Nordspanien Roadtrip

Roadtrip im Norden Spaniens: Von Bilbao nach Santiago de Compostela

“For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel’s sake. The great affair is to move.” – Robert Louis Stevenson

Das Ende des Jahres 2021 war ein Jahr wie ein Frühling nach einem langen Winterschlaf – es liegt noch immer Schnee, aber man beginnt sich wieder zu erinnern, wo einmal das grüne Gras war. So ähnlich erging es mir, als klar war, dass man zumindest in Europa im Sommer  2021 wieder Reisen konnte. 

Und somit wurde dieser Sommer für mich als Reiseblogger das Jahr der Roadtrips in meine liebsten europäischen Länder – Italien und Spanien. Ich glaube daran, dass man mindestens einmal im Jahr nach Italien fahren muss, um Seele und Körper wieder in Einklang zu bekommen, um Mensch zu bleiben. Ich liebe Italien, und seien wir ehrlich, wer tut dies nicht, aber mein Herz jubelt dennoch immer eine Oktave höher, wenn die rote Erde, die grünen Hügel und das blaueste Meer Spaniens am Rande des Flugzeugfensters auftauchen. 

In Spanien liegen die Moderne des Jetzt und eine glorreiche und verklärte Vergangenheit so nahe zusammen wie in kaum einem anderen Staat des alten Kontinents. Spanien ist das Land mit dem besten Nachtleben, den kompromisslosesten Feiern und Traditionen, den schönsten Hotels, der altmodischsten Höflichkeit, aber auch das Land mit der besten Straßenreinigung – wo sonst werden Bürgersteige und Fußgängerzonen so sorgfältig und so regelmässig feucht gefeudelt wie hier. 

Vielleicht ist Spanien das Land, welches ich nach Deutschland am besten kenne, aber es wäre töricht zu behaupten, dass ich es gut kenne. Ich habe dort gearbeitet, kenne Madrid ganz gut, war of auf der Feria de Fallas in Valencia,  und habe nahezu alle Teile des Landes inklusive Balearen, Kanaren und Extremadura besucht. Diverse spanische Roadtrips (Kastilien, Andalusien) finden sich hier ebenfalls in diesem Reiseblog

Alles was ich über Spanien weiß ist, dass ich es vermisse – ganz besonders nach diesen langen und bleiernen Jahren der Pandemie. Und wie geht dieses ungemein treffende Apercu noch mal: 

“Wer umweltbewusster Vegetarier ist, Fußball verabscheut, aber gern Fahrrad fährt, die Stille liebt und ohne Körnerbrot  und reibungsloses Abfall-Recycling nicht leben will, dem kann man Spanien oder jedenfalls große Teile des Landes immer noch nicht ohne weiteres empfehlen.” (Paul Ingendaay: Gebrauchsanweisung für Spanien)

 

Dem ist so rein gar nichts hinzuzufügen! Spanien also, Roadtrip, Baby – diesmal in den Norden und Nordwesten des Landes, ins Baskenland, das nördliche Kastilien, Galicien. Ohne Camper, mit dem Auto. Adelante, Vamos!

Strecke, Organisation, Vorbereitung des Roadtrips

Wie immer habe ich diese Spanien-Rundreise komplett selbst und individuell organisiert: Ablauf und die Route sowie Streckenführung, Etappen, Hotelauswahl, Sehenswürdigkeiten. Und ja, wie üblich ist diese Auswahl eher eigenwillig – wir klappern nie die sogenannten must-sees einer Stadt oder Gegend ab, wir sind auf unserer eigenen Agenda unterwegs.

Neuerdings nennt man ziemlich klassische Rundreisen in einem Land ja Roadtrip – egal ob man die Fahrt per Auto oder Camper oder per ÖPNV absolviert. In diesem Fall führt uns der diesjährige Roadtrip also in den Norden Spaniens. 

Die Route führt durch historisch bedeutsame Orte, und geht eher nicht den üblichen Weg entlang der Küste des Baskenlandes, Asturiens und Galiciens, sondern schwenkt von Bilbao inlands nach Kastilien, in das mentale und spirituelle Herz Spaniens. (Siehe dazu auch den kastilischen Roadtrip).

Unsere Nordspanien Route mit den kulturell-historischen Highlights: Dieser Roadtrip beginnt im baskischen Bilbao, und wird über Valladolid, Tordesillas, Toro und Zamora in Kastilien im wunderbaren Santiago de Compostela sowie in Lugo und La Coruña in Galicien enden. 

Das Fortbewegungsmittel ist ein Mietwagen. Übernachtet wird in Hotels bzw. einem Apartment in den historischen Zentren dieser Städte bzw direkt in der Altstadt. Was die Hotels angeht: Ich bevorzuge moderne, nüchtern-sachlich eingerichtete Häuser, ich möchte keine silbernen Kristalllüster, goldene Verzierungen, tote Tiere oder Teile davon an den Wänden sowie plüschiges Design in Teppichen als auch Dekor sehen.

Optimalerweise sind die Hotels in der Altstadt untergebracht. Das Auto wird außerhalb des historischen Viertels (“casco viejo”) abgestellt und das Hauptbewegungsmittel in den altstädtischen Zentren für uns: Wir gehen zu Fuß. Von daher also auch: Kein Camping dieses mal. Weniger Natur und Strände als geschichtsträchtige alte Städte.

Alternativ statt Auto: Nordspanien per Zug

Ich habe recherchiert, und diese Reise lässt sich ohne weiteres auch in einer nachhaltigeren Variante buchen und absolvieren, nämlich mit der spanischen Bahn RENFE.

Die Strecke wäre dann Bilbao – Valladolid – Zamora – Lugo – Santiago de Compostela. Die spanische Bahn ist ziemlich angenehm, und diese Streckenführung ist absolut machbar.

Man kann von Deutschland, der Schweiz als auch Österreich  über den Anbieter Omio die Bahntickets über deren Webseite kaufen, das ist wesentlich komfortabler als direkt bei der spanischen Bahn.  Ebenfalls praktisch: Hier kannst du auch den Fahrplan einsehen. Ist alles auch per App und mobil machbar.

Mehr Info zum Thema nachhaltiges Reisen mit dem Zug in Spanien findest du auf dieser Themenseite von Omio.

Nordspanien Roadtrip

Beginn der Rundreise: In Bilbao. 

Bilbao ist mit ca. 345.000 Einwohnern die größte Stadt der autonomen Region Baskenland. Hier schlägt und schlug einst das industrielle Herz Spaniens – Schiffbau, Stahl, Kohle. Das Baskenland ist die zweitreichste Region des Landes, und nicht nur sprachlich und kulturell eigenartig im besten Sinne. 

Wenn man vom Flughafen Bilbaos mit dem Taxi in die Stadt fährt (um die 20 Euro) und man von oberhalb der Talränder schaut, an dessen Hängen sich die Häuser bis zum Fluss Nervion hinunter in die Altstadt drängen, hat Bilbao eine gewisse Ähnlichkeit mit Medellin. 

Genau, mit Medellin in Kolumbien. Die Altstadt Bilbaos ist auf dem rechten Ufer des Nervion (der eigentlich der Ibaizabal bzw. das Mündungsdelta dreier Flüsse ist), der neuere Teil der Innenstadt mit der modernen Shoppingmeile, dem Busbahnhof, der Universität, dem Guggenheim-Museum sowie den beiden alten Bahnhöfen ist auf dem linksseitigen Ufer.

Nordspanien Roadtrip
Bilbao, am Guggenheim Museum. Ist sehr gut zu Fuß von der Altstadt aus zu erreichen.

Entlang des Nervion lässt sich ganz hervorragend flanieren, und die bekanntesten Sehenswürdigkeiten Bilbaos sind in Laufweite der Altstadt Casco Viejo: Das unvermeidliche Guggenheim-Museum, die Zubizuri-Brücke, die älteste Kirche bzw. Kathedrale der Stadt, das Theater Arriaga als auch die Markthalle Mercado de la Ribeira. 

Die neustädtische Shoppingmeile sowie das El Corte Ingles Kaufhaus sind auf der linken Seite des Rio Nervion, aber auch noch in Laufweite der Altstadt. Wer sich also entschließt, sich dort eine Unterkunft zu suchen, macht nichts falsch. 

Für mich das Highlight Bilbaos war das Marinemuseum, welches ein paar Hundert Meter flussabwärts vom Guggenheim-Museum ebenfalls direkt am Fluss liegt. Davor steht ein großer roter Schiffskran, im Inneren wird der baskischen Seefahrertradition gehuldigt. 

Denn, das sei hier erwähnt, der erste Weltumsegler war natürlich nicht Portugiese, sondern Spanier, genauer: ein Baske. Sebastian Elcano. Ach ja, apropos Baskisch: Ich hatte mir gewünscht, diese interessante und exotische Sprache zu hören, und zwar auf der Straße, gesprochen von einheimischen Sprechern. Das war mir aber nicht vergönnt, in Bilbao parlieren alle Spanisch, so scheint es. Im regionalen Fernsehen wird das Baskische noch kultiviert, eine Sprache die klingt wie klingonisch. Eine Sprache, die wie vom Mond gefallen ist, wirklich spannend. 

Bilbaos Altstadt ist ein sehr lebendiges Viertel, abends, so scheint es, noch mehr als tagsüber. Viele Geschäfte, Cafés, Restaurants, hier gibt es fast alles was man so gebrauchen kann. Die alte Markthalle ist Klasse, hier können sich Selbstversorger eindecken, und viele Leute gehen hier zum Mittagessen. Bilbao ist freundlich, eine Stadt die es geschafft hat, die alten Industrien Kohle, Stahl und Schiffbau größtenteils hinter sich zu lassen. Man sieht der Stadt diesen Wandel immer noch an, sie sind stolz darauf in Bilbao. 

Bilbao Nordspanien Roadtrip
Bilbao: An der Markthalle

Noch ein Ausflugstipp: Die Puente de Vizcaya, eine Schwebefähre und veritables Monument aus der Zeit von Stahl und Kohle, ein Industriedenkmal und UNESCO Welterbe, befindet sich relativ weit außerhalb der Innenstadt, man muss dort mit U-Bahn oder Auto hinfahren. Mehr Info dazu hier.

Von Bilbao nach Valladolid: Baskenland nach Kastilien. 

Nach ein paar Tagen in dieser sehr angenehmen, freundlichen und interessanten baskischen Stadt brechen wir auf, holen den Mietwagen ab und fahren nicht entlang der Küste, sondern in Richtung Kastilien. Das Baskenland, verlässt man es mit dem Auto in Richtung Süden, ist hügelig und grün und wie eine Mischung aus schottischem Hochland und dem Allgäu. 

Wenn die Landschaft staubig und gelb wird, und der Himmel weit und blau, dann ist man in Kastilien. Kastilien is so etwas wie das spanische Herzland, der Wiege von spanischer Sprache, Tradition, Geschichte und Kultur. An Burgos vorbei gelangt man auf einer recht leeren Autobahn in die alte kastilische Stadt Valladolid. 

Valladolid Nordspanien Roadtrip
Valladolid: Plaza Mayor

Valladolid, mit knapp 300.000 Einwohnern ist die Metropole der ländlich-staubigen Region Kastilien-Leon. Einst die Hauptstadt und Sitz der kastilischen Könige, prunkt das neuzeitliche Valladolid mit einer prächtigen und wunderbar gepflegten barock-neuzeitlichen Altstadt. Insbesondere die Plaza Mayor Valladolids gilt als Vorbild aller zentralen großen Plätze, für die Plaza Mayor in Madrid oder Salamanca aber auch für die mexikanischen Zocalos und diversen zentralen Marktplätze (die Plaza de Armas) in Lateinamerika. Und ja, dieser Platz ist ein ganz wunderbares Schauspiel, bei Tag und bei nacht, flankiert von klassischen spanischen Cafés, toller Illumination nach Einbruch der Dunkelheit, und ganz viel urbanem Schauspiel. 

Valladolids Altstadt ist 1a gepflegt, mit vielen Restauarants, Cafés, Läden, man kann wunderbar shoppen, aber auch gepflegt flanieren. Diverse Kirchen wie die Kathedrale oder die Kirche San Pablo, das königliche Schloss, die Plaza Mayor, die alte Universität (gegründet 1241!) sowie die lebhafte Markthalle Mercado del Val sowie das Casa Cervantes zählen zu den Top-Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Valladolid Roadtrip Nordspanien
Im alten Valladolid kann man lauschig verweilen

Und, natürlich, für mich der wichtigste Grund, das Casa Museo Colon. Hier starb der grosse Entdecker Christopher Kolumbus, auf Spanisch Cristobal Colon, 1506. Auf vier Stockwerken hat man ein sehr informatives Museum zu den vier Fahrten des Kolumbus nach Amerika eingerichtet. Viele sehr spannende Dokumente, aber auch Information wie man damals navigierte und welche Routen die Entdeckungsfahrten nahmen werden sehr anschaulich geschildert. Ein tolles Museum! Heutzutage ist es ja en vogue, die Leistungen der Entdecker unter einem postkolonialen, ethisch-moralischen Standpunkt zu bewerten. Das kann man machen, sollte aber nicht die eigentliche technisch-merkantile Leistung dieser Abenteuer vergessen, und vor allem diesen revolutionären Gedanken wieder den damaligen Mainstream: Einfach mal in die andere Richtung segeln.

Die Adresse von Valladolids Kolumbusmuseum:: Calle Colon, 2 Euro Eintritt für erwachsene Besucher. Geöffnet ab 10 Uhr morgens, über Mittag, also 14 – 17 Uhr, geschlossen. Wir sind in Kastilien, da hat die Mittagspause einen kulturell-gesellschaftlichen Wert! (Link)

Valladolid ist eine wirklich angenehme, pittoresk-freundliche Stadt, hier wurde eine der ältesten Universitäten Europas gegründet, die katholischen Könige logierten hier regelmäßig, der Ort versprüht eine Grandezza und Nobilität alter Zeiten. Man möchte länger bleiben und verweilen, aber ach, der unstete Reisende muss weiter. 

Im Herzen Kastiliens: Von Valladolid über Tordesillas und Toro nach Zamora. 

Wir bleiben kulturell und zeitgeschichtlich im klassischen Kastilien, und fahren in Richtung der mittelalterlichen Stadt Zamora. Auf dem Weg dorthin besuchen wir die beiden malerisch in die kastilische Steppe hingetupften Marktflecken Tordesillas und Toro.

Tordesillas Kastilien
Hier wurde der Vertrag von Tordesillas geschlossen

In Tordesillas, nur 25 km entfernt von Valladolid, wurde 1494 globale Geschichte geschrieben. Spanien bzw. Kastilien-Aragon und Portugal teilten im Vertrag von Tordesillas die Welt unter sich auf, zogen eine Linie über den Globus, von Pol zu Pol, der Teil westlich der Linie, also links davon, sollte zu Spanien gehören, östlich davon zu Portugal. Dies ist der Grund, warum Südamerika minus Brasilien spanisch wurde, aber Gebiete in Afrika und Indien portugisisch. Problematisch war die Grenzziehung insofern, da beiden Seiten nicht ganz klar war, wo die Linie im Pazifik genau verlief. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Jedenfalls, im beschaulichen Tordesillas gibt es eine malerische Altstadt, klein aber fein, sowie das Kloster Santa Clara, in welchem Johanna die Wahnsinnige ihr einsames Leben verbrachte. Auf Spanisch klingt ihr Name noch besser: Juana la loca. Der berühmte Vertrag wurde in den Häusern Casas del Tratado, mit Aussicht auf den Fluss Douro übrigens, verhandelt. Die beiden originalen Dokumente des Vertrages sind noch erhalten, eine Version in Portugal, eine Version im Archivo de Indias zu Sevilla. 

In Tordesillas gibt es übrigens, wer wirklich viel Geschichte und ein Luxus genießen möchte, ein Parador Hotel – diese sind eigentlich immer erstklassig und ein eigenes Reiseziel für sich. 

Den Fluss Douro in Richtung Westen entlang, nicht ganz 30 km über die Autobahn 11, gelangt man durch die staubige gelbe kastilische Hochebene in den kleinen Ort Toro. Kann es einen spanischeren Namen geben? In Toro findet man ein hübsches altes Städtchen, mit Stadtmauer, Kathedrale, und einem tollen Ausblick in die kastilische Ebene. Hier backen die lokalen Bäcker noch selbst wunderbares spanisches Gebäck, hier scheint die Zeit stehengeblieben, oder zumindest die Uhren verlangsamt zu sein. Toro ist wie eine authentische Filmkulisse, und der Widerspruch ist beabsichtigt. 

Altstadt von Toro, Kastilien, Spanien
Das beste am Nordspanien Roadtrip: Zu Fuß durch alte Städtchen ziehen

Abgeschlossen wird diese Tagesreise in die Geschichte Spaniens mit unserer Ankunft in der Stadt Zamora, welche zu Kastilien-Leon gehört. Der historische Stadtkern ist wie ein Traum vom Mittelalter, erbaut auf einem Hügel oberhalb des Douro. Zamora ist wirklich ein Geheimtipp für Geschichtsfreaks, und es ist zudem eine moderne spanische Kleinstadt wie aus dem Bilderbuch. 

Als Station auf dem Roadtrip vom Baskenland über Kastilien nach Galicien ist Zamora wirklich die unerwartet sensationelle, geradezu kitschig-romantische Kirsche auf der Torte. Stadtmauer, Schloss, Kathedrale, alte Gebäude noch und nöcher beginnend mit dem 11 Jahrhundert, eine uralte Brücke über den Fluss, das Parador-Hotel in einem Schlösschen aus dem 15. Jahrhundert, hier stimmt einfach alles. Zudem sind im historischen Teil der Innenstadt einige Häuser aus dem Jugendstil zwischen Stadtpalästen aus dem 15.- bis 18. Jahrhundert zu finden, das alte Theater von 1876, ein Marktplatz mit Cafés, Storchennestern auf den Schornsteinen, einer Fußgängerzone mit tollen alten Bäckereien, Restaurants  und Geschäften, und Mittags bis zum frühen Abend alles geschlossen. Spanischer gehts nicht!

Fluss Douro bei Zamora, Spanien
Auf der Brücke über den Douro, das Städtchen Zamora

Von Kastilien-Leon nach Galicien: Aus Gelb wird Grün. 

Spannend, wie sich Landschaft und Stimmung ändern – aus dem sonnenverbrannten, gelb-strohigen, staubigen, flachen und irgendwie steppenähnlichen Kastilien fahren wir in das grüne, hügelige, maritime und deshalb irgendwie an Irland erinnernde Galicien. Kastilien hat zweifellos noch mehr Highlights zu bieten, die alten Städte Avila, Toledo, Salamanca, Burgos, Leon – hier gibt es wirklich viel zu sehen. Kastilien ist der historisch-traditionelle Kern Spaniens, irgendwie auf altmodische Art und Weise reserviert, bedächtig, seiner kulturellen Bedeutung immer bewusst, ohne die Moderne aus dem Blick zu verlieren. Eine wirklich faszinierende Gegend, gerade dann wenn man Stierkampf furchtbar und Fußball belanglos findet. Aber Stierkampf und Fußball zu verstehen, hilft sicherlich in dieser Region.

Wie auch immer, wir verlassen Kastilien in Richtung Galicien. Lugo ist das Tagesziel, welches von Zamora ca. 300 km in Richtung Nordwesten entfernt liegt. Über leere Straßen gelangt man in die Provinz Lugo in der autonomen Gemeinschaft Galicien. Das Städtchen hat ca. 100.000 Einwohner, ist eine geschäftige, moderne Urbanisation und beherbergt ein ziemlich einzigartiges UNESCO Welterbe, weshalb wir auch dort Station machen. 

Stadtmauer von Lugo, Galicien
So geht Welterbe: Die römische Stadtmauer Von Lugo, Nordspanien

Der kleine historische Stadtkern von Lugo, welches von den Römern gegründet wurde und die älteste Siedlung Galiciens ist, wird von einer original römischen, noch komplett erhaltenen Stadtmauer aus dem 3. Jahrhundert nach der Zeitenwende umschlossen. Diese römische Stadtmauer ist so breit und mächtig, dass man auf ihrer Krone in einem gemütlichen Spaziergang (2,1 km)  die ganze alte Stadt umrunden kann. Zudem gibt es noch mehr als 40 Türme und aktuell exakt zehn Tore durch die Stadtmauer. Von diesen zehn Toren sind nur vier für Autos – mehr zur in Europa einzigartigen Attraktion von Lugo hier auf Wikipedia. 

Lugo liegt an einem der alten Routen des Jakobsweges, des sogenannten Camino Primitivo von Oviedo in Asturien, über Lugo nach Santiago de Compostela. Wenn man als anständiger Reisender der Tugend des Nichtstuns und des Verweilens nachgeht, zum Beispiel in einem der tollen Cafés auf Lugos Marktplatz, kann man die Pilger beobachten. Das ist herrlich entspannend, wenn man trocken sitzt und der Espresso wärmt. 

Die Altstadt von Lugo bietet wirklich viele Restaurants und einige Spezialitätengeschäfte, man kann schlendern und sich an den Schaufenstern satt sehen, oder einfach was kaufen. Unser Hotel war in der Fußgängerzone, deshalb musste man das Auto vorab auf einem Parkplatz abstellen, aber die ganze Organisation um das Auto ist in Spanien wirklich kein Problem. In Lugo hatte ich wirklich das Gefühl, dass wir die einzigen ausländischen Touristen waren, dass Spanien in diesen kleinen, alten Orten immer ganz bei sich selbst ist, unverfälscht, traditionell im besten Sinne.

Hier schließen alle Geschäfte und Restaurants über Mittag, wer abends gegen sechs oder sieben etwas Essen möchte ist ein Nordeuropäer, und muss dann im Café schauen, was es an kleinen Speisen so gibt. Das Frühstück ist dann spanischer als Real Madrid, mit Oliven und Tomaten und Kuchen und süßen Kaffeestückchen – ein Traum. 

Spanisches Frühstück vom Feinsten
Nichts für Weicheier: So geht Spanien. Zum Frühstück. Mit Puddingfüllung!

Roadtrip auf dem Jakobsweg: Von Lugo nach Santiago de Compostela

Etwas mehr als 100 km ist die Entfernung zwischen Lugo und Santiago de Compostela, dem Ziel und der Endstation unseres Nordspanien Roadtrips. Entlang grausteiniger Dörfer, grüner Hügel, dunkel dräuenden Wäldern und unter einem düster-schweren Himmel gelangt man umstandslos nach Santiago de Compostela. Wir parken in einer Tiefgarage am Rande der historischen Altstadt, und gehen zu Fuß unsere zweihundert Meter auf dem Jakobsweg, an der Kathedrale vorbei, zu unserer Unterkunft. 

Zweifellos ist Santiago sicherlich kein Geheimtipp, zweifellos ist es wahrscheinlich im Sommer richtig massiv überlaufen, aber zweifellos ist das auch egal, denn es ist: ganz wundervoll. 

Kathedrale Santiago de Compostela Galicien
Abendstimmung in der Altstadt von Santiago. Roadtrip Nordspanien

Nach all den alten, romantischen, immer topp gepflegten historischen Perlen wie Valladolid und Zamora trumpft Santiago auf mit Leichtigkeit: Eine der schönsten, malerischsten, liebevoll gehegten, atmosphärisch gelungensten Altstädte des Kontinents. 

Und es ist vollkommen egal, ob man hier stillos wie unsereins mit dem Auto ankommt, oder ob man auf einem der Jakobswege pilgernd in die Stadt gelangt. Santiagos alter Stadtkern ist immens attraktiv, atmosphärisch stimmig, ja, touristisch, aber genau das, was ich in diesem Zusammenhang nicht anders als “schön” beschreiben kann. Dieser Ort ist wirklich eine Reise wert, es gibt tolle Unterkünfte für fast alle Budgets, ein geschichtsträchtiges Parador-Hotel direkt an der Kathedrale, Ferienwohnungen, Pensionen, Hostels mit Mehrbettzimmern, und immer ist alles stilvoll und stimmig. Man kann durch die engen Gassen der Altstadt flanieren, sich treiben lassen, in unzähligen Restaurants und Cafés einkehren, ganz viele Euro im örtlichen Einzelhandel lassen, Spezialitäten wie Schokolade, Käse und Gebäck kaufen. 

Ja, zuweilen sind die beiden parallelen Gassen der Altstadt, die Rua de Franco und die Rua de Raina, doch sehr touristisch-trubelig, aber das tut der wunderbaren Atmosphäre des Ortes kaum Abbruch. Der neuere Teil des Stadtzentrums ist nicht weniger angenehm, auch hier lässt sich trefflich flanieren, in Geschäften und dem El Corte Ingles nach Allem und Nichts suchen und dem gepflegten Müßiggang des Globetrotters nachgehen. 

Für Selbstversorger in Santiago empfehle ich übrigens den Mercado Abastos, hier bekommt man regionale Produkte in toller Auswahl, Brot, Käse, Kuchen, auch Fleisch und Fisch. In der Altstadt gibt es zudem einen kleinen Supermarkt in der Rua do Vilar, der eine wirklich sehr gute Auswahl hat, auch an frischem Obst.

Von Santiago: Ausflug nach La Coruña – Auf zum Herkulesturm

Die alte Hafenstadt A Coruña (auf Spanisch: La Coruña) an der nordwestlichen Küste Galiciens gelegen ist ein sehr lohnenswertes Ausflugsziel, wenn man in der Gegend weilt. 

Wieder eine hübsche Stadt mit historischem Stadtkern, vielen alten Gebäuden, einem Hafen und einem veritablen UNESCO Welterbe. So wie Lugo mit seiner römischen Stadtmauer, verfügt A Coruña (das ist die galicische Sprachversion der Stadt) mit dem Herkulesturm über einen Leuchtturm römischer Provenienz aus dem 2. Jahrhundert, welcher immer noch steht und arbeitet, und in Europa bzw. weltweit  einzigartig ist. Der Turm ist ca. 55 Meter hoch, wurde um 110 nach der Zeitenwende erbaut, und ist weltweit der älteste noch in Betrieb befindliche Leuchtturm – wirklich erstaunlich! So wie der Turm heutzutage ausschaut wurde er 1788-1791 klassizistisch umgestaltet. Zusammen mit der malerischen tosenden Küste ergibt das ein wirklich erstaunliches Ensemble. 

Der älteste Leuchtturm
UNESCO Welterbe in Nordspanien: Der römische Leuchtturm in La Coruna

Leider wird der Hafen von A Coruña von Kreuzfahrtschiffen angefahren, und diese laden dann mehrere Hundert Besucher auf einmal am Leuchtturm ab – wer also einen der Riesenpötte im Hafen sieht, sollte seinen Besuch des Herkulesturms verschieben. Direkt am Leuchtturm gibt es einen Parkplatz und Toiletten. Man kann auch auf das famose Gebäude steigen, 3 Euro Eintritt macht das. 

Fazit Nordspanien Roadtrip: Was soll ich sagen, für einen Roadtrip ohne Camping ist der Norden Spaniens eine fabelhaftes Gegend. Infrastruktur, Straßen, Hotels und Unterkünfte, Versorgung, alles 1a. Es gibt so viele tolle Sehenswürdigkeiten unterwegs, schöne Cafés und Restaurants, Nachtleben sowieso, viel Landschaft und alte Städte, Geschichte und Geschichten satt – wer neugierig ist und nicht müde zu lernen und sehen, wird unbedingt auf seine Kosten kommen. 

Wie habe ich diesen Roadtrip geplant, was sind die Vorbereitungen für eine solche Reise? 

Wie immer geht das bei mir recht schnell und unkompliziert. Das Ziel war es auch diesmal, historische, eher mittelgroße Urbanisationen zu besuchen, welche wir noch nicht kannten. Das Baskenland als auch Galicien erfüllten diese Anforderung für mich, das sind die Regionen Spaniens in denen ich tatsächlich noch nicht war. 

Eine weitere Bedingung, welche für alle unsere Roadtrips gilt: Zwischen den Übernachtungs-Zwischenstationen will ich nie länger als vier Stunden fahren. 

Die Abholung des Mietwagens war in Bilbao als auch die Anreise per Linienflug, Rückgabe des Mietfahrzeuges bzw. Rückflug dann in bzw. ab Santiago de Compostela. 

Gabelflug also, mit Lufthansa ab Frankfurt: Da Lufthansa praktischerweise Bilbao als auch Santiago de Compostela täglich mit Frankfurt Rhein-Main verbindet, bot sich ein Gabelflug an. Geflogen wird zu zivilen Zeiten gegen Mittag mit Airbus A320. Der Flug dauert nach Bilbao ca 1:45, nach Santiago ca. zwei Stunden. Die buchbaren Klassen in den Europaverbindungen der LH sind Business und Economy, wobei der A320 keine spezifische Business-Class Bestuhlung aufweist, sondern nur der Mittelsitz frei bleibt und die Businessklasse per Vorhang von den Reihen der Eco abgegrenzt wird. 

Den CO2 Ausstoß von Flug als auch Mietwagens haben wir vollständig per Atmosfair ausgeglichen. 

dc
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