafte Institution des US-amerikanischen Bildungssystems. Die Benutzung für auswärtige und ausländische Besucher ist, kaum zu glauben, kostenlos. Anmeldung per Email. Man wird per Namen begrüsst, und gefragt, welche Unterlagen man denn einsehen möchte. Und noch ein Traum wurde wahr für mich, im land of opportunities: Fords Oscar Statue von 1939 durfte ich halten und zu mir auf den Schreibtisch stellen. Deshalb fährt man doch in die USA, oder: I lift my lamp beside the golden door.

Abends ging ich nach Downtown, Bloomington, um Mellencamp zu sehen. Leider habe ich Ihn nicht getroffen, an keinem Abend: Weder im zauberhaften Bagelladen, noch in der Wäscherei, noch in einem der Bottleshops, und auch nicht in einem der Frühstückslokale. Bloomington hat so etwas praktisches, komfortables, es passt zu dem Land, welches gerne praktische Dinge erfindet um das Leben zu vereinfachen: Glühbirne, Revolver, elektrischer Stuhl, 35mm Film, Facebook, you name it.

Bloomington, diese sehr typische amerikanische Unistadt, vermischt sich in meiner Erinnerung oft mit einer weiteren typischen Unistadt, nämlich Ann Arbor, wo sich Michigan University befindet. Dort war ich auf einer Hochzeitsfeier, nicht meiner eigenen, und nur über das Wochenende. Aber das ist eine andere Geschichte. Bloomington, Small Town USA, und Mellencamp hat sogar einen seiner bekannteren Songs übers eine Heimatstadt gemacht: Smalltown. Die Strasse nach Norden, aus Bloomington heraus, führt an den üblichen Konglomerationen von Motels, das was die Amis Restaurants nennen und Tankstellen in Richtung Windy City Chicago, an die meerähnlichen Gestade des Lake Michigan. Aus one horse town in das wunderbare Chicago, der unterschätztesten der grossen Städte des alten Westens.

The Boys of Summer: Wrigley Field

 

Eine meiner schönsten Reiseerinnerungen ist mit Chicago und dem Baseball verbunden: Auf jeder Bucketliste für Sporfans muss ein Besuch der Chicago Cubs stehen, dem notorisch erfolglosen und notorisch geliebten Baseballteam Chicagos, das St. Pauli des Major League Baseball. Baseball ist Sommer, ist Liebe, ist Tradition: take me out to the ballgame.

Dort sass ich im sommerlichen Wrigley Field, dem legendären Stadion der Cubs, die skyline von Chicago am Horizont, und Dr. Green aus Emergency Room ein paar Reihen vor mir. Natürlich haben die Cubs verloren. Und ja, Sammy Sosa, ein legendärer Spieler der gegnerischen Mannschaft, hat einen Homerun geschlagen: Sammy hit one out. Dreamland USA.

DC Loew
Dabei sein

DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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