Karibik: Curacao – hin und weg

Curacao für Traveller- hin und weg oder Hin und weg?

 

Kennt ihr das auch? Manchmal kommt man an einen Ort, und es gab sehr gute und gut recherchierte und gut gefühlte Gründe, genau diesen ganz bestimmten Ort zu bereisen, und dann kommt man hin und denkt: Was zum Teufel mache ich hier eigentlich? Und als zweites denkt man: Ich will hier weg. Und genau so ging es mir mit Curacao. Reiseblogger reisefloppen eben auch manchmal.

Curacao also. Zwei Fragen, nach dem Besuch dieser Insel, stellen sich für mich. Was genau hat mich noch mal dazu bewogen, nach Curacao zu fahren? Und was machen andere Menschen eigentlich dort, wenn sie ihren Urlaub verbringen bzw. was genau hat sie bewogen, dorthin zu fahren? Frage Eins lässt sich einfach beantworten: Bei mir waren es exakt zwei Gründe, Curacao als Reiseziel ausgewählt zu haben, beide ergaben sich aus meiner Reise entlang des Amazonas von Iquitos nach Manaus: 1. Wohin nach der Ankunft in Manaus, wenn man nicht in Brasilien bleiben möchte? 2. Meer wäre schön.

Da es einen direkten Flug von Manaus nach Curacao gibt (mit InselAir, die heissen wirklich so), und ich von dort mit KLM auch wieder nach Europa zurück komme, fiel die Wahl auf Curacao. Erst den Amazonas entlang, und dann die Reise abrunden mit ein wenig Karibikfeeling erschien mir eine gewinnende Kombination. Eine kurze Recherche im Netz (Strandfotos, Berichte von Reisebloggern) ergab keine Gründe dagegen. Hätte ich nur besser nachgeschaut!

Curacao
Curacao, die Hafenpromenade von Willemstadt. Was man so kennt von Fotos.

Denn, und das ist für mich das eigentliche Ärgernis, und war für mich Anlass, nach zwei Stunden auf Curacao dort wieder weg zu wollen:

Curacao ist weder schön, noch ist es im klassischen Sinne „karibisch“. Durchsetzt von staubiger, wüstenähnlicher Landschaft, reihen sich Kakteenwälder an Dornbuschsavanne. Die Landschaft ist zersiedelt, aber nicht mit anmutigen karibisch-bunten Häuschen, Palmen und Orchideen, sondern mit Ölraffinerien, stark befahrenen Landstrassen, Lagerhäusern, Spielcasinos, Fast-Food Restaurants, Shopping Malls, Hotelklötzen, Appartmentanlagen, Bauruinen, Industriebrachen, Parkplätzen, Supermärkten, Hafenanlagen, Betonwüsteneien.

Auch die Strände, für welche Curacao eigentlich bekannt ist, sind enttäuschend mittelmäßig. Sie sind zumeist keine natürlichen Sandstrände, steinig oder zugemüllt, meistens recht übersichtlich um nicht zu sagen klein, oft ungepflegt, oder nur über die oben bereits erwähnten Hotelbunker zu betreten. Die etwas abseits gelegeneren Strände im Norden der Insel haben darüber hinaus keine sie ergänzende urbane Infrastruktur, sie sind von Wüstenei umgeben und man muss von Curacaos Hauptstadt Willenstad mehr als 30 km Anfahrt in Kauf nehmen.

Palmen und Sandstrand auf Curacao sind fast alle künstlich angelegt – die Palmen sind es wahrscheinlich zu 100%. Selbst die akzeptablen Strände (Kukumo, Playa Kinepa) sind meist überlaufen und versprühen den Charme einer Clubanlage oder eines Campingplatzes. Nur die Wohnwagen fehlen.

Curacao
Das ist nicht die Kalahari in Botswana, das ist das Hinterland von Curacao.

Kurz gesagt: Curaco ist nicht das, was ich klassischerweise unter „karibisch“ verstehe: Relaxt, tropisch bunt, die Strände voller weißen Sandes, die Landschaft blühend und lieblich. Interessanterweise sagt das so konkret weder der mir vorliegende Reiseführer, noch die Berichte von Reisebloggern werden explizit.

Zwei Beispiele.

Reisebloggerin Travelicia spricht vom „Wilden Westen der Karibik“, ein ziemlich alberner und wenig passender Euphemismus. Zudem schreibt sie: „Man sagt, dass Curacao der „Wilde Westen“ der Karibik ist. Außer Strand und Palmen gibt es auch raue und wilde Ecken auf der Insel. Im Norden findest du kleine Buchten, freilebende Flamingos oder auch wilde Kakteenlandschaften. Zum Beispiel im Christoffelpark“.

Ich habe keine Ahnung, wer das vom Wilden Western der Karibik jemals gesagt hat, es ist jedenfalls kompletter Blödsinn. Und eigentlich ist es genau umgekehrt: Außer rauen und wilden Ecken gibt es Strand und Palmen, beide mehr oder weniger künstlich angelegt.

Auch der folgende Hinweis im Blogtext, dass Curacao „anders sei“, weil es ja ein autonomer Staat innerhalb des Königreichs der Niederlande ist, bleibt unbegründet – dieser spezifische Status der Insel ist ein recht schwammiger politischer Status, und der tatsächliche Unterschied zum bisherigen administrativen Status der Insel ist mir jedenfalls ziemlich unklar. Denn: Die niederländische Marine beschützt die Inseln nach wie vor, Prins Pilsje König Willem Alexander ist Staatsoberhaupt und die EU unterstützt bei der Finanzierung der Sanierung der Altstadt von Willemstad.

Geändert hat sich also lediglich, dass die administrative Verwaltung der niederländischen Antillen als Gesamtkonstrukt weggefallen ist, und die Inseln des einstigen Verbunds sich jetzt einzeln selbstverwalten. Aber letztlich immer noch zu den Niederlanden gehören, und ein bischen zur EU.

Curacao
Botswana Roadtrip, die Kalahari bei Ghanzi. Ach nein, ist vielleicht doch Curacao? Stimmt.

Wolkenweit schreibt begeistert über den Staubflecken, was mich doch etwas entgeistert – war die Bloggerin schon mal woanders in der Karibik? Mir scheint, da fehlt der Vergleich.

Ich zitiere: „Doch die Insel Curaçao hat so viel mehr zu bieten, als die Farbe Blau: nämlich tropische Exotik, karibisches Flair, Bilderbuchstrände, türkis-blaues Meer, wundervolle Plätze zum Schnorcheln und Tauchen, XXL-Kakteen, die Hauptstadt Willemstad mit holländischem Charme, sympathische Einwohner und noch so viel mehr.“

Die tropische Exotik und das karibische Flair konnte ich beim besten Willen nicht entdecken, ich lasse in dieser doch sehr in marketingdeutsch verfassten unreflektierten Eloge die „XXL Kakteen“ und die „sympathischen Einwohner“ als faktisch begründet gelten.

Zudem kann ich kritisch sein, ohne eventuelle Auftraggeber oder Sponsoren meiner Reise – wie eine Fluggesellschaft, welche mich dort hingebrahct hat, oder die Destination Marketing Organisation von Curacao – zu verprellen.

Curacao ist nichts für Traveller

Denn, lets face it: 

Curacao hat weder tolle, überdurchschnittlich interessante, natürliche Strände, noch eine schöne Landschaft zu bieten, und darüber hinaus keine wirklichen touristischen Attraktionen, ausser vielleicht der Innenstadt von Willemstad, welche sich ein UNESCO Welterbe nennen darf, aber an vielen Stellen mehr einer zentraleuropäischen Fussgängerzone in historisierender Kulisse gleicht.

Die Geschäfte in Willemstadt sind ausgelegt auf den Besuch von Kreuzfahrttouristen, die Gastronomie mit niederländischem Touch und ganz viel Heineken. Touristische Ziele wie das Aquarium (Delfine gehören ins Meer! Nicht hingehen!) und diverse Lagunen mit einer Handvoll Flamingos drin sind ein schlechter Scherz. Für Taucher mag Curacao ein lohnenswertes Ziel sein, die vielen Tauschschulen und vorhandenen Tauchspots im Meer sprechen dafür, aber ich tauche nicht…

Zusammengefasst war also für mich als eher individueller Traveller Curaco ein kompletter Flop.

Hier gehörte ich einfach nicht hin. Curacao scheint dagegen für viele andere Menschen eine sinnvolle Urlaubsdestination zu sein, und das bringt mich zu der eingangs erwähnten Frage, wieso hierhin überhaupt jemand fährt. Ist Curacao als Pauschalreiseziel preiswert? Offenbar wird es als Karibik zum Budgetpreis vermarktet, aber mit klasssichen Karibikzielen (Kuba, Martinique, Dominikanische Republik, um nur enige bekanntere Destinationen zu nennen) hat Curacao nichts ausser dem namengebenden Meer gemein.

Curacao
Curacao, Playa Jeremie

Allerdings, und das gibt mir auch zu denken als eine weitere Erkenntnis bzw. Beobachtung in meinen Tagen auf Curacao: Die Leute, welche in den von mir besuchten Hotels als Gäste verweilten, saßen morgens am Pool des Hotels, als ich ging, und waren am Nachmittag, als ich wieder kam, immer noch dort.

Es scheint also Urlauber zu geben, welche ganztägig am Hotelpool sitzen und dies offenbar freiwillig tun und für welche dies Urlaub bedeutet? In einer Hotelanlage im Norden der Insel, welche ein ganz akzeptables Restauarant aufweist, verbringen viele der Gäste offenbar ihren kompletten Urlaub – was mich entgeistert, denn es gibt nichts ausser Staub, Dornbüschen und einigen mickrigen steinigen Stränden dort.

Keine Urbanisation oder dergleichen in der Nähe der Hotelanlage! Aber die grösstenteils holländischen und deutschen Besucher scheinen ihren Tag komplett in der Anlage zu verbringen?! Eine Woche Unterkunft dort ist bereits ab 790 Euro pro Person, inklusive Flug, zu erhalten, was einiges erklärt und meine Frage oben beantwortet: ja, es gibt preiswerte Pauschalangebote für Curacao.

Von daher betrachtet, hat eine Destination wie Curacao offensichtlich auch ein dankbares Publikum. Für Backpacker, Flashpacker, Traveller, welche etwas mehr Ansprüche an ein Reiseziel als den ganztägigen Aufenthalt an einem Hotelpool stellen, muss Curacao also demnach durch das Raster fallen.

Oder anders ausgedrückt: Ich gehöre offensichtlich nicht zur Zielgruppe des typischen Curacao Urlaubers.

Curacao Hotel – und Restaurant Tipps

Um aber auch noch etwas positives anzumerken, dies sind meine Curacao Hotel- und Restaurant Tipps:

Die beiden Hotels, welche ich besuchte, waren ohne Abstriche sehr gut: The Ritz ist eine originell umgebaute Eisfabrik, das Boutique Hotel t` Klooster ist ein ganz hervorragendes Haus mit toller Einrichtung und sehr freundlichem Ambiente.

Essen gehen kann man in Willemstad ebenfalls sehr anständig, nämlich beispielsweise in der Brasserie Chapter und dem Restaurant Komebeiden bieten auch vegetarische Optionen. Streetfood gibt es in der Markthalle Plasa Bieu, alle genannten Orte befinden sich im Stadtteil Punda bzw. Pietermai.

Mich interessiert eure Meinung – wer findet Curacao als Urlaubsziel toll, war schon mal dort, und würde wieder hinfahren? Wer fand es eher enttäuschend? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Wer noch mehr Reiseentpfehlungen sucht, wird hier bei der Blogparade von worldonabudget fündig!

Curacao
Curacao, dann doch mit etwas Blue: Playa Jeremie
DC Loew
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DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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1 Comment
  1. Dieser Kommentar erreichte mich von Andreas per Email – da die Kommentarfunktion unter Beiträgen aus Gründen des Spamschutzes nur zwei Wochen geöffnet ist, trage ich Andreas Kommentar manuell ein. Andreas bloggt unter hallorio.de:

    Danke für den ungeschönten Einblick. Ich werde im August ein paar Tage dort sein und recherchieren – mir geht es im Wesentlichen um die Ölraffinerie, aber auch das Welterbe – beides zusammen scheint mir ein ziemlicher Gegensatz zu sein. Aber die Eindrücke, wie Du sie schilderst, hatte ich bei der Vorrecherche auch. Da gibt es ein paar hübsche Ecken und der Rest ist ziemlich mittelmäßig.

    Gut finde ich auch, dass Du auf die Eindrücke der anderen Blogger eingehst. Da wird Dich sicher der eine oder andere „Kollege“ der Nestbeschmutzung bezichtigen, aber ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass viele Reiseblogger vieles rosarot sehen, weil es besser zum Bloggerimage passt. Vieles wird hochgejubelt, über die Gründe mag man spekulieren – ist es die zu enge Verflechtung und Abhängigkeit von Reiseveranstaltern, die oft Teile der Reise zur Verfügung stellen? Oder einfach mangelndes schreiberisches Handwerk und fehlende Distanz im Allgemeinen – ich weiß es nicht.