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Around the world in 12 pop songs – Weltreise in 12 Popsongs

Um die Welt mit 12 Songs: Reisen und Pop.

 

Um und die Welt zu reisen, überhaupt zu reisen, gibt es viele Gründe. Und viele Inspirationen, Ideen, Bezugspunkte auch popkultureller Art.

Warum wir reisen? Eine von vielen Antworten ist: Weil es tolle Songs darüber gibt, oder uns tolle Songs inspirieren, in das Land ihrer Herkunft zu fahren.

Ich denke über meine anstehende Weltumrundung nach, und überlege mir: Wenn man nur einen Song, als typisch für ein Land oder eine Region auswählt, was sagt mir dieser Song über mein Reiseziel?

Die Popmusikgeschichte ist lang, und meine Auswahl natürlich vollkommen subjektiv, einseitig, und überhaupt allein nach meinen Regeln ausgesucht. Ich beginne in Deutschlands Nachbarschaft.

1.Österreich: Junge Römer, Falco

In meinem allerliebsten Nachbarland (Beste Berge, bester deutscher Dialekt (Wien!), bester Schmäh, bester Kuchen, beste Politik, bester Humor) beginnt die Reise.

Der von mir sehr geschätze Falco steht stellvertretend für Wien, den ganzen Wahnsinn eines heute kleinen und einst grossen Landes, für ein kompromissloses Künstlertum, und eine tieftraurige Biographie und Geschichte.

Das passt irgendwie sehr gut zu Österreich, und auch der Song „Junge Römer“ ist einer der besten Falcosongs, in seiner Mehrsprachigkeit, seiner wunderbaren Bräsigkeit, seiner ganzen Wienerhaftigkeit.

Da möchte man doch spontan in alle Länder der Welt reisen und leise „Servus“ sagen – bei der Ankunft als auch der Abreise. Vergesst das Morgen! Darauf einen Braunen!

2. Frankreich: Voyage Voyage, Desireless

Kann ein Song über das Reisen und das Meer fehlen in meiner Sammlung? Kann er nicht. Und natürlich auch nicht Frankreich als Reiseland. Indirekt wird Frankreich in meiner Reise berührt, nämlich in der Südsee, in Französisch Polynesien. Habe mir dort vorgenommen, kein Wort Englisch zu sprechen, mit Walen zu schnorcheln und ganz viel französische Worte zu lernen. Einfach so. Dann verstehe ich vielleicht auch, worüber dieser Song eigentlich ist…

3. England: Penny Lane, The Beatles

Die popmusikalische Umrundung unseres Planeten führt mich in eines meiner liebsten Länder: Oh plüschiges, höfliches skurriles Land der Scones und Gurkensandwiche und Milchtees, welche das Reisen in seiner grossen Zeit maßgeblich prägte und den Tourismus erfand. James Cook, Charles Darwin, Ernest Shackleton(ja, ich weiss, war Ire) – wahre Entdecker. Ich fahre nach England! Und summe einen Song der Beatles vor mich hin: Penny Lane.

Penny Lane ist die Heimatstrasse der Beatles in Liverpool. Der Song ist 50 Jahre alt, ein halbes Jahrhundert, aber immer noch frisch und frohe Laune verbreitend.

John, Paul, George und Ringo haben auch glech noch mal den Videoclip (damals noch auf echtem Film gedreht, denke ich) erfunden, nur so nebenbei. Den Musikfilm im Langformat haben sie sowieso, ebenfalls irgendwie als spin off zu ihrem musikalischen Schaffen – revolutioniert.

Was mich an den fab four so begeistert, ist nicht nur ihre Kreativität und Musikalität, es ist ihr Humor. Genial, und noch witzig dazu, das ist wirklich einzigartig.

Mein liebstes Ziel in England, wo man schon an fast allen Flughäfen mit tollem plüschigen Teppich in zweifelhaften Farbtönen empfangen wird, welcher bis zu den Knöcheln reicht, ist London und Stonehenge. Ja, wenig originell, reisetechnisch als auch popkulturell, das gebe ich gerne zu, ohne in mir den Drang zu verspüren, das Perfekte übertreffen zu wollen!

4. Irland: Zombie, The Cranberries

Eines der schönsten, romantischsten, melancholischsten und geschichtlich gebeutelsten Länder überhaupt – die grüne Insel, Irland, bestehend aus der Republik Irland und Nordirland, welches (noch?) zum Vereinigten Königreich gehört.

Sind die Iren, gerade wegen ihrer Geschichte, vielleicht deshalb so charmant, musikalisch und herzlich? Jedesmal wenn ich auf der grünen Insel war, komme ich mit  tollen Geschichten nach Hause, habe wunderbare Menschen kennengelernt, und viel viel Musik gehört. Und als Reisender oft aussergewöhnliches erlebt:

Wer jemals, zu Zeiten der „troubles“ den Orange Day in Belfast verbrachte, der weiss, wovon ich spreche. Darauf ein schwarzes Bier mit Schaum so dick, dass eine Euromünze drauf liegen bleibt  – Slainte!

Und passend dazu Song und Video, von den Cranberries. Hat für mich gegenüber „Sunday Bloody Sunday“ von U2 den Ausschlag gegeben. Warum? Nur so ein Gefühl, die 1990er sind mir als musikalische Epoche doch sehr nah.

5. Kanada: Cuts like a Knife, Bryan Adams

Und von den britischen Inseln geht es über den Teich, nach Kanada. Das Land, das irgendwie leichthändig zeigt, was aus den USA hätte Tolles werden können! In Kanada reist man easy ein, reist beschwingt und entspannt überall durch die grossartige Natur, Städte, Nationalparks, trifft schlichweg freundliche Leute und verlässt das Land von Ahornblatt, Eishockey und altmodischem Französisch mit der Gewissheit, wieder zu kommen.

Musikalisch wirkt die stellvertretende Auswahl von Bryan Adams, bei der Vielzahl grossartiger kanadischer Musiker, seltsam unbedacht. Ist es aber nicht. Neil Young, Corey Hart, wären noch Optionen gewesen. Heart, Nickleback und Justin Bieber waren es – für mich – nicht.

Deshalb also ein Frühwerk von Bryan Adams, aus seinem immer noch Klasse Album „Cuts like a Knife“, aus der Zeit, als er noch kein Weltstar war. It cuts like a knife, but it feels alright!

Da möchte man die Koffer packen, und auf die nächste Holzhacker WM fahren, oder zu den Montreal Canadiens, oder Orcas beobachten im Vancouver Sund.

6. Vereinigte Staaten: Friends in low places, Garth Brooks

Ich habe lange überlegt, und viele Optionen verworfen. Wie kann man heutzutage nur die USA verstehen?

Die meisten Künstler, deren Musik ich höre stehen für die liberale, urbane, hippe, offene USA. Das sind, geographisch gesprochen, momentan die Küstenstriche an Ost- und Westküste minus Florida und Georgia, es sind Neu – England und Kalifornien.

Die Red Hot Chili Peppers, die Beach Boys, Kanye West, Eminem, Nirvana, der Boss, Bob Dylan? Gute Idee, alles grossartig und typisch für die USA, aber wer steht für den mittleren Westen, das Heartland, die Farmer, die Leute vom Land, die armen Weissen, die Trump gewählt haben, jeden Sonntag in die Kirche gehen, die Todesstrafe für ok und „Liberaler“ für ein Schimpfwort halten?

Das ist doch eher ein Song aus dem Bereich „Country“. Die USA heutzutage verstehen heisst für mich, in den mittleren Westen, den Süden, den Südwesten zu fahren, und die Musik zu hören, die dort schwerpunktmässig im Radio läuft.

Ohne Garth Brooks nahe treten zu wollen, ich mag den Typen immens. Aber „blame it all on my roots, I showed up in boots and ruined your black tie affair“ – das könnte auch Donald Trump vor sich hin summen, wenn er auf den G7 Gipfel geht und dort die Füsse auf den Konferenztisch legt, oder Schokoladenkuchen isst und diverse Bombardierungen befiehlt.

Garth Brooks kommt aus Tulsa, Oklahoma, vielleicht müsste man dort hin reisen. Nebraska, Iowa, Georgia, Arkansas, Ziele fernab der üblichen touristischen Hotspots. Oder nach Wyoming, in die Bad Lands. Eine Gegend, wo es nur noch Country Music Radiostationen zu hören gibt (kein Witz, ich habs erlebt), wo im Fernsehen in Kneipen Country Music TV per default eingeschaltet ist, und wo Männer, die aussehen wie aus der Zigarettenwerbung, in die Bar kommen. Und erst mal die Sporen ablegen.

Diese USA (von deutschen Journalisten gerne und oft als „Amerika“ bezeichnet, was zu schwachsinnigen Titel wie „die Grenze zwischen Mexiko und Amerika“ führt, siehe hier in der FAZ) sind für liberale Europäer schwer zu verstehen, ohne in die Geschichtsbücher zu schauen.

Tatsächlich ist die Wahl eines Typen wie Trump kein vollkommen neuer Trend in der Politikgeschichte der USA, und dass sich dieser Präsident in die Reihe der schlechtesten Präsidenten seit James Buchanan einreihen wird, ist keine sehr gewagte Prognose von mir.

Ich wünschte mir, die deutschen Medien würden mehr in die Geschichtsbücher schauen, um eine Entwicklung wie die Wahl Donald Trumps mit mehr Hintergrundwissen als Hysterie zu begleiten. Oder mehr Radio hören. In Montana.

Die Vereinigten Staaten sind weniger New York Times, als sich Europäer wünschen, sie sind tatsächlich und waren es schon immer, mehr Tulsa, Oklahoma und Garth Brooks.

Im Guten wie im Schlechten. Blame it all on my roots!

7. Mexiko: Rayando el sol, Maná

South of the boarder der Estados Unidos liegen die anderen Estados Unidos, nämlich die von Mexiko. Ein Land momentan quasi im Bürgerkrieg, mit eher unangenehm vielen No go areas. Für Reiselustige bleiben dennoch einige Highlights. Zu aller erst die Pyramiden von Teotihuacan, sicherlich eine der erstaunlichsten historischen Stätten, die man weltweit besuchen kann. Und dann noch Yucatan mit den Maya – Stätten von Tulum, Chichen Itza und Uxmal.

Den letztgenannten Ort halte ich für am Spannendsten, da gibt es auch etwas weniger Tagestouristen als in Chichen Itza.

Und was wäre Mexiko, ganz Südamerika eigentlich, ohne die Klänge der Latinrock Superstars von Maná? Zu einer Reise nach Südamerika gehört für mich Maná mit dazu, denn ihre Songs, egal ob man in Mexiko, Costa Rica, Peru oder Kolumbien ist, ertönen an jeder Strassenecke.

Sie transportieren perfekt ein Lebensgefühl, vom mehr Im – Jetzt – Leben als im Morgen-Denken, geben dem Gefühl den Vorzug vor dem Verstand, und haben auch noch Spass dabei.

Einer der schönsten, textlich kitschigsten aber vielleicht gerade deshalb grossartigsten Songs ist „Rayando el sol“. Hier die unplugged Version. Immer ganz toll in den Maná Videos: Die „Spielerfrauen“ in der ersten Sitzreihe :-).

So geht Südamerika!

8. Kolumbien: Suerte, Shakira

Kolumbien – das Land welches neu auf dem Trendradar aller Reiseführer, Reiseblogger und Travel Hipstern ist.

Nicht ganz unverdient, aber vielleicht auch etwas zu früh? Ich war da, und fand es toll, sehr freundlich und angenehm, wenn ich auch nur einen kleinen Teil des Landes, ganz im Süden, im Regenwald des Amazonasgebiets besuchen konnte.

Und wer sind eigentlich die bekanntesten Kolumbianer?  Shakira. Pablo Escobar. Gabriel Garcia Marquez. Wer noch?

Deshalb also fällt die Wahl für einen Song der für Kolumbien steht nicht schwer…

9. Neuseeland: Kare Kare, Crowded House

Ich überspringe in Südamerika das wunderbare Peru, aber so grossartig die Musik des Landes ist, es ist weniger westliche Popmusik. Deshalb geht es über den ganz grossen Teich direkt nach Polynesien bzw. Ozeanien, nach Neuseeland.

Eines meiner allerliebsten Alben ist „Together Alone“ von Crowded House. Besonders der Song „Kare Kare“ über den gleichnamigen Strand an der Küste der Nordinsel ist wunderbar, und klingt, ja riecht geradezu nach Meer, Möwengeschrei und dem Rauschen von Wind und Wellen.

Im Video dazu nicht der Song, aber eine wirklich schöne Doku, wie das Album entstand.

10. Australien: Beds are burning, Midnight Oil

Nur ein Hüpfer, global betrachtet, um von Neuseeland nach Australien zu kommen. Für mich die australischste aller Bands ist, ganz klar, AC/DC.

Aber ein passender Schlüsselsong der Young Brüder will mir nicht einfallen – geht es doch in meinem Reiseblog auch immer über die Verantwortung von uns als Reisenden dem Planeten gegenüber, um Naturschutz, Aufklärung, Verantwortung. „TNT“, „Hells bells“ „Thunderstruck“ – nein.

Deshalb also Midnight Oil, etwas ökig, und sehr passend und korrekt, aber: no questions asked, mate!

11. Japan: Traditionelle Musik mit etwas Neuem

Für mich stellt sich im Rahmen eines round the world trips, nach Neuseeland und Australien als Etappen tatsächlich die Frage, wohin in Asien es anschliessend gehen soll.

Das für mich interessanteste (fragt nicht, warum) asiatische Land ist zweifelsohne Japan. Ich möchte dort Zug fahren, und herausfinden, ob die Japaner zu Hause auch so bemerkenswerte Kopfbedeckungen tragen, wenn sie in fremden Ländern unterwegs sind.

Aber einen japanischen Popsong? Kenne ich nicht! Dann vielleicht einen Ausschnitt aus einem Takeshi Kitano Film? Ist auch keine Option, in diesem Artikel geht es um Musik!

Deshalb der Video, siehe unten, eine sehr gute Wahl, wie ich finde. Traditionelle japanische Musik, mit zeitgenössischen Elementen des Wahnsinns, sei es Musik oder Haartracht.

Was ich sonst so von Japan erwarte? Ich möchte dort zutiefst verwirrt werden: Mich gründlich in Tokyo verlaufen, niemanden finden, der Englisch spricht, kein Schild lesen können, in einem Hundekaffee die dortigen Vierbeiner streicheln und mich den ganzen Tag wie Bill Murray in „Lost in Translation“ fühlen. Aber mit meiner eigenen Scralett Johannson an meiner Seite!

In der Reihenfolge, oder einer beliebigen Kombination daraus.Siehe oben, es geht um das „Verwirren“. Reisen heisst eben manchmal auch, Dinge ungeplant geschehen zu lassen, denn erst das Ungeplante schreibt die besten Geschichten!

12. Deutschland: Ich war noch niemals in New York, Sportfreunde Stiller

Wieder in der Heimat, nach einmal um die Welt reisen.

Welcher Song begrüsst mich dann?

Vielleicht die Sportis mit ihrer Version von Udo Jürgens schönem Klassiker. Was mehrere interessante Fakten bestätigt: Ich kann eine Band aus München mögen. Und sogar eine Band, deren Sänger bekennender Fan des FC Bayern ist.

Udo Jürgens kann man immer mögen.

Reisen soll grossherzig machen. Ich möchte toleranter, offener, freundlicher sein, wenn ich wieder ankomme, in meinem Land.

In meinem Land, in welchem es leider Menschen gibt, die eine Idiotenpartei wie die AfD wählen und in einem Land, in welchem 2/3 der Menschen eine Fortführung der grossen Koalition gut heissen.

Mit sinnvoller und intendierter Veränderung, einem gesellschaftlichen Wandel gar, der für alle gut sein könnte, tut sich Deutschland schwer.

Die AfD hat keine wirklichen Lösungen, aber eine Partei wie die CSU leider auch nicht. Was ich für eine echte Gefahr halte. Vielleicht sind Reiseblogger zu unparteiisch, und ich bin es sicherlich auch. Heimat ist wichtig, aber sie passiert nicht von alleine. Man muss etwas dafür tun.

Wer wüsste das besser, als ein Reisender?

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DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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