In fremden Betten – Vom Reisen und Nächtigen unterwegs

Als Reiseblogger unterwegs: Nachts sind alle Betten gleich. Stimmt nicht.

 

Wenn man an fernen Orten unterwegs ist, und die Eindrücke der Fremde, des Exotischen, des Neuen und Unbekannten auf einen einprasseln, werden alle Sinne des Reisenden angesprochen. So geht es mir jedenfalls immer, und das ist einer der Gründe, weshalb ich reise: Ich möchte das Fremde umarmen und mich in Exotik verlieren. Um mich dann – irgendwo – wieder zu finden. Heimat kann fast überall sein. Zuhause ist, wo meine Tasche liegt.

Amazonas Dampfer Kabinne innen
Statt Bettlaken. Auf dem Amazonas. So siehts aus bei den Travellern

Die Kulturtechnik des Schlafens: Weltweit gleich?

 

Zur fremden Heimat auf Zeit kommen einige Faktoren hinzu: Das ungewohnte Essen. Die andere Kultur und Sprache. Gerüche, Geräusche, Atmosphäre. Reisen in ferne und exotische Länder beansprucht alle Sinne, reisen ist im sinnlich. Und deshalb berichten wir als Reisende und Reiseblogger darüber. Und andere Menschen finden dies mehr oder weniger interessant. Und fragen. Immer: Wie war das Essen? Und dann: Wie war das Hotel? Wo habt ihr geschlafen? Anscheinend kann man das Berichten über das Unterwegssein auf zwei wesentliche Faktoren reduzieren: Das Essen. Und das Schlafen.

Über das Essen auf Reisen gibt es unzählige Blogs. Über Hotels auch. Aber über das Bett, das Nächtigen, das Schlafen in fremden Betten, die Kulturtechnik des Schlafens wird wenig bis gar nichts geschrieben. Warum eigentlich nicht? Zeit, über das Bett als Schlafstätte einmal nachzudenken!

Anders als z.B. bei Toiletten, bei denen es über den Erdball verteilte unterschiedlichste Traditionen und Arten des Verrichtens wie Sitz-, Hock- und Stehtechniken gibt, scheint mir das Prinzip des Schlafens in einem Bett bzw. auf einer Matratze kulturübergreifend weltweit ähnlich: Man liegt auf einer Unterlage, welche den Schlafenden vom nackten Boden trennt. In kalten Weltgegenden sind Decken willkommen. In warmen Gegenden braucht man keine. Die Dicke der Unterlage bzw. der Matratze wechselt über die Kulturen und persönliche Vorlieben. Das eigentliche Möbel, das westliche Bett, ist eher ein Luxus als ein Standard, der entweder nicht überall benötigt wird oder den man sich nicht leisten kann. Aber im Prinzip bleibt die Kulturtechnik des Schlafens überall gleich.

Die Schlaftechniken scheinen mir also metakulturell. Die Vorlieben der Menschen, ob sie sich weich oder eher hart betten, scheint mir dennoch keine Frage der Kultur, der Religion, der Weltanschauung, Vermögensverhältnisse oder des Geschlechts zu sein, sondern ist eine ganz individuelle und persönliche. Manche mögen es kuschelig, manche eher karg. Egal ob Massai oder Monegasse, Frau Mann, und alles diverse dazwischen.

 

Vom Reisen und fremden Betten

 

Was kann man, wenn man sich nicht als Kulturanthropologe dem Phänomen der Schlafkultur widmet, über Betten und das Reisen berichten?

Man berichtet streng subjektive Erfahrungen! So wie ich jetzt.

Auf meinen Reisen in Afrika oder Südamerika habe ich in den verschiedensten Betten in unterschiedlichsten Unterkünften übernachtet, hier eine Auswahl meiner persönlichen Highlights:

  • Botswana. Mitten in der Wildnis. Unter dem sensationellsten Sternenhimmel ever. Draussen schüffeln irgendwelche kleinen Tiere (Stachelschweine?) am Auto. Ansonsten ist auch der Busch des Nachts ziemlich ruhig. Wer Glück hat, hört die Löwen brüllen. Die Matratze im Dachzelt ist eher dünn und karg. Man liegt hart. Aber das stört mich nicht. Ein Mikroschlafsack ersetzt Decken und wärmt, wenn es nicht winterlich nächtlich kühl ist, ausreichend.
  • Metallpritsche, Schiffskabine, Amazonas. Mehr als Karg. Ein Yogi in Brasilien. Ohne meine mitgeführte Reisewäscheleine hätte ich nichts an die Wand hängen können. Diese Kabine und auch das Bett waren deutlich ausserhalb meiner Komfortzone. Dafür aber ziemlich sauber. Unter das Bett die Pritsche habe ich nicht geschaut. War vielleicht besser so! Was das Mitnehmen von Reisebedarf angeht: Manche Menschen führen eine eigene Decke oder ein eigenes Reisekopfkissen mit sich, aus mir nicht ganz ersichtlichen Gründen. Mir reicht ein zusammengelegter Fleecepulli als Kissen…Ist weich, meistens sauber, und nimmt im Gepäck nicht unnötig Platz weg!
Amazonas Dampfer Kabinne innen
Schön blau, und schön hart! Kabinenpritsche im Amazonasdampfer.
  • Norwegisches Markenbett mit 1a Bettzeug mit Mega – Kuschelfaktor und Supermatratze. Cornwall, England. Es war kein Luxushotel, sondern ein ganz normales B+B. Aber die Besitzer waren qua Erfahrungswissen und ambitionierter Herangehensweise Spezialisten für Top Matratzen und Bettzeug. Und hatten sich auf ihrer Suche nach der einfach besten Matratze für ihre Gäste bis zur norwegischen Topmarke hin durchprobiert und optimiert. Die beste Qualität und Know-How macht doch tatsächlich manchmal den entscheidenden Unterschied. Ich wollte, ich hätte mir den Markennamen notiert. Habe ich natürlich nicht…
  • Campingpritsche, Zelt. Serengeti, Tansania. Vielleicht der schönste Übernachtungsort an welchem ich je war. Auf einer Special Campsite inmitten der wunderbaren Serengeti. Nachts hustete der Leopard, die Paviane riefen alarmierend, und in der Ferne brüllten Löwen und bellten Hyänen. Morgens geht über dem Grasmeer die Sonne auf und taucht die Felsen und die Savanne in goldenes Licht. Im Zelt schläft man rustikal aber komfortabel auf einer Campingpritsche, ohne Matratze, nur auf der bespannten Leinwand. Mit karger Decke und kleinstem Kissen. Camping im besten Sinne, und luxuriös trotzdem. Es ist wie in der Kreditkartenwerbung: priceless. Auch wenn der Safarianbieter anderer Meinung ist und einen eher hohen Preis aufruft. Die wunderbare Erfahrung bleibt. Reisende kaufen sich Erinnerungen. Im Gegensatz zu Gegenständen kann man diese nie verlieren.

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  • Selbstgebautes (nicht von mir) Holzbett, Blockhütte am Vulkanhang, Costa Rica. Rustikal, nicht schön, aber vielleicht deshalb unvergessen. Auf dem Weg vom Karibikstrand zum Flughafen in San José nächtigten wir (die beste Ehefrau von allen und ich) in einer eher abgelegenen, über sehr holprige Pfade erreichbaren Blockhütte. Diese stand am Rande eines tosenden Bachs, inmitten regennassen Dschungels, welcher sich an den Hängen eines Vulkans sehr wohl fühlte und entsprechend wild wucherte. War der Vulkan erloschen oder noch aktiv? Weiss ich nicht mehr, aber der morgendliche Nebel war kein Rauch. Das Bett war roh zusammengezimmert, das hätte ich auf diesem Niveau auch hinbekommen. Die Matratze lag direkt auf einer antiken (?) Spanplatte, und es gab ganz viel Holz an den Wänden. Damit die lokalen Arachnoiden sich wohl fühlen aber auf keinen Fall sichtbar sind, meinte die beste Ehefrau von allen. Und die ganze Spannbreite regionaler Krabbeltiere war am Eingang dieser sogenannten Ökolodge in alkoholgefüllten Gläsern konserviert und ausgestellt, und kündete von der grossen Biodiversität der Gegend. Hach ja!

 

Früher war alles besser? Nebbich!

 

Täusche ich mich, oder schlafe ich heutzutage in besseren (teureren?) Hotels/Hostels als früher? Denn an so richtig miese, durchgelegene und verwanzte Betten kann ich mich in letzter Zeit nicht erinnern. Da war das Reisen in den 90ern durchaus archaischer – die Zimmer bescheiden, die Matratzen aus der Stummfilmzeit stammend, die hygienischen Standards in klassischen Traveller Hostels niedrig bis nicht vorhanden. Bin ich

einfach aus diesem Segment der 1 bis Kein – Sterne Hostels entwachsen, oder hat das Reisen allgemein an Qualität gewonnen? Ich bin mir nicht sicher, aber ich bin auch sehr entfernt davon, die Vergangenheit zu romantisieren.

Sei es meine persönliche Vergangenheit als Traveller oder eine globale Vergangenheit des „Früher war alles besser“. Im Gegenteil, solche verallgemeinernde Behauptungen sind dummes Zeug. Nicht nur bezogen auf das Nächtigen in fremden Betten sage ich: Früher war natürlich nicht alles besser! Nur anders.

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DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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