Frankfurt vs. Berlin: Der ultimative Städtevergleich – Teil 6: Meet the Locals

Frankfurt vs. Berlin, Runde 6: Die Einheimischen

Jetzt wird es schwer, denn wo leben schon noch die „Einheimischen“ gerne auch als „locals“ bezeichnet? In unserem globalen Dorf, vernetzt, internationalisiert, sind wir alle digitale und tatsächliche Nomaden, Touristen, Einwanderer, Auswanderer, dort zuhause, wo wir das Notebook aufklappen oder unser Gemüse einkaufen.

Das Konzept des „Einheimischen“ erscheint mir atavistisch und so wenig zeitgemäss oder modern wie das Konzept „Nationalstaat“.

Wie auch immer, in Berlin war ich der Hesse. Wurde als Eintrachtfan immer gerne nach den Ergebnissen der Offenbacher Fussballfreunde gefragt, und jeder im Büro benutzte gerne meine Tasse mit dem SGE Adler drauf.

Der Berliner an sich entspricht eigentlich ziemlich gut seinem Klischee: grosse Klappe, schlagfertig, ist aber alles nicht so gemeint. Lustig und berlinernd, und der Rest des Landes ist Provinz. Berlins Partnerstädte sind LA und Paris, das ist eine gemeinsame Liga.

Südlich von Cottbus und nördlich von Spandau wird kein anderer deutscher Dialekt mehr verstanden, und unvergessen die Erzählung eines Kollegen, als er eine Berlinerin per Mitfahrzentrale nach Westdeutschland (!) mitnahm, an den Avustribünen vorbeifuhr und die Berlinerin sagte: Mensch, dit is Jahre her dass ick mal aus der Stadt rauskomme!

Als Berliner reicht einem Berlin, weil alles andere – siehe oben. Wenn man mal Exotik sehen will, nimmt man die Tram nach Köpenick. Oder die U-Bahn nach Kreuzberg. Aber: der Berliner  ist ein angenehmer Zeitgenosse. Ich kann mir die Ausbrüche gegen Touristen, wie man sie in Kreuzberg teilweise sieht, nur dadurch erklären, dass es intolerante Zugezogene sind, die stänkern. Der Berliner an sich ist nämlich phlegmatisch, und ist es gewohnt, dass das Bruttosozialprodukt seiner Stadt auch von Malochern und Besuchern aller Couleur aus anderen Gegenden der Welt geschaffen wird. Und das akzeptiert er gerne.

Der alteingesessene oder native Frankfurter Mitbürger erscheint mir in dieser sehr internationalen Stadt noch unsichtbarer als der Berliner in einem Pubcrawl auf der Oranienburger Strasse.

Frankfurt hat viele Wurzeln, das macht die Stadt aus, und auch ihre BürgerInnen so vielfältig und zugleich wenig greifbar. Der Hesse muss offenbar so sein wie sein positives Klischee: Heinz Schenk, Rudi Völler, Gunther Strack. Sind aber alles keine Frankfurter. Und diese Art von hessichen Klischeemenschen findet man ja kaum noch – wo ist das unverfälschte Hessische, die babbelnde Freundlichkeit, das irgendwie mediterran Unkonventionelle, das komm-mer-heut-nich, komm-mer-morgen? Das Fünfe Grade sein lassen?

Die beiden Hauptprobleme des Hessen, sein lokales Dogma sozusagen, nämlich dass er keinen direkten Zugang zum Mittelmeer hat, und umzingelt ist von Deutschen, nicht mal das hat ein geborener Frankfurter postuliert, das war Matthias Beltz, aus dem Vogelsberg stammend.

Aber ich schweife ab: Der Einheimische an sich ist für mich in Frankfurt amalgamisiert mit einer sehr lebendigen und metakulturellen Stadt, um es positiv auszudrücken. Das Frankforderische ist schwer zu finden, die Stadt ist reine Stadt und lässt die Provinz, als Rückzugsgebiet des hessischen Klischees, aussen vor.

In dieser Runde: Gleichstand. Weil ich eigentlich selber nicht mehr weiss, was ein „Einheimischer“ eigentlich ist, und man sich selber als „Einheimischer“ offenbar erst in der Fremde definiert.

DC Loew
Dabei sein

DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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