Versuch über John Ford. Online-Ressourcen.

Das deutschsprachige Standardwerk über die Westernfilme des Regisseurs John Ford habe ich umfangreich aktualisiert und in einer Version 2020 in Neuauflage veröffentlicht Es ist als sehr schönes Hardcover als auch als E-Book erhältlich (Preise: Gebundenes Buch 34,50 EUR, als E-Book für 24,99 EUR). Die ISBN-10: 383342124X.

  • Das Buch ist unter diesem Link bei Amazon erhältlich als auch bei allen Buchhandlungen bestellbar.
Versuch über John Ford
John Fords Westernfilme.

Vorwort zur aktualisierten Ausgabe  2020

15 Jahre sind vergangen, seit der Veröffentlichung dieses Buchs. Jetzt, im Jahr 2020, sitze ich an der Überarbeitung. Welche Erkenntnisse habe ich gewonnen in der Zwischenzeit, bezogen auf dieses Filmbuch, auf den Western und auf John Ford und seine Filme?

  1. Ich hätte damals bei der ersten Veröffentlichung unbedingt das Geld für ein vernünftiges Lektorat investieren sollen. Sorry dafür, dass ich es nicht getan habe! Den Entschluss, das Buch im Selbstverlag herauszugeben, halte ich nach wie vor für richtig.
  2. John Ford ist in Deutschland den meisten Menschen nach wie vor unbekannt, und ich muss nach wie vor erklären, dass es sich nicht um den Gründer von Ford Automobile handelt.
  3. Das vorliegende Buch, das war meine damalige Intention, sollte primär ein wissenschaftlicher Text sein, der sich nüchtern und sachlich mit den Filmen Fords, wie mit archäologischen Artefakten, auseinandersetzt. Vielleicht ist das Ganze, retrospektiv betrachtet, zu nüchtern und zu detailliert geworden. Aber so ist es auch kaum gealtert.
  4. Warum heißt dieses doch sehr umfassende und sehr detaillierte Werk “Versuch über John Ford?” – ist das nicht ein Widerspruch? Ja, das ist es auf jeden Fall, und es ist auf jeden Fall auch genau so beabsichtigt. Ford ist und bleibt auf vielen Ebenen nach wie vor widersprüchlich – und diese Widersprüche sind auch 2020 unauflösbar. Deshalb bleibt es beim “Versuch”. 
  5. Der Western als Filmgenre im Kino existiert nicht mehr. Dieses Genre ist Geschichte. 
  6. Wenn ich mir klassische Western anschaue, muss ich zweierlei feststellen: Erstens. Die Filme sind doch sehr gealtert. Sie wirken wie aus einem fantastischen Paralleluniversum. Zweitens. Die Filme Fords sind visuell nach wie vor fabelhaft. Die Inszenierung von John Wayne und Henry Fonda erscheint mir zeitlos modern, die Inszenierung der komisch intendierten Szenen bei Ford dagegen unglaublich altmodisch, geradezu unverständlich für ein zeitgenössisches (junges?) Publikum.
  7. Ich mag Fords Filme noch immer. Vielleicht bin ich altmodisch, sentimental sogar. “Comes with age, get over it” würde der Duke sagen.
  8. Nach wie vor finde ich höchst erstaunlich, wie akkurat, visuell überragend, jede winzige Bewegung, Geste, Blick und Intonierung bis in das allerletzte Detail stimmig, Ford seine Filme inszeniert hat.

Folgende Korrekturen und Anpassungen enthält die Neuauflage

Für die überarbeitete und aktualisierte Version von „Versuch über John Ford“ habe ich die folgenden Anpassungen vorgenommen:

  • Rechtschreibung überarbeitet und aktualisiert und an die Neue Deutsche Rechtschreibung angepasst.
  • Korrektur und Optimierung einzelner Formulierungen, Schärfung von Begrifflichkeiten. 
  • Anpassung der Formatierung, Optimierung von Absätzen und Kapiteln.
  • Vereinzelte Kürzungen: Die grundlegenden Aussagen der Analysen sind unverändert. Teilweise habe ich meine eigenen, damals formulierten Sätzen  nicht mehr verstanden,  diese Sätze wurden umformuliert oder gestrichen.
  • Komplette Überarbeitung und Aktualisierung der Fuß- bzw. Endnoten.
  • Aktualisierung der Literatur im Anhang. Diese gibt jetzt den aktuellen Stand von 2020 wieder.
  • Ersetzung bzw. Modernisierung von Begriffen wie “Indianer” oder “Stamm”. In Zitaten habe ich den Begriff “Indianer” nicht angepasst, sondern im Original belassen. 
  • Anpassung der alten und Einfügung von neuen Kapiteln zur besseren Übersichtlichkeit, Umbenennung der Kapitel, Anpassung der Kapitelstruktur. Dies ist tatsächlich die wichtigste Anpassung – ich finde die Struktur jetzt viel besser und besser lesbar und verständlich.
  • Einrichtung einer Webseite mit dem gesamten und aktualisiertem Literaturverzeichnis, aktuellen Informationen zum Forschungsstand, Filmausschnitten und deren Verlinkung etc. Die URL dafür ist www.planetenreiter.de/johnford.

„Versuch über John Ford“ von Dirk Loew ist in der Neuauflage 2020 ab sofort überall im Buchhandel erhältlich, online und im Laden. Verlegung nach wie vor im Eigenverlag, zum Preis von 34,50.

Blick ins Buch: Lies hier den Vorspann

John Ford gilt in der Filmgeschichtsschreibung über die klassische Ära des Hollywoodkinos, neben Regisseuren wie D. W. Griffith, Orson Welles oder Howard Hawks, als der bedeutendste US-amerikanische Filmemacher. 

Diese Position wurde Ford bereits zu Lebzeiten von Kritik, Publikum und Kollegen zugebilligt. Als Orson Welles 1941 nach der Aufführung seines Films Citizen Kane gefragt wurde, wer seine filmischen Vorbilder seien, antwortete er, so besagt die Legende: „I like the Old Masters – by which I mean John Ford, John Ford and John Ford.“ Diese herausragende Position im Filmgeschäft hatte sich Ford auf Grund der Tatsache erarbeitet, dass er im Laufe seiner langen Karriere nicht lediglich einen einzigen überdurchschnittlichen Film, sondern weil er viele überdurchschnittliche Filme gemacht hatte: „Many American directors, and King Vidor and Orson Welles are names that come most readily to mind, have made individual films superior to Ford`s best, but no director, not even Griffith, maintained such a consistency high standard over such an extended period of time – more than a half century of active filmmaking.“

Viele der Filme Fords, wie z.B. Stagecoach, The Grapes of Wrath, The Quiet Man oder The Searchers kann man heutzutage als amerikanische Folklore bezeichnen, als Kunstwerke, die das amerikanische Bewusstsein geprägt haben, und dort ständig präsent sind. Der US-amerikanische Kulturwissenschaftler Sam Girgus charakterisiert die Bedeutung der Filme Fords so: „Over years and generations, a critical and popular consensus has deemed John Ford the quintessential American director. He occupies a special status as both an American artist and an American consciousness.“ Und weiter: „Ford`s most popular and influential films brilliantly represent such typical American values and conflicts in concrete ways that achieve permanence in our cultural consciousness“. 

Doch was genau macht die spezifische Qualität der Filme Fords aus? Gaylyn Studlar und Matthew Bernstein fassen diese charakteristischen, filmisch-künstlerischen Eigenschaften präzise zusammen: „The director`s gift for visual composition, his ability to use film as eloquent, often wordless means of expression, his insight into human psychology, and the vigor of his storytelling have all been cited as reasons for his greatness as director.“  

John Ford, fast im gleichen Jahr geboren wie das Kino, wuchs gewissermaßen analog zum Medium Film auf. In seiner Karriere, die bis in die späten 1960er Jahre währte, durchlief er alle Phasen der (US-amerikanischen) Filmgeschichte, seit 1917 als director: 

Die „wilde“ Pionierzeit Hollywoods vor dem Ersten Weltkrieg, das Aufkommen des Langfilms ab 1914, die Hochzeit der Westernserials bis 1924, die Blütezeit des stummen Films bis 1927, den Übergang zum Tonfilm ab 1927, die Filme der Depressionszeit in den Jahren von 1930 bis 1934, die optimistischen „New Deal“ Filme ab 1935, die „goldene“ Ära des Hollywood-Studiosystems der Jahre bis 1948, das Aufkommen unabhängiger Produzenten und die populärste Zeit des Westernfilms in den 1950er Jahren sowie die „Kino versus Fernsehen – Krise“ der 1960er Jahre. 

1966, mit dem Misserfolg seines Films Seven Women, beendete Ford seine Karriere. Nach wie vor gilt John Ford als der klassische Westernregisseur, obwohl er keinen einzigen seiner sechs Oscars für einen Western erhalten hat. Und selten wird in der Filmgeschichte ein Genre, und in diesem Fall der Western als die offenbar amerikanischste aller Filmgattungen, so unmittelbar mit dem Namen und Werk eines einzelnen Regisseurs verknüpft, wie der Western mit dem Namen John Ford. Der Westernfilm war das bevorzugte Milieu des Regisseurs, der Western ist das Genre, das Ford mit seinen Filmen am nachhaltigsten geprägt hat, und die Doppeldeutigkeit dieses Satzes ist durchaus beabsichtigt. Von 1939 bis 1964 verantwortete John Ford als Regisseur insgesamt 14 Western. Es sind dies, in chronologischer Reihenfolge: 

Stagecoach (1939), Drums Along The Mohawk (1939), My Darling Clementine (1946), Fort Apache (1948), Three Godfathers (1948), She Wore A Yellow Ribbon (1949), Wagonmaster (1950), Rio Grande (1950), The Searchers (1956), The Horse Soldiers (1959), Sergeant Rutledge (1960), Two Rode Together (1961), The Man Who Shot Liberty Valance (1962) und Cheyenne Autumn (1964).

Im besonderen Blickpunkt steht in vielen dieser Western die US-Kavallerie. Offenbar hatte der Regisseur ein großes Interesse an diesem Thema, und die Armee bzw. die US-Navy wies bei Ford, in seinen Filmen als auch in seinem Leben, einen ganz besonderen Bedeutungsgehalt auf. Aus diesem Grund wird die Analyse des Bildes der Kavallerie, auch als Gegenpol zu der in den Filmen Fords geschilderten zivilen Gesellschaft, in meinen Betrachtungen einen wichtigen Part einnehmen. 

Für Ford war die US-Kavallerie ein Symbol, ein Spiegel für die Schilderung der Entwicklung von Gesellschaft und Zivilisation, im Westernfilm aber auch ein Spiegel der zeitgenössischen Wirklichkeit. Viele Werte, Eigenschaften und Ideale, die der Regisseur hauptsächlich mittels der Symbolik der Kavallerie transportierte, gehen ab The Searchers vermehrt auf die in den Western ebenfalls thematisierte zivile Siedler-Gemeinschaft über. Es gilt, diesen Prozess und Wertewandel in seinem Werk aufzuzeigen. Ich verstehe Film als einen subliminalen Spiegel seiner Zeit. Deshalb wird erörtert werden, inwiefern der Regisseur des Films einen Kommentar zu den Geschehnissen seiner Zeit mittels des Films abliefert, bzw. inwieweit die Themen der Zeit selbst in den Filmen wiederzufinden sind. 

Welchen Einfluss hat zudem der sogenannte Zeitgeist auf die Filme John Fords, welche Rolle spielen sich wandelnde Produktions- und Technikbedingungen in Hollywood? Reflektieren die Filme einen gesellschaftlichen Wandel, und wenn ja, welchen? Welche Ideologie verkörpern Armee/Kavallerie und Siedler als militärische Institution und Lebensgemeinschaft, und wie wandelt sich der dargestellte Militarismus, die zivile Kommune, im Laufe der Zeit? Was sind die Bestandteile der spezifischen Ford`schen Mythologie der Frontier und des Westens, und wie ist diese Mythologie erklärbar durch die US-amerikanische Geschichte? Und wieder: welchem Wandel ist dieser Mythos in Film und Genre und, parallel dazu, in der Realität, unterworfen?

Gibt es in Fords langer Karriere eine Linearität oder eine Entwicklung in der Darstellung seiner spezifischen Themen und Motive? Ist somit die Bezeichnung Fords als Ikonograph und gleichzeitiger Ikonoklast gerechtfertigt? Um diesen Prozess, bzw. die spezifische Entwicklung von Motiven und Mustern im Werke Fords aufzuzeigen, habe ich mich für eine chronologisch-lineare, kombiniert mit einer thematisch zusammenhängenden Darstellung und Analyse der Filme entschlossen. Aufgrund dieses besonderen Ansatzes werden die beiden Kavallerietrilogien in einem Kapitel zusammengefasst, und Fords künstlerisches Resümee, The Man Who Shot Liberty Valance, als letzter Film analysiert, gleichwohl er tatsächlich erst der vorletzte Western des Regisseurs war. Aus dem gleichen Grund werden die beiden thematisch eng zusammengehörenden Filme The Searchers und Two Rode Together in einem gemeinsamen Kapitel zusammengefasst.

Fords Western werden auf historischer, filmischer, filmgeschichtlicher, inhaltlich-narrativer, genrespezifischer und sozialgeschichtlicher Ebene analysiert und interpretiert. 

Ich verstehe zudem die Produktionsgeschichte eines Films als einen sehr spezifischen Aspekt von Historie, und somit ist die detaillierte Schilderung der Produktionsgeschichte jedes einzelnen Films von Bedeutung. Denn anhand dieser Mikrohistorie lassen sich soziale, arbeitsrechtliche, werkimmanente und filmtechnische Veränderungen, die immer Bestandteil eines umfassenden gesellschaftlichen und/oder technischen Wandels darstellen, sehr gut ablesen. 

Auf die detaillierte Produktionsgeschichte eines jeden Films folgt eine eingehende Analyse der Filmhandlung. Der Bezugsrahmen dieser Analyse ist auf der einen Seite immanent, und bezieht sich auf vorhandene Muster (patterns) oder Codes, die spezifisch für John Fords Filme sind; Auf der anderen Seite gibt es einen externen Bezugsrahmen, nämlich die gesellschaftlichen, kulturellen, sozialen Entwicklungen und Tendenzen der Zeit, in der der Film produziert und veröffentlicht wurde. 

Ich verstehe John Ford als treibende künstlerische Kraft seiner Filme. In diesem Zusammenhang ergibt sich allerdings folgender Diskurs: Inwieweit ist Ford als Filmregisseur in Hollywood tatsächlich als Autor seines eigenen Werks zu definieren? Kann man einem Einzelnen, und sei es ein noch so bedeutender Filmemacher, unterstellen, die maßgebliche künstlerische Kraft hinter einem in Gemeinschaftsarbeit zu erstellendem Werk wie einem Film, zu sein? Und wie weit hat diese Unterstellung, im Falle John Fords, tatsächlich Gültigkeit? In meiner Analyse seiner Western möchte ich über die Essenz der eigentlichen Autorentheorie hinausgehen. D.h., die Analyse seiner Western wird sich nicht ausschließlich auf die Schilderung filmischer Muster im Sinne der Autorentheorie beschränken. 

Vervollständigen werden dieses Buch ein Kapitel über Fords Arbeitsweise und – Methoden sowie ein filmhistorischer Abriss über den Westernfilm und Fords Bedeutung für das Genre. Eine ausführliche Filmografie aller Tonfilm-Western John Fords sowie ein Glossar der verwendeten amerikanischen Filmfachbegriffe sowie eine ausführliche Bibliographie komplettieren den Text. 

Die wichtigste, primäre historische Quelle meiner Untersuchung sind die sogenannten John-Ford-Papers. Dies sind private Dokumente und Unterlagen John Fords aus seinem Nachlass, welchen ich eigenhändig untersucht habe. Briefe, Produktionsnotizen, Drehbücher, Drehpläne, Verträge zu einzelnen Filmen, Abrechnungen über Einspielergebnisse, Telegramme, Memos von Studios, Mitarbeitern, Stars an/von Ford u.v.m. Diese Unterlagen Fords befinden sich in der Lilly Library der Indiana University in Bloomington, Indiana, USA. Sie sind der Traum eines jeden Historikers und Filmwissenschaftlers. (Und ihre Nutzung ist kostenlos, aber priceless!)

Soweit nicht anders angegeben, beziehen sich alle in diesem Text zitierten historischen und produktionsbezogenen Angaben, Vertragselemente, Zahlen wie z.B. Gagen und Einspielergebnisse, auf diese Dokumente. 

Nahezu jeder Filmwissenschaftler oder Kritiker erkennt die künstlerische Einzigartigkeit des Fordschen Oeuvres an, und sieht aber auch gleichzeitig die Problematik und oftmals erstaunliche Widersprüchlichkeit in der Analyse seines Werkes. Andrew Sarris nannte eines der ersten Bücher über den Regisseur „The John Ford Movie Mystery“. Robin Wood bringt es, zusammen mit einer begründeten Huldigung der Qualität der Filme Fords auf den Punkt: „Few would now (1980, Anm. DCL) wish to question that Ford is among the greatest artists the cinema has so far produced, yet the nature of his greatness has proved difficult to define“. Dieser Text versucht, der komplexen Vielfältigkeit und der Widersprüchlichkeit Fords auf den Grund zu gehen – daher der Titel: Versuch über John Ford. Und es gilt nach wie vor: Dieses Buch ist keine Biografie. Es ist primär nicht an der historischen Person John Ford interessiert. Verwiesen sei zu diesem Thema auf die beiden sehr ausführlichen und interessanten Biografien von Scott Eyman und Joseph McBride.

dc
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