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Reiseliteratur für Traveller: Unterwegs mit Paul Theroux, Peter Moore und Alan Root

Reiseliteratur und Literatur für die Reise: Paul Theroux, Peter Moore, Alan Root.

 

Ab und an, von Zeit zu Zeit, manchmal, dafür an wenigen Gelegenheiten, schreibe ich über Reiseliteratur. Denn das sind die einzigen Bücher, welche ich mit Passion lese. Und die mich auf Reisen begleiten. Ich mag die „klassischen“ Reiseschriftsteller wie Paul Theroux, aber auch die jungen Witzbolde, wie Peter Moore. Und meine liebsten deutschen reisenden Schrifsteller, Andreas Altmann und Helge Timmerberg. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie bodenständige Schriftsteller sind, nicht auf die „goldenen Scheißhäuser der Kultur“ abonniert, wie es Charles Bukowski, im Prinzip auch ein großer Reiseschriftsteller, einmal formulierte. Und ja, ich verberge es nicht, ich halte Paul Theroux für den momentan besten Reiseschriftsteller.

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Paul Theroux: Von Südafrika nach Angola

 

In seinem Buch „Night train to Zona Verde“ beschreibt Theroux eine Reise von Südafrika über Namibia nach Angola. Nicht nur im Zug, aber größtenteils. Theroux fährt auch Bus, per Anhalter, mit Bekannten. Seine Reise von Kapstadt aus nach Norden ist der finale Teil seines epischen Trips von Kairo nach Johannesburg overland, im grandiosen Werk „Dark Star Safari“ geschildert und in diesem Reiseblog beschrieben

Was ich an Paul Theroux liebe, ist sein unprätentiöser und doch formvollendeter Stil, seine Unaufgeregtheit, seine Professionalität als Reisender und Autor. Seine Neugier und Beobachtungsgabe. Große Reisende sind immer neugierig, und wer neugierig bleibt, ist auch offen, und unvoreingenommen. Oder zumindest bereit, seine mentalen Klischees zu hinterfragen. Also begibt sich Theroux in eines der schlechten Viertel von Kapstadt, und spricht dort mit den Einwohnern. Und thematisiert dem gegenüber seinen Aufenthalt im Luxushotel. Theroux ist immer Reisender, Entdecker, Forscher seiner Umwelt und seiner Selbst: „My ideal traveler is the person who goes the old, laborious way into the unknown, and it is this belief that lies behind my travel, and drives me. I want to see things as they are , to see myself as I am

In Namibia trifft Theroux auf einer lokalen Tourismusveranstaltung Vertreter der San, einer nativen Ethnie, einst als Buschleute bekannt, welche es in unseren modernen Zeiten sehr schwer haben. Und welche von den Regierungen von Namibia und Botswana nicht wirklich rücksichtsvoll behandelt werden. Aber auch Theroux ist kein Sozialromantiker.

Von Windhuk, der Hauptstadt Namibias fährt der Autor am gleichen Wochenende, an welchem ich auch in Windhuk war, nach Angola. (Theroux  beschreibt, dass Sonntags das Rugby-WM Endspiel zwischen Neuseeland und Frankreich lief, just zu diesem Zeitpunkt saß ich mit einem Fahrzeug mit leerer Batterie in Otjiwarongo fest. Kurt hat meinen Wagen dann repariert, aber das ist eine andere Geschichte ).

Theroux besucht den Etosha National Park in Namibia, und ein gesponserter Aufenthalt im teuersten Camp von Botswana, dem Abu Camp, wird ihm ebenfalls ermöglicht. Doch sein Ziel ist Angola, ein aus vielen Gründen wenig bereistes Land.

Wenn ich Theroux glaube, was ich gerne tue, dann lohnt es sich nicht unbedingt, mal irgendwann nach Angola zu fahren. Dort gibt es nämlich eigentlich nichts zu sehen. Ein einst im Bürgerkrieg zerstörtes Land, nun in der Hand der üblichen korrupten Führungsschicht, welche die Gewinne aus der Erdölförderung in seine eigenen tiefen Taschen leitet, statt die Nation aufzubauen. Die Narben eines Krieges, der in Europa weitestgehend unbemerkt, mit der Schlacht bei Cuito Cuanavale eines der größten Gefechte mit Panzer- und Luftwaffenbeteiligung  nach dem Zweiten Weltkrieg ausfocht, sind noch lange nicht verheilt.

Da hilft es auch wenig, dass Theroux, in einem früheren Leben Lehrer in Malawi, in Lubango, Angola, einen Englischkurs gibt. Aus dieser biographischen Vergangenheit rührt auch Theroux Liebe zu Afrika. Welche aber in Angola keine rechte Entsprechung finden will.

Eigentlich will er nur weg aus dem Land, das versucht, sich dem Tourismus zu öffnen, aber im Prinzip jedem Fremden misstraut. Immer wieder grandios, wie Theroux es  schafft, mit der schlichten Schilderung von Treffen und Gesprächen mit den Menschen, welche er unterwegs trifft, den Charakter und die Atmosphäre eines Landes zu zeichnen.

„Nighttrain to Zona Verde“ ist ein grossartiges Reisebuch, wunderbare Literatur und Reiseführer, perfekter Lesestoff für jede Reise. Muss ja nicht nach Angola sein.

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Unterwegs mit viel Humor: Peter Moore

 

Einen gänzlich anderen Ansatz der Beschreibung einer Reise unternimmt Peter Moore. Der Australier reist, ähnlich wie Paul Theroux, mit lokalen Verkehrsmitteln und in bescheidener Aufmachung, nämlich als Backpacker.

Gleichwohl, Peter Moore ist es  an ethnischen, kulturellen, feuilletonistischen Schilderungen weniger gelegen, er reist um der Reise willen.

Humor und Abenteuerlust sind seine ständigen Begleiter, und Peters Reiseerzählungen sind extrem kurzweilig. Ob auf dem Landweg von London nach Australien („The wrong way home“), oder unterwegs von Kapstadt nach Kairo („Swahili for the broken hearted“), genau Beschreibungen von Land und Leuten, Menschen und Maschinen, Bussen, Zügen, Hotels, Motels, Landstraßen, Bushaltestellen – Peter Moore bleibt unverzagt, und immer sonnig im Gemüt. So reist man gerne mit ihm durch die Welt, immer auf der Suche nach der nächsten Zugverbindung oder Pointe. Sei es in Tansania, Südafrika oder Äthiopien.

Ich mag Peter Moore sehr, seine sympathische Bescheidenheit, seine Entdeckerlust, seinen Witz. Er ist die Sorte Reisender, welchen man neben sich im Bus am Ende von Laos ertragen kann. Und seine Bücher sind die perfekte Literatur für die eigene Reise.

Ein Leben wie ein Film: Die Biografie von Alan Root

 

Eine Biografie, strenggenommen, keine Reiseliteratur, ist die Lebenserzählung von Alan Root: „Ivory, Apes, and Peacocks. Animals, adventure and discovery in the wild places of Africa.

Jedes Leben ist auch eine Reise (ja, eine Lebensreise nämlich), erst Recht das Leben von Alan Root. Alan Root wurde 1937 in England geboren, und seine Eltern wandern kurz darauf nach Kenia aus, damals noch eine britische Kolonie. Alan Root wird ein Kenner von Tieren und Landschaft im ganzen östlichen Afrika, lernt zu fotografieren, und wird Kameramann. Als solcher arbeitet er seit den frühen 1950er Jahren für Dokumentarfilmer in Kenia, der Serengeti in Tansania, und nahezu allen Naturräumen Afrikas. Zusammen mit Bernhard und Michael Grzimek dreht er DEN Klassiker des Naturschutzfilms: „Serengeti darf nicht sterben“.

Es folgt ein Leben als Abenteurer und Naturschützer, wilde Zeiten, ein bewegtes Sein in Kenia und Zaire, Tansania und dem Rest Afrikas wechseln sich ab mit dem zunehmenden Erfolg als Dokumentarfilmer. Alan Root erzählt all dies mit angenehmer Zurückhaltung, es sind großartige Stories vom Leben im Busch, von Tieren und Menschen in Afrika. Sein Privatleben ist mindestens genau so bewegt und bewegend wie sein sehr erfolgreiches professionelles Dasein.

Alan Root kann auch Schicksalsschläge mit einer unvergleichlichen, unverwüstlichen Nonchalance schildern. „Undaunted“, nennt das der Brite. Alan Root ist melancholisch, aber nicht naiv, was den Zustand der afrikanischen Tierwelt angeht, er sieht die Bemühungen der Naturschützer kritisch, und ich glaube auch, dass er überzeugt ist, dass die Menschheit die Schätze dieses Planeten zerstören wird. Sein liebster Ort auf Erden ist die Serengeti in Tansania. Ich weiß warum. Alan Root lebt heute glücklich in seiner Heimat Kenia und hat jüngst an einen Film über Bernhard Grzimek mitgearbeitet.

Alan Roots Autobiografie eines tollen Lebens als Künstler und Naturschützer ist beneidenswert einzigartig, sehr spannend und unterhaltsam, und larger than life!

DC Loew
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DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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2 Kommentare zu “Reiseliteratur für Traveller: Unterwegs mit Paul Theroux, Peter Moore und Alan Root

  1. Manuela

    Oh toll, ich bin auch ein grosser Fan von allen Arten von Reisebüchern. Eine kleine Auswahl (die stetig wächst, wenn ich Zeit habe) an Rezensionen findet sich auch bei mir:
    Und an Helge Timmerberg und Andreas Altmann kommt wirklich so schnell keiner ran. Paul Theroux hab ich noch nicht gelesen, steht jetzt aber definitiv auf meiner Liste. Danke für den Tipp!

  2. DC Loew Autor des Beitrags

    sehr gerne! Dark Star Safari von Paul Theroux wäre mein Lesetipp für dich, das ist wirklich grosses Tennis..