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Aloha Rapa Nui – eine Reise auf die Osterinsel.

Round the world: Von Südamerika nach Polynesien. Mit einer Zwischenstation auf der Osterinsel

 

Die Osterinsel, auf Spanisch Isla de Pascua und auf polynesisch Rapa Nui genannt, ist eines der wirklichen Sehnsuchtsziele vieler Reisender – die spannende Frage ist, warum.

Sicherlich war dies einer der Gründe, weshalb ich dort hin wollte, um nämlich diese Frage zumindest für mich, zu beantworten.

Und natürlich liegt die Osterinsel auch irgendwie sehr praktisch im Weg, möchte man von Südamerika in Richtung pazifische Inselwelt, genauer gesagt Polynesien und Tahiti, reisen.

Zudem spukten mir im Kopf die Fotos herum, die ich auf Rapa Nui machen möchte, von vulkansteinernen Götterfiguren, die mit blinden Augen in Richtung der Inselberge schauen, den Pazifik im Rücken, dunkel umtost von grauen Wolken.

Und ebenso faszinierend ist für mich die polynesische Kultur und Geschichte von Rapa Nui, der Zirkel von Entdeckung, Besiedlung, Vernichtung des Lebensraumes und Untergang der Rapa Nui Kultur, so weit wie sich diese Historie momentan wissenschaftlich belegen lässt.

Osterinsel Rapa Nui - liegender Moai

Osterinsel Rapa Nui: Schlafender Koloss bei Ahu Tongariki.

Die Osterinsel ist Teil Polynesiens und Südamerikas zugleich

 

Zusammen mit Hawaii und Neuseeland bildet die Osterinsel die Eckpunkte einer dreieckigen Fläche, welche den grössten zusammenhängenden Kulturraum unseres Planeten bildet, viel Wasser, wenig Land, aber das macht Polynesien bzw. das „polynesian triangle“ eben aus.

Die Polynesier und ihre Kultur fand ich schon immer sehr faszinierend, weniger die Sagen von schönen Hulamädchen mit Blumen im Haar, als die seefahrerische Entdeckung sowie die Besiedlung dieses riesigen Areals.

Nur mit Katamaren, ohne Kompasse, Andreaskreuze, Sextanten, ohne schriftliche Dokumentation befuhren die polynesischen Entdecker den Pazifik, im Westen beginnend, bis zu den sehr isoliert liegenden Inseln Hawaii und Rapa Nui, der Osterinsel.

Die gesamte polynesische Expansion begann um 1500 bis 1300 vor der Zeitenwende, und erreichte um 300 nach der Zeitenwende die Marquesas. Von dort ausgehend wurde die Osterinsel, Pitcairn und um 400 der Hawaii – Archipel erreicht. Die letzte und grösste Landmasse erreichten die Polynesier um das Jahr 1000, nämlich Aotearoa, das heutige Neuseeland.

Die Osterinsel wurde in einer ersten Siedlungswelle im 3. bis 5. Jahrhundert nach der Zeitenwende von den Polynesiern entdeckt und besiedelt. Eine zweite Besiedlungswelle folgte im 15. oder 16. Jahrhundert.

Zudem ist die Geschichte der Osterinsel, bevor sie 1722 vom niederländischen Seefahrer Jakob Roggeveen für die Europäer „entdeckt“ wurde, ein schönes Beispiel für menschliche Hybris.

Die einst prosperierende Kultur auf Rapa Nui und ihr Untergang scheint eine Blaupause für uns und die Jetztzeit zu sein: Den eigenen Lebensraum nachhaltig zu zerstören, falsche Ideen im Angesicht des Untergangs zu entwickeln (Religion, Ahnenkult, Birdman Kult), richtigen Ideen (moderne landwirtschaftliche Methoden im Angesicht der Überbevölkerung) abzuschwören und anschliessend in sinnlosen Bürgerkriegen und einer von Menschenhand eingeleiteten Naturkatastrophe (Abholzung, Ressourcenvernichtung, Erosion) unterzugehen.

 

Die Steinfiguren der Osterinsel: Die Moai

 

Letztlich hat die Rapa Nui Kultur nur ihren rätselhaften, mythisch wirkenden Steinfiguren hinterlassen, die sogenannten Moai. Als Captain James Cook (einer meiner persönlichen Helden) die Osterinsel im Rahmen seiner zweiten Reise 1774 aufsuchte, waren die einst mühsam errichteten Steinköpfe bereits alle umgestürzt.

Die heute aufrecht stehenden Figuren wurden alle seit den 1970er Jahren wieder aufgerichtet, im Rahmen von archäologischen Untersuchungen, welche viel dazu beigetragen haben, dass wir heute nicht nur den Mythos, sondern auch fundierte Erkenntnisse über die Geschichte der Osterinsel besitzen.

Letztlich sind die Moai die eigentliche touristische Attraktion der Insel, ihr Schatz, mit mehr offenen Fragen als Antworten bezüglich ihrer Entstehungsgesichte.

Deshalb kommen die Menschen, um teilzuhaben am Mythos, nicht, um nur die Steinköpfe zu betrachten. Die Faszination der Moai beruht auf dem, was wir nicht wissen, dunkel ahnen, glauben.

Die wissenschaftlich belagbare Geschichte von Rapa Nui, den Moai und ihrer Bewohner wird die wenigsten interessieren, glaube ich. When the legend becomes fact, print the legend!

Osterinsel Rapa Nui

Osterinsel Rapa Nui: Die Ahu Tongariki

Santiago de Chile ist eine Mischung aus Mailand, Madrid und einer Prise Florida.

 

Die Osterinsel gehört seit 1888 zu Chile, seltsam genug, liegt dieses Land doch 3700 km entfernt. Aber letztlich gehört South Georgia auch zum Vereinigten Königreich und Tahiti zu Frankreich.

Für den modernen Reisenden bedeutet dies, dass es lediglich zwei Flugrouten auf die Osterinsel gibt, welche von LATAM bedient werden: Einmal die Woche von Papetee, Tahiti, Französisch Polynesien, und täglich ab Santiago de Chile fliegt die chilenische Airline nach La Isla de Pascua. Einmal die Woche geht der Santiago Dienst dann von der Osterinsel auch nach Papetee weiter.

Aus diesem Grund führte unsere ausgedehnte Südamerikareise uns vom geliebten Peru in das noch unbekannte Chile. Nach Santiago de Chile, einer Stadt, die mir seltsam unsüdamerikanisch vorkam, einer Mischung aus Mailand und Madrid gleich, mit einer Prise Florida angereichert – nämlich gelben Bordsteinen und Palmen.

In Santiago halten die Autofahrer an Zebrastreifen an, man sieht keine Bettler auf den Strassen, die Menschen sehen wie Europäer aus und sind auch so angezogen.

Und im September, welches dort ein Frühlingsmonat ist, gerne auch noch in Winterjacken unterwegs, denn es ist kalt.

Die Santiagos sind freundlich, und sprechen teilweise ein sehr interessantes Spanisch – irgendwie fehlen immer die letzten Silben. Die muss man sich dazu denken, dann klappt es. Englisch spricht, überraschenderweise, kaum jemand. Wir werden gerne für Franzosen gehalten, keine Ahnung, warum. Lustig ist das, irgendwie schon.

Letztlich war es mir nicht wichtig, nach Santiago zu reisen, ich hatte den Eindruck, es gibt dort nicht so viel wirklich spannendes zu sehen. Was Santiago dann gleich hätte mit vielen anderen südamerikanischen Hauptstädten. Aber diese Bewertung liegt sicherlich allein an mir, Metropolen interessieren mich einfach nicht mehr. Vielleicht eine Frage des Alters? So bleibt Santiago nur eine unwillig besuchte Zwischenstation, auf dem Weg zur Osterinsel.

 

Flughafen Santiago, Taxikosten, LATAM Abfertigung, Flugzeit nach IPC

 

Zum Flughafen Santiago de Chile kostet ein Taxi aus der Innenstadt circa 15.000 chilenische Pesos, also ca. 20 Euro. Die Abfertigung der Isla de Pascua Flüge der LATAM wird an den internationalen Schaltern durchgeführt, geflogen wird aber vom Inlandsterminal. Heutzutage sehr komfortabel mit Boeing 787. Die Flugzeit beträgt ungefähr 5 Stunden 40 Minuten.

Ankunft am internationalen Flughafen Isla de Pascua ist gegen 13:00 Uhr, die Osterinsel ist Minus zwei Stunden der Ortszeit von Santiago. Im Prinzip kann man vom Flughafen, welcher direkt am Ortsrand der Inselhauptstadt Hanga Roa liegt, nach dorthin laufen.

 

Hanga Roa, Frontierstown mit Charme und Cheesecake

 

Hanga Roa ist keine Stadt, es ist ein kleiner Ort, mit einer geschäftigen Hauptstrasse, welche vom Flughafen bis zum Hafen führt, und einigen Nebenstrassen.

Hanga Roa lebt allein vom Tourismus, das Städtchen ist entspannt, langsam, sehr freundlich, und hat sich eine gewissen Frontierstown Attitüde bewahrt.

Die Osterinsel ist weder südamerikanisch noch irgendwie chilenisch (obwohl fast alle Spanisch sprechen), aber auch noch nicht so stark polynesisch wie z.B. Tahiti.

Die Osterinsel ist ein Treffpunkt der Kulturen – Touristen aus aller Welt treffen auf ein gutorganisiertes Chile und entspannte – um nicht zu sagen pittoreske – Polynesier. Welche den Laden nicht am Laufen halten, so scheint es mir, aber sich zufrieden geben, dass dies die Chilenen tun.

Durch Hanga Roa ist man in 20 Minuten durchgelaufen – es gibt unzählige Cafés und Restaurants und Supermärkte und Souvenirshops, eine sehr gelangweilte Tourist Info, eine grosse bunte katholische Kirche, einen kleinen Platz mit kostenlosem WLAN, einige Auto – und Fahrradvermietungen, und exakt zwei Banken mit Geldautomaten. Banco Santander mag Visakarten, Banco Estado dafür die Mitbewerber von Master Card.

Die Bäckerei am oberen Ende der Hauptstrasse, und das finde ich eine wichtige Information, weil der Mensch lebt nicht von Brot allein, backt tollen Käsekuchen. Welcher, und das ist irgendwie auch bezeichnend für die Osterinsel, nicht torta de queso genannt wird, sondern cheesecake. Das Stück für 2.800 Pesos – knapp 4 Euro, welches meine liebste Ausgabe und sehr notwendige Investition in mein körperliches und geistiges Wohlbefinden in Hanga Roa waren.

Am kleinen Hafen befinden sich die Tauchanbieter, welche Schnorcheltouren und kleinere Tauchgänge anbieten, dabei gewichtig tun und offenbar auch gut gebucht sind.

 

Rapa Nui – Besuch der Moai

 

Die wichtigste und bekannteste Touristenattraktion Chiles, die polynesischen Moai, also Steinfiguren, befinden sich in der Mehrzahl ausserhalb von Hanga Roa.

Es sind um die 860 katalogisierten Moai über die Insel verteilt, die meisten wurden wohl zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert erschaffen und errichtet. Die Wissenschaft ist sich nicht einig bzw. weiss nicht genau, weshalb die Moai in mühsamer Arbeit produziert und quer über die Insel transportiert und aufgerichtet wurden, und wen oder was sie genau symbolisieren.

Die Rapa Nui Menschen haben keine Aufzeichnungen hinterlassen, die darüber Aufschluss geben.

Man weiss heutzutage noch nicht einmal genau, wie die mehrere Zentnertonnen schweren Monumente transportiert wurden: Aufrecht stehend und mittels Ruckeltechnik, oder liegend und per Schlitten bzw. Baumstämmen als Rollen?

Für mich sind vier Monumente herausragend, in Aufbereitung, Platzierung in der Landschaft und Erreichbarkeit. 

Es sind zum Ersten die 15 in einer Reihe stehenden Moai in Ahu Tongariki, direkt an einer Meeresbucht platziert, welche einst von einem Tsunami gefällt und von japanischen Wissenschaftlern erst 1992 wieder aufgerichtet wurden. Vielleicht das bekannteste Fotomotiv der Osterinsel, und ewiger Anfeuerer zumindest meiner eigenen Reiselust und Sehnsucht nach der Ferne.

Rätselhaft und erhaben, voller mythologischer Bedeutung (nun ja, nicht für mich, aber vielleicht für andere?) und doch steinerner Leere zugleich, stehen die Moai von Ahu Tongariki etwas verloren und inhaltlich recht widersprüchlich, in der Landschaft.

Osterinsel Steinfiguren von Ahu Tongariki Reiseblogger DC Loew

Osterinsel Rapa Nui – Die Ahu Tongariki

Als Fotograf hat mich irritiert, dass sie irgendwie keine gemeinsame Sichtachse bilden: Schauen die 15 nach Links, oder nach Rechts, oder Geradeaus – wo schauen sie überhaupt hin?

In Sichtweite dieser Attraktion befindet sich Ranu Raraku, gewissermassen die Werkbank der Moai – Erbauer, hier wurden die Steinköpfe aus dem Fels gehauen, aber irgendwann, man weiss nicht genau wann und noch weniger weshalb – wurden die Arbeiten recht plötzlich eingestellt. Deshalb findet man heute mehrere Hunderte steinerne Steinfiguren halbfertig bzw. ganz fertig in der Landschaft herumstehend bzw. – liegend.

Osterinsel Rapa Nui

Osterinsel Rapa Nui – Steinfiguren in der Werkbank von Ranu Raraku

Ein faszinierendes Momento, wie ein stehengebliebener Film, eine angehaltene Geschichte, eine Sage ohne ein definiertes Ende. Was mag das für ein Moment gewesen sein, als die Steinmetze, Künstler und Transporteure die Steinmeissel, Seile und Rollen einfach liegen liessen? Ranu Raraku bedeutet unzählige tolle Motive von im Berg steckenden Steinikonen, die weite gelbgrüne Hügellandschaft, umtost vom starken Wind, das kalte Meer des südlichen Pazifik immer in Sichtweite.

Die dritte grossartige Anlage mit Moai ist Ahu Akivi, kurz vor Hanga Roa. Über eine roterdige Schotterstrasse zu erreichen, stehen hier sieben Steinikonen, welche die einzigen sind, die auf das Meer hinaus schauen. Es heisst, dies seien symbolhaft die sieben Entdecker, welche von den Marquesas kommend, die ersten Polynesier nach Rapa Nui geführt haben.

Osterinsel Rapa Nui

Osterinsel Rapa Nui: Die sieben Entdecker von Ahu Akivi

Und letztlich, die landschaftlich sehr liebliche,  jedoch ein wenig wie ein aus dem Ruder gelaufener Zengarten wirkende Anlage von Anakena. Palmenhain, Sandstrand, Gruppe von Moai. Der Sandstrand ist echt, also nicht künstlich aufgeschüttet a la Curacao, und einer der wenigen Strände der Osterinsel. Picknicktische, Restaurant, Campingplatz. Sehr hübsch!

Osterinsel Rapa Nui

Anakena Moai kurz vor dem Strand der Osterinsel

Herumkommen auf der Osterinsel, Kosten Eintritt Rapa Nui Nationalpark

 

Es gibt im Prinzip drei Möglichkeiten, diese touristischen  Höhepunkte der Osterinsel zu erreichen.

1. Man bucht eine Tour bei einem örtlichen Veranstalter, und besucht dann auf fester Route und mit einer Gruppe in einem Kleinbus die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, darunter fallen zumeist die oben aufgeführten plus einigen weiteren, abhängig von der Tour natürlich. Es gibt Halbtagestouren und Ganztagestouren. Die letzteren oftmals mit Mittagessen

2. Man leiht ein Mietfahrzeug, die Raten sind um die 40.000 Pesos (ca. 50 Euro) pro Tag für einen Daihatsu oder Suzuki Kleingeländewagen (Discojeep!).

3. Oder man leiht ein Fahrrad, diese kosten um die 10.000 Pesos pro Tag. Ebenfalls erhältlich als Transportmittel: Roller, Quads und Pferde.

Die südöstliche Küstenstrasse entlang sind es ca. 15 km bis Ahu Tongariki. Die Strasse ist gut asphaltiert. Auf der einen Seite befindet sich die wild zerklüftete, aus Lava geformte Küste. Hier tost die Brandung des Pazifiks sehr heftig an, und zaubert Gischtwolken als malerischen Kontrast zur schwarzen Lava.

Es sind mehrere Sehenswürdigkeiten entlang der Küste verteilt, einige aufgerichtete Moai und einige umgestürzte, auf ihren Gesichtern liegende Steinköpfe.

Entlang grasbewachsener sanfter Hügel führt die Küstenstrasse bis Ahu Tongariki und Anakena als Endpunkt.

Viele Pferde und Kühe, welche absolut nicht endemische Fauna sind, laufen ruhig und wenig irritiert über die Strasse, deshalb empfiehlt es sich, vorsichtig zu fahren.

Ebenfalls eingeführte Chimango Karakaras bevölkern die Graslandschaft entlang der Piste und lassen sich recht einfach bei der Nagerjagd beobachten.

Was auffällt an der Osterinsel, ist der Mangel an Seevögeln. Zwar nisten auf den vorgelagerten Inseln einige Seevögelarten, auch gibt es migratorische Seevögel, aber diese sind eben nicht ganzjährig zu sehen.

Die meisten endemischen Arten wurden in der Zeit des landwirtschaftlichen Niedergangs ausgerottet. Die heute vielfach zu sehenden grauen Finken als auch die Spatzen der Insel wurden eingeführt.

Die wichtigsten Moai – Stätten lassen sich mit einem Fahrzeug leicht an einem Tag besuchen. Alle Moai sind Teil des Rapa Nui Nationalparks, welcher zum UNESCO Weltkulturerbe der Menschheit gehört.

Man muss vorab, entweder am Flughafen oder im Büro an der Hauptstrasse in Hanga Roa, eine zehn Tage gültige Eintrittskarte (boleto) erwerben. Diese gilt für die gesamte Insel. Und kostet 54.000 Pesos oder 80 US Dollar pro Person. Nur Barzahlung, keine Karten!

 

Trails, Senderos, Wanderwege: Camiando!

 

Wer wandern möchte auf der Osterinsel, für den gibt es zwei sehr schöne Optionen. Zum einen den Sendero (trail, Wanderweg) Te ava o Teao, welcher ab Küste auf der Hanga Roa abgelegenen Seite des Flughafens beginnt, an der als Kannibalenhöhle bekannten Kultstätte Ana Kai Tangata.

Der Weg führt durch lichte Waldabschnitte und über grasige Hänge hinauf auf den sehr fotogenen und bemerkenswerten Rand des Kraters Rano Kau. Leichter Weg, knapp vier Kilometer einfach. Kann man in Sneakers laufen, keine Bergausrüstung erforderlich! Oben am Kraterrand ein schöner Blick in den Krater hinein und die nach Norden laufende Küste entlang.

Rapa Nui: Kraterrand Rano Kau

Osterinsel Rapa Nui: Kraterrand Rano Kau

Die zweite Option für Wanderer, welche ich selbst nur bis zum Einstieg am Stadtrand gelaufen bin, beginnt am nördlichen Ende von Hanga Roa, dort wo sich der Friedhof befindet.

Entlang der Küste kann man Moai erwandern, zu denen keine Strasse führt. Lonely Planet empfiehlt, sich ggf. am Ende des Trails abholen zu lassen oder gleich einen Guide zu organisieren, da der Sendero schlecht ausgeschildert ist.

Ansonsten gilt in Rapa Nui, wie auch auf all meinen Reisen, und auf dieser Weltumrundung erst recht: Ich reise nicht, um irgendwelche Listen, Best-ofs, Trip Advisor Empfehlungen oder die „Tausend Orte, an denen man gewesen sein muss“ abzuhaken.

Ich reise aus Neugier. Aus Wissensdurst. Aus reinem Unterwegsseinwollen. Aus Fernweh. Aus Liebe zur Exotik. Weil ich mich fremd fühlen möchte und meine Sinne wach.

Und deshalb zieht es mich eben in die Ferne. Fernweh heilen an der Ostsee funktioniert nicht. An der Nordsee auch nicht, im Schwarzwald schon gar nicht.

Auf der Osterinsel schon.

Das Abhaken von vorgegebenen „Must-sees“, Events und Attraktionen, das Sein auf einer fremden Agenda, ist für mich total irrelevant. Als Reisender sollte man immer seine eigene Agenda haben und verfolgen. Und für mich gehört auf diese Agenda, auch das Recht, nichts zu tun. Das Nichtstun auf Reisen, ich sollte darüber ein Buch schreiben.

Nichtstun klingt etwas provozierend, genau genommen wird diese Zeit mit Lesen und Schreiben und im Café sitzen gefüllt, geistig aktiv also, körperlich nicht so.

Kontemplation zählt heutzutage leider nicht mehr als Arbeit, Nachdenken auch nicht.

Also nenne ich es selber Nichtstun, möchte dies aber ein Stück weit und als vielleicht ironisch verstanden wissen, aber letztlich ist es mir auch egal, wie es verstanden wird.

Reiseblogger sein, heisst auch, sein eigenes Ding durchziehen. Und die Tage eben nicht vollständig zu verplanen mit Aktivitäten. Reisen heisst auch, sich Zeit nehmen. Das ist der wahre Luxus, und unterscheidet die Reise von der Flucht.

Immer wieder spannend zu sehen die Reaktion, wenn Mitreisende nach den Plänen für die nächsten Tage fragen, und wir sagen: Wir haben keine Pläne. Reich ist, wer soviel Zeit zum Reisen mitbringt, auf dass er sie ein klein wenig vertändeln kann!

Und was ist nun die Faszination der Osterinsel, Rapa Nui, Isla de Pascua? Die Faszination der Osterinsel nährt sich für mich aus mehreren Elementen:

Es ist die isolierte Lage des Eilandes im südlichen Pazifik, plus die einzigartige Geschichte einer einzigartigen Kultur, welche die Wissenschaft bei weitem noch nicht vollständig erforscht hat.

Ahu Tongariki Rapa Nui

Reisetipps Osterinsel: Ahu Tongariki Rapa Nui

Diese Kultur der polynesischen Menschen von Rapa Nui hat uns höchst erstaunliche Relikte, die mächtigen und rätselhaften Moai hinterlassen. Wir stehen vor den Steinfiguren, welche auch die Zeugen des Untergangs der Rapa Nui Kultur sind, und suchen nach ihrer Geschichte, finden aber keine befriedigende Antwort.

Offene Geschichten, ungelöste Rätsel, tendieren dazu, mythisch im besten Sinne, esoterisch und abgedroschen im schlechtesten Sinne zu werden.

Populärautoren wie Thor Heyerdal und Erich von Däniken sind Nutzniesser solcher offener Geschichten, und sie spinnen ihr eigenes Garn dazu, alternative Fakten sozusagen, also Fakten ohne wissenschaftliche Grundlagen, also reine Annahmen. Fantasieprodukte. Spinnereien. Märchen. Letztlich möchten sie auch nur eine Geschichte mit einem Ende fabulieren. Das alles trägt zum Zauber der Osterinsel bei, denn es sind doch diese Geschichten, Mythen, die unsere Fantasie anregen.

Die abgelegene und isolierte Lage der Osterinsel bedeutet, wer bis hierher kommt, meint das Reisen ernst. Partytouristen, Backpacker, Dreadlock – JüngerInnen und ähnliches Volk, welches man auf dem Gringo Trail in Südamerika oftmals antrifft, gibt es hier nicht.

Es sind überraschend viele Europäer und Japaner auf Rapa Nui, und viele Chilenen, die das Wochenende bleiben.

Die Osterinsel hat sich ihren freundlichen Charakter eines abgelegenen Eilandes, mit gar nicht so vielen Touristen wie man befürchten könnte, bewahrt.

Sie ist der perfekte Einstieg für eine weiterführende Reise in das Herz Polynesiens, nach Tahiti.

Denn Polynesien, und all das wofür es steht, Exotik, Schönheit, Blumen im Haar, liebliche Menschen und liebliche Landschaft, aber dazwischen eingestreut Gewalt, Kannibalismus, die Expansion und Eroberung und Besiedlung und teilweise Verwüstung einer gigantisch grossen Inselwelt zwischen Hawaii und Neuseeland und eben Rapa Nui, das ist vielleicht der wahre Kern des Mythos der Osterinsel.

Denn wie las ich auf einer Toilettenwand:

Love. Peace. Polynesia.

Das ist euphemistisch, aber auch: Dem ist nichts hinzuzufügen. 

 

Reisetipps Osterinsel im Südamerika Reiseblog:

 

  • Anreise: Nur mit LATAM ab Santiago de Chile, täglich. Oder einmal die Woche von und nach Papetee, Tahiti.
  • Kosten für den Flug ab Santiago: Um die 900 Euro.
  • Unterkunft: Sollte man sich rechtzeitig besorgen. Das Preisniveau ist hoch, das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht sehr gut. Man bekommt aber auch preiswerte Unterkünfte ab 60 US Dollar das Doppelzimmer, mit Selbstverpflegung.
  • Herumkommen: Mietwagen, Taxi, Fahrrad. Preise siehe Text oben.
  • Eintritt Rapa Nui NP: 54.000 chilenische Pesos oder 80 US Dollars. Cash Only. Solo Effectivo!
  • Bankautomaten: Zwei Banken in Hanga Roa, Santander (Visa) und Standard Bank (Mastercard)
  • Internet: Kostenloses öffentliches Netz gibt es auf dem kleinen Platz am nördlichen Ende der Hauptstrasse. In der Mitte der Hauptstrasse, in einem zweigeschossigen Gebäude im zweiten Stock ist das Internet Café. Wifi Zugang 1.000 Pesos/Stunde, Rechner 1.500 Pesos/Stunde.
  • Einsteigertipps Südamerika
  • Easter Island Tourism
  • Reisetipps Tahiti und Papeete hier im Reiseblog

DC Loew
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DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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