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Am Amazonas: Chillen in Leticia, Kolumbien

Leticia Amazonas: Freundliche Grenzstadt an Kolumbiens Amazonas oder No busco nada. Aber ich finde: Rayando el sol.

 

Ich wollte eigentlich schon immer den Amazonas mit einem lokalen Boot herunter fahren. Und immer ab Iquitos, und mindestens bis Manaus. Dass man mit dieser Route auch durch Kolumbien kommt, wurde mir erst so recht klar, als ich den Trip plante. Kolumbien! Allein das Wort ist Abenteuer-verheischend!

Was fällt einem da nicht alles ein: Der Hüftschwung von Shakira, der Schnurrbart von Pablo Escobar, die Bücher von Gabriel Garcia Marquez und 100 Jahre Bürgerkrieg, mindestens.

Amazonas

Kolumbien liegt am Amazonas? Si, claro!

 

Aber letztlich dienen Reisen ja dazu, die eigenen Vorurteile und Klischees dem Realitätstest zu unterziehen. Also, auf nach Kolumbien! Ein Land, das touristisch zweifellos sehr im Kommen ist, weil es mit einer äusserst reichhaltigen Kultur, Geschichte und überbordenden Natur auftrumpfen kann. Eine angenehm freundliche und zurückhaltende Bevölkerung kommt dazu.

Und obendrein kann Kolumbien satte 100 Kilometer Flusslinie des Amazonas, des mächtigsten und überhaupt grossartigsten Fluss der Flüsse sein Eigen nennen darf. Und die grösste Urbanisation des kolumbianischen Amazoniens ist das wirklich charmante Städtchen Leticia. Gelegen an der sogenannten Trifrontera, dem Dreiländereck zwischen Peru, Brasilien und Kolumbien.

Benannt wie eine Prinzessin, ist Leticia doch eher rauhe Landwirtstochter statt adeliger Feingeist. Motorsäge statt Zepter. Schwielen an den Händen statt Maniküre. Grober Jeansstoff und ein Fussballtrikot statt kleines Schwarzes. Flipflops statt Pumps. Leticias Strassen sind gut, manchmal aber auch verbinden die verbliebenen Asphaltreste nur noch die Löcher darin.

Und Leticia hat so einiges zu bieten: Geldwechsel und Bankautomaten, Drogerien, Supermärkte, Internetcafe, Restaurants, Klamottenläden, Reisebüros, Agenturen für Ausflüge, Cafés, ein Hafen, und ein Flughafen.

Leticia Amazonas Kolumbien

Die etwas wild ausschauende Plaza von Leticia am Amazonas

Leticia als Traveller Basis

 

Kurz, für den unabhängigen Individualreisenden ist alles da. Obendrein eine gar nicht so kleine Auswahl an Hotels aller Preislagen. Wer an der Trifrontera, dem Dreiländereck am Amazonas zwischen Peru, Kolumbien und Brasilien gelandet ist, wird sich schon nach dem ersten Sichten seiner Bleibeoptionen entscheiden: Santa Rosa in Peru, die sehr rustikale Regenwaldoption mit Naturanschluss, Tabatinga, die hässliche wuselige Lösung im charmanten Brasilien. Oder eben Leticia, die rauhe, feundliche, unprätenziöse Kleinstadt in Kolumbien.

Meine Wahl fiel auf Leticia, und es gibt auch keinen Reiseführer, der gegenteiliges behauptet.

Und Leticia punktet: Freundliche Leute, alles entspannt, trotz des zuweilen rasanten Strassenverkehrs, preislich attraktiv, alles in Laufweite, an jeder Ecke ein Polizist.

So lässt es sich aushalten, was ich auch mehr als geplant tat. Leticia ist die perfekte Zwischenstation auf dem Weg weiter gen Amazonien, oder zum Atlantik, oder nach Bogota. Hier lässt es sich ausruhen, bei tropischen Fruchtsäften, kolumbianischer Pizza und lokalen Bierspezialitäten. Als Beweis das folgende Foto mit einem sehr hübschen lokalen Frühstück. Der Saft heisst „Lulo“, fragt mich nicht, was das für eine Frucht ist, aber sie schmeckt hervorragend!

Frühstück Leticia Amazonas

Leticia Amazonas: Desayuno Columbiano

Einfach mal gar nichts vorhaben, Leute gucken, herumgammeln, die grosse und unbesungene Kunst des Nichtstuns auf Reisen, hier ist der ideale Ort dafür. Das sieht also, Achtung, Symbolfoto, genau so aus:

 

Faultier Leticia Amazonas

Chillen. in Leticia Amazonas

Magischer Realismus im kolumbianischen Amazonien

 

Und zuweilen wird es magisch, wie in einem Buch von Gabriel Garcia Marquez: Mein Motto dieser reise am Amazonas war ja No busco nada, heisst auf deutsch: ich suche Nichts. Stimmt, habe ich getan in Leticia. Aber trotzdem Schätze gefunden, denn mein zweites Motto war rayando el sol – den Weg zur Sonne vermessen. Das ist ein Song der populärsten lateinamerikanischen Popband Maná. Wer durch Südamerika reist und nicht an jeder Ecke einen Mana Song hört, soll sein Geld zurück fordern!

Wie auch immer, eines Tages, ich schlendere ziel- und planlos aber deswegen glücklich durch die Strassen von Leticia. Welche mir wohlbekannten Klänge dringen an mein ungläubiges Ohr? Welchen Song spielt die Liveband zur Feier einer neueröffneten Drogerie, auf dem Gehsteig? Genau, Rayando el sol.

Das ist Magischer Realismus, zu schön, um wahr zu sein. Das sind die Erinnerungen, die ich als Reisender suche. Und die so schwer zu finden sind…

Folgend einige Reise – Informationen für Reisende nach Leticia am Amazonas, Kolumbien:

 

  • Anreise Leticia per Boot: Von Santa Rosa, Peru, aus Iquitos kommend, oder von Manaus aus kommend, in Tabatinga endend. Dann mit dem Motocarro nach Leticia fahren
  • Anreise Leticia per Flieger: Tägliche Verbindungen von Bogota, mit LATAM und mit Avianca
  • Geldwechsel Leticia: In der Strasse, welche vom Hafen in das Stadtzentrum führt
  • Banken und Geldautomaten: Im Stadtzentrum. Abbuchungslimit sind momentan 300.000 kolumbianische Pesos.
  • Restaurants in Leticia: Im Stadtzentrum, es gibt genug Optionen für Vegetarier. Am besten gefallen hat mir El Salto Angel an der Ecke Carrera 10 Calle 11.Gute Pizza dort!
  • Hotelempfehlung Leticia: Amazon B+B in der Calle 12, zwischen Carreras 9 und 10. Ist eher was für Flashpacker, muss ich zugeben. Gibt aber auch preiswerte Optionen…
  • Internetcafe: In Calle 8. 2500 COP pro Stunde Internet,
  • Supermärkte, Drogerien: Mehrere im Stadtzentrum
  • Exkursionen: In der Carrera 10, zwischen den Strassen 8 und 7 ist eine Agentur, für z.B. Trips in den Regenwald, oder nach Puerto Narino.
  • Amazonas Trifrontera: Mit dem Boot den Amazonas befahren
Leticia Amazonas

Leticia Amazonas: Lobby des Amazon B+B

 

DC Loew
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DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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