Hessen: Ausflug zu den Kelten am Glauberg

Die Keltenwelten Glauberg in Hessen: Eine perfekte Ausflusgreise und eine Reise in die Vergangeheit

 

Es war Wladimir Klitschko, der nach einem unnötig verlorenem Kampf, im Angesicht eigener Fehler, die Niederlage als Erkenntnisgewinn akzeptierte und anmerkte: 100 Jahre leben heißt 100 Jahre lernen.

Und es oblag Johann Wolfgang Goethe, festzustellen: Reisen bildet.

Und es bin ich, der (irgendwie postmoderne) Reiseblogger Dirk Loew (ein Eroberer des Nutzlosen), welcher diese beiden klugen Maximen zu einem Gedankenkonstrukt verbindet, welches einen kleinen Ausflug zum Glauberg im Osten Hessens, genauer gesagt  in das  dortige Keltenwelt Museum, auf einer Metaebene ausserhalb der blossen Reisetätigkeit begründet.

Und der die Postmoderne auch nur als Vorwand nutzt, um Klitschko und Goethe in einer gewagten philosophischen Gleichung unterzubringen. In einem Reiseblog.

Keltenwelt Glauberg
Blick aus dem Museum Keltenwelten auf Grabhügel und in die Wetterau

Ausflug zu den Kelten im Osten Hessens

Denn darum geht es, gerade bei banal erscheinenden Ausflügen, welche für sich genommen dennoch immer kleine Reisen sind: die Idee, Vorbereitung und Informationsbeschaffung, Planung von Anreise und Abreise, packen, Ausrüstung, Kleidung, Fotoequipment, die eigentliche Anreise, das vor Ort sein, erkundigen, suchen, finden, betrachten, entdecken, lernen, die Abreise, die Nachbereitung.

Subsumiert ist also jeder Ausflug eine Reise und eine Fusion aus Klitschko und Goethe: Reisen ist lernen, ist neugierig sein, ist sehr bewusst leben und das immer, und ohne Ausnahme. 100 Jahre lang.

Einen Bruchteil an Zeit nahm unsere jüngste kleine Reise in Anspruch: Einen halben Tag. Mental und den historischen Horizont des Reiseortes erachtend war die Reise wesentlich länger, denn sie führte in die Dimension einer lange zurück liegenden Zeit, nämlich in die Welt der Kelten in das Hessen der Zeit um 500 Jahre vor der Zeitwende.

Keltenwelt Glauberg
Das Museum Keltenwelten und im Hntergrund der Glauberg.

Der Glauberg und das dort befindliche Museum der Keltenwelten am Glauberg befindet sich 30 km nordöstlich von Frankfurt am Main, in einer Gegend, in welcher die Ebene der Wetterau in den mittelgebirgigen Vogelsberg übergeht. Dies ist also ein ideales Ausflugsziel für das Rhein-Main Gebiet oder ab Frankfurt.

Hier siedelten vor 2500 Jahren, auf dem Plateau des Glaubergs, welcher sich von den Hängen des Vogelsbergs in die fruchtbare Ebene der Wetterau schiebt wie ein auf Milch schwimmendes Milkyway, die Kelten.

Die Kelten verabschiedeten sich später recht konsequent aus der Geschichte. Ihre Kultur, obwohl in fast ganz Westeuropa nachweisbar, verschwand und verschmolz mit der Kultur nachrückender,  stärkerer Völker.

Keltenwelt Glauberg
Blick vom Plateau des Glauberg nach Norden

Nach Kelten und Germanen kamen die Römer, welche auf dem Glauberg selbst keine Spuren hinterließen, wohl weil sie permanent damit beschäftigt waren, den in der Nähe verlaufenden Limes zu errichten. Auf dem Glauberg folgten die Franken, dann im Hochmittelalter Menschen aus der Umgebung, und dann lange niemand mehr.

1996 schliesslich wurde per Luftbild-Archäologie die Reste eines Grabhügels in dem Feldern südlich des Glaubergs entdeckt.

Bei den folgenden Ausgrabungen fanden sich eine sensationell erhaltene keltische, lebensgrosse Steinfigur eines Mannes sowie drei Elitengräber samt Inhalt (Schmuck, Schwerter, Kultgegenstände) entdeckt. Die mittlerweile sehr bekannte, 2500 Jahre alte keltische Plastik eines Priesters oder Häuptlings ist nun der Mittelpunkt der Ausstellung um die Funde am Glauberg.

Das Museum Keltenwelten

2011 wurde das Museum am Glauberg eröffnet, es ist klein, aber sehr lehrreich und informativ, und ziemlich sensationell in die Landschaft eingefügt.

Besonders gut gefallen hat mir die Darstellung der Funde, so wie sie in den Gräbern lagen. In den Vitrinen werden die Grabfunde pro Grab dargestellt, auf dem Boden vor der Vitrine ist aufgezeichnet, wie die Archäologen das Grab bei Öffnung vorfanden, mit der Kennzeichnung aller Funde, welche die Besucher vor sich in der Vitrine sehen. Faszinierend auch, dass die Funde in einem der Herrschergräber identisch sind mit der Darstellung der grossen Steinfigur: Halsschmuck aus Gold, Schwert, und die seltsame Kopfbedeckung, welche man heutzutage als Mistel-Blattkrone bezeichnet. Eine ausführliche Beschreibung der keltischen Ausgrabungsfunde am Glauberg findet ihr auf Wikipedia.

Vor dem Museum wurde der Grabhügel, in welchem die Steinfigur als auch die drei Herrschergräber gefunden wurden, in alter, beeindruckender Höhe restauriert.

Ebenso wurde eine aussergewöhnliche Struktur aus Holzpfosten, von den Kelten aus uns heute unbekannten Gründen in die Erde gesetzt, wieder aufgestellt.

Der Glauberg zwischen Vogelsberg und Wetterau

Hinter dem Museum erhebt sich der Glauberg, auf welchem noch Ruinen aus dem 12. und 13. Jahrhundert zu sehen sind. Alle historischen Fundstellen auf dem Plateau sind vorbildlich auf Schildern beschrieben und erklärt, und ein kleiner Spaziergang durch die Relikte von 2500 Jahren Besiedlungsgeschichte inklusive ehemaliger Weinlagen am Südhang des Glaubergs ist schlichtweg faszinierend.

Keltenwelt Glauberg
Auf dem Glauberg: Vorbildliche Beschilderung der fränkischen Ruinen

Naturfreunde können auf dem sonnenverwöhnten Hügel Eidechsen und viele seltene Vögel des Waldes sehen, und sich am lichten Mischwald erfreuen, der heutzutage die steilen Hänge bewächst.

Die Keltenwelt am Glauberg, im Örtchen Glauburg in der Wetterau, ist definitiv eine Reise wert, für historisch interessierte Menschen natürlich, und Eroberer des Nutzlosen sowieso.

 

Anreise Keltenwelt am Glauberg: Über die A45  Frankfurt – Dortmund, Ausfahrt 39 Altenstadt. Adresse für das Navi: 63695 Glauburg, Enzheimer Strasse, dann der Ausschilderung folgen.

Entfernung von Frankfurt am Main: ca. 30 km.

Museum Keltenwelt am Glauberg: geöffnet von Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr. Eintritt: 5 Euro für Erwachsene. 3 Euro für den empfehlenswerten Audioguide, der wie ein Smartphone auch visuelle Informationen zur Ausstellung vermittelt.

DC Loew
Dabei sein

DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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