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Eisenach: Die Wartburg – Eine deutsche Ikone

Eine märchenhafte Ikone – Die Wartburg in Eisenach, Thüringen

 

In Deutschland gibt es 38 als Weltkulturerbe geadelte Sehenswürdigkeiten, unbekannte wie das Kloster Maulbronn oder die fabelhafte karolingische Torhalle in Lorsch, aber auch Publikumsmagneten wie die Wartburg im thüringischen Eisenach.

Die Wartburg in Eisenach: Reiseblog planetenreiter.de

Die Wartburg in Eisenach

Eisenach ist ein kleines Städtchen eine halbe Stunde westlich von Erfurt, und besitzt neben der Wartburg ein weiteres historisches Kleinod, nämlich das Geburtshaus von Johann Sebastian Bach. Bachs Geburtshaus ist im alten Stadtkern von Eisenach zu bewundern. Die Wartburg ist oberhalb der Stadt und vorbildlich ausgeschildert, und über eine steile Stichstrasse, welche in einem Parkplatz mündet (Fünf Euro Parkgebühr), zu erreichen.

Vom Parkplatz geht ein ebenso steiler Fussweg bergan, und in zehn Minuten steht man vor dem grossen Tor der Wartburg. Neuerdings werden auch Pendelbusse für den kurzen Weg bergauf angeboten für diejenigen, welche nicht so gut zu Fuss sind.

Die Wartburg in Eisenach Foto: DC Loew

Die Wartburg in Eisenach

Die Wartburg gilt als eines der besterhaltenen Beispiele für eine Wohn- und Wehrburg des Hochmittelalters, ihr Bau geht bis in das Jahr 1067 zurück, allerdings  ist sie auch ein hervorragendes Produkt der deutschen Romantik des 19. Jahrhunderts. Denn: Außer der großen Außenmauer, dem südlichen Tum und dem einstigen Wohnkomplex der Wartburg, Pallas genannt, sind alle weiteren Bauten später errichtete romantisierende Architektur des 19. Jahrhunderts.

Unabhängig davon, steht die trutzige Burg aber auch für grosse Momente der deutschen Geschichte. Martin Luther weilte ab 1521 für fast ein Jahr in einer bescheidenen Kemenate auf der Wartburg. Dort übersetzte er das Neue Testament in die deutsche Sprache, schrieb theoretische Traktate und viele Briefe. Die studentisch-frühdemokratische Bewegung um 1848 herum traf sich auf der Wartburg zum Wartburgfest, Goethe weilte hier, und Frans Liszt fungierte als Berater für den akustisch optimierten Innenbausbau des Pallas.

Wartburg Eisenach: Das Lutherzimmer

Wartburg Eisenach: Das Lutherzimmer

Sogar der real existierende Sozialismus der DDR vermochte dem Ensemble kam etwas anzuhaben, ausser dass die Sowjetunion die alte Sammlung der Rüstkammer entwendete und auf Nimmerwiedersehen in russische Archive verschaffte.

Die mental irgendwie in einer schon damals unguten Zeit verbliebenen deutschen Burschenschaften dürfen neuerdings ihr vollkommen obsoletes Treffen nicht mehr auf der Wartburg abhalten. Gut so: Demokratie bedeutet, dass sich zwar jeder Schwachkopf mit Gleichgesinnten versammeln darf um seine Meinung zu artikulieren und zu veröffentlichen. Aber Demokratie bedeutet eben auch, dass die Verwaltung der Wartburg frei entscheidet, wer sich auf der Wartburg versammelt und wer nicht. Großartig und schon zu lange überfällig, diese Entscheidung.

Für den heutigen touristischen Besucher gilt: Im Sommer und Sonntags sowie bei gutem Wetter kann es auf der Wartburg so voll werden wie morgens in der Tokioter U-Bahn. Solche Zeiten gilt es zu meiden.

Der Eintritt in den Burghof und auf den Südturm ist übrigens kostenlos, ansonsten werden zwei kostenplfichtige Rundgänge angeboten.

Der kurze Rundgang kostet fünf Euro pro Person, und beinhaltet das ehemalige herzogliche Wohngebäude, den sog. Elisabethgang sowie die bescheidene Kartause, in welcher Luther einst lebte und schrieb.

Es gibt einige sehr schöne mittelalterliche Artefakte zu bewundern, wie die hier abgebildete Schatulle aus Elfenbein.

Wartburg Eisenach: Schätze

Wartburg Eisenach: Schätze

  • Der große Rundgang beinhaltet den Eintritt zum Pallas und zu den mittelalterlichen Wohnräumen der Hl. Elisabeth, diese geführte Tour beginnt jeweils zur vollen Stunde und kostet neun Euro pro Person.
  • Die Fotografieerlaubnis schlägt mit fünf Euro zu Buche. Innerhalb der Wartburg gibt es ein Café, etwas unterhalb der Burg befindet sich ein Hotel.

Ist die Wartburg einen Besuch wert, und warum ist sie seit 1999 ein Teil des UNESCO Weltkulturerbes?

 

Definitiv atmet dieses tolle Bauwerk Geschichte und Geschichten aus allen Mauerritzen – wer sich dafür interessiert, dem sei die Wartburg als lohnendes Reiseziel empfohlen. Ich würde darauf achten, nicht unbedingt am Wochenende die Wartburg zu besuchen. Sicherlich interessant wäre eine Übernachtung im unmittelbar neben der Burganlage befindenden Hotel – ich nehme mir das für den nächsten Besuch vor.

Die Wartburg gehört zum Welterbe als ein geschichtsträchtiger Ort deutscher Geschichte. Mittelalterliche Burgen dieser Grösse und in diesem Erhaltenszustand gibt es sicherlich in Deutschland als auch in Europa einige mehr (Marxburg, Burghausen, Burg in Carcasonne u.a.).

Aber in der Wartburg vermischen sich eben auch die historisierende und romantisierende Weltsicht des aufkommenden Bürgertums des 19. Jahrhunderts. Diese Mischung aus „Alt“ und  „Wie Früher“ macht das Gebäudeensemble so einzigartig. Dass die Wartburg für uns heute wie ein Klischee der mittelalterlichen Ritterburg wirken mag, liegt genau daran: Sie ist das Vorbild aller Burgen des europäischen Mittelalters und klischeehaftes Abbild der deutschen Romantik zugleich, ohne dass man Ursache und Wirkung, Historie und Historizismus, Vorbild und Klischee, noch klar voneinander trennen kann.

Wahrscheinlich macht diese Mischung aus nationaler Romantik und verklärendem Historizismus, gepaart mit tatsächlichen historischen Begebenheiten wie dem Aufenthalt Luthers, die Wartburg so bemerkenswert. Und einen Besuch in jedem Fall lohnenswert. Sowie ein Aussperren der unseligen Burschenschaften höchst überfällig und selbstverständlich.

DC Loew
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DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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