Football, bloody hell: Warum “Sunderland Til I Die” die beste Fußballdokumentation ist

Sunderland also. Welches Genie ist nur darauf gekommen, ausgerechnet den Sunderland AFC und seine Fans und somit eine eher ausgepowerte Region Englands zu Hauptdarstellern dieser fabelhaften Sportdokumentation zu machen? Nachdem es bereits mehr oder weniger gelungene Serien über Starensembles und Erfolgsmaschinen wie Manchester City, den BVB oder die All Blacks gibt? Sunderland hat in etwa den ähnlichen Charme vergessener Gegenden des Ruhrgebiets, ehrlich aber pleite, und auf dem absteigenden Ast seit der Entdeckung des elektrischen Stroms. 

Die Netflix-Produktion “Sunderland `til I Die” hat mich an zwei Stellen, und ich greife jetzt ganz bewusst in der Chronologie des Erzählens vor, ganz persönlich sehr berührt. Aber allein dies sind nicht die Gründe für meine Begeisterung. Und wie wir seit der  Rezension über die Dokumentation über Bastian Schweinsteiger wissen (“Schauen Sie sich diesen Film nicht an”, auf Übermedien), ist es nicht selbstverständlich, mit dem Genre der Sportdokumentation mit einem außergewöhnlichen Thema automatisch einen überdurchschnittlichen Film/Serie zu produzieren. Dieser Text ist aber ganz ausgesprochen keine Rezension, keine Kritik, keine Glosse. Vielleicht eine biografisch gefärbte Analyse?

Es muss 2013 oder 2014 gewesen sein, als ich in Leipzig beim Spiel des örtlichen RB gegen Holstein Kiel im Stadion war. In der dritten Liga fand diese Begegnung damals mitten in der Woche statt, vor deutlich mehr als 20.000 Zuschauern. RB war klar besser, und ein Mann auf dem Platz stach mit seiner Dynamik, Beweglichkeit und Ballfertigkeit heraus wie ein schlaues Rennpferd auf einem Klassentreffen von alten Ackergäulen. Es war Yussuf Poulsen, damals schon dänischer Nationalspieler. Es gibt sehr ähnliche Szenen in “Sunderland ` Til I Die”,  in denen ein gewisser Josh Maya, ein junger Spieler aus der Arsenal Jugend, den es nach Sunderland in die dritte Liga verschlagen hat, ein Tor nach dem anderen macht. Scheinbar mühelos, dynamisch, schnell, torsicher, scheint diese Liga zu klein für ihn. Dennoch pokert er um einen neuen Vertrag bei Sunderland, vom Transferfenster im Januar bis zum Saisonende im Sommer, und es bleibt lange unklar, ob er dem schnöden Ruf des Geldes oder der atavistischen Romantik des Fußballs folgen wird. Geht er? Oder ist er loyal zu Sunderland und seinen Fans und hilft dabei, den Aufstieg zu schaffen? Dies ist einer der entscheidenden und in seiner Ambivalenz auch charakteristischsten Erzählstränge der Dokumentation.

Wo liegt Sunderland noch mal?

Doch lasst mich ein wenig die Grundlagen beleuchten. Denn wer kennt schon, seien wir ehrlich, Sunderland AFC bzw. die Stadt Sunderland?

Sunderland ist mit knapp 180.000 Einwohnern Teil der Metropolregion Wear and Tyne im Nordosten Englands. Newcastle und Middlesbrough sind Städte in der Nachbarschaft und stellen mit ihren jeweiligen Fußballclubs auch die größten regionalen Antagonisten des AFC. Sprich: Gegen Newcastle und insbesondere Middlesbrough, dessen Verein mittlerweile auch in der zweiten Liga angekommen ist, spielt Sunderland seine beiden wichtigsten Derbys. 

Die Stadt an der Nordseeküste hat ihre besten Tage zweifellos hinter sich. Kohleindustrie und Schiffbau sowie Glasproduktion sind bereits in den 1980er Jahren Auslaufmodelle in diesem entlegenen Teil Englands gewesen. Aber im 19. Jahrhundert und in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg war Sunderland ein Zentrum des Schiffbaus im Vereinigten Königreich. In dieser Zeit gewann der heimische AFC seine fünf Meisterschaften. Nach dem Krieg wurde ein einziger Titel errungen, 1973 der FA-Cup. Der Spitzname des Vereins ist “The Black Cats” und die Heimspiele werden im sehr hübschen (nur Sitzplätze, keine Laufbahn) Stadium of Light ausgetragen. Welches auf einer alten Kohlenmine errichtet wurde, und was einer der Gründe dafür ist, dass Sunderland AFC mit seiner kulturellen Verankerung in der Stadt und bei den Menschen und seiner Provenienz  als Arbeiterklub mich an den FC Schalke erinnert. Oder doch eher an den VfL Bochum. Oder RW Oberhausen. Ich wette, dass in Sunderland, trotz der tollen Stimmung im Stadium keine chinesischen Fußballtouristen den Einheimischen die Plätze wegnehmen, so wie in London oder Manchester. Es gibt touristisch betrachtet, nicht den geringsten Grund, nach Sunderland zu reisen. Stonehenge ist ganz woanders.

An sich finde ich es – retrospektiv gesehen – schon sehr beachtenswert, dass ein doch eher kleiner Club wie der AFC mehr als zehn Jahre in der Premier League gespielt hat, bevor es nach der Saison 2016/2017 als Tabellenletzter in die englische zweite Liga ging. 

Welche übrigens, und das mag verwirren, den Namen EFL Championship trägt. Die Dokuserie über den AFC Sunderland beginnt unmittelbar nach diesem für die Fans des Clubs ziemlich ernüchternden Abstieg in die Zweitklassigkeit zu Beginn der Saison 2017/2018. 

Sunderland til I Die: Hintergründe, Betrachtungen, Gedanken zur Netflix Fussball Serie

 

Neubeginn bei Sunderland AFC? Welcher Neubeginn?

Und damit kommen wir auch schon zu einem der Kernprobleme dieses Vereins. Denn der Anlass, weshalb der Club Netflix Einblick in sein Geschäftsgebaren geben wollte war, dass der Besitzer des Unternehmens, Ellis Short, auf der Suche nach potenziellen Investoren war, um sein “Franchise” zu verkaufen oder eben Anteile abzugeben. Dies mag der Grund sein, weshalb in den ganzen 14 Folgen der Serie die Kamera kein einziges Mal während eines Spiels oder des Trainings in der Mannschaftskabine weilte, dafür umso öfter auf der Geschäftsstelle vorbei schaute. 

Was für mich genau den Reiz ausmacht, und auch einer der Gründe ist, weshalb die Serie so herausragt. Und auch sehr schwer zu vergleichen ist mit der faszinierenden Innenansicht wie sie z.B. “All Or Nothing: Manchester City” über die Citizens und Trainer Guardiola gewährt. Hier ist man dabei, wie Pep in der Kabine seinen Spielern auf der Magnetwand in einer sehr interessanten Sprache, ich glaube es ist Englisch, in Stakkatomanier taktische Anweisungen gibt und die Magnete wie ein Hütchenspieler unter Speed hin- und herrückt. 

Ich glaube, alleine Kevin De Bruyne scheint zu verstehen, worum es ansatzweise geht – vielleicht kann er aber auch einfach nur verständnisvoll beipflichtend nicken. Sergio Aguero eher kann das nicht, ich bin überzeugt, dass er kein Wort versteht, was auch vielleicht daran liegt, dass er gar kein Englisch spricht. Ebenfalls sehr faszinierend sind in dieser Serie die Trainings der Citizen, in denen Pep Guardiola der Mannschaft – wie in einer Stellprobe im Theater –  Laufwege und Positionen auf dem Spielfeld vermittelt. Und die Spieler auf einem Kleinplatz zwischen ihren Positionen verschiebt wie lebensechte Schachfiguren.

Nichts davon in “Sunderland `Til I Die”. Hier begleitet man primär Geschäftsführer Martin Bain auf seiner Mission, den Verein wieder in die erste Liga zu führen. Kein wirklicher Einblick in das Training des neuen Trainers Simon Grayson wird gewährt, keine Aufbruchsstimmung, kein Change Management, keine Tschaka- oder Motivationsevents für Team oder Staff oder Geschäftsstelle finden statt. Das wäre das, was ich erwartet hätte, denn letztlich ist so ein Abstieg doch auch mit einem massiven Rückgang an Umsatz und Einkünften verknüpft, und schreit nicht nur im Fußball nach dem notorischen Neubeginn. Doch nichts davon geschieht bei Sunderland. 

Der Trainer ist ein der funkenspühenden Inspiration und des Zaubers eines Neubeginns unverdächtiger Handwerker, der seine Sporen hauptsächlich in der zweiten und dritten Liga Englands verdient hatte. Geschäftsführer Bain fährt Range Rover und trägt Anzug mit Schlips. Und muss als Chef eingestehen, dass sie einem Spieler 70.000 Pfund im Monat bezahlen müssen, weil sie nicht daran gedacht haben, dessen Erstligakontrakt mit einer Abstiegsklausel zu versehen. 70.000 Pfund die Woche für einer Mittelfeldspieler (Jack Rodwell), in der zweiten Liga. Kaum zu glauben. Die für mich entlarvendste Szene über die Hilflosigkeit des Managements, die neue Situation des Clubs anzunehmen und einen Änderungsprozess, mental als auch rechnerisch, einzuläuten, ist das jährliche Treffen der Vereinsführung mit den Vertretern der Fanszene. 

Dieses Ereignis findet, wir sind in England, in einem Pub statt. Die Vereinsführung, ohne den Besitzer, dafür mit dem Trainer, sowie zwei Spielern, sitzen im Anzug mit Krawatte den Fans gegenüber. Es sind nicht nur die Kontraste in Kleidung und Attitüde, die auf geradezu rührende Weise ein sehr offensichtliches Schisma zwischen Management und Supportern aufzeigen. Es ist die Sprache und die Kommunikation, welches diesen Graben zwischen Geschäftsführung und Spielern auf der einen, und der Fanszene auf der anderen Seite veranschaulicht. 

Die Fans stellen fundierte, sehr ehrlich besorgte Fragen mit welchen sie sehr gezielt die Probleme des Clubs nach dem Fehlstart in der zweiten Liga ansprechen: Wie hat sich der Verein neu aufgestellt, wie soll gespielt werden, um den Wiederaufstieg zu schaffen, was ist die Strategie, welche Spieler sollen diese umsetzen und geholt werden? Und genau auf diese konkreten Fragen hat der Club genau: Null Antworten. Zurück kommen Sprechblasen des schönsten Fußballsprechs, welche im Englischen sich inhaltlich von nichts im Deutschen unterscheiden. Es wird viel gesprochen, aber nichts gesagt. 

Als Zuschauer der Serie wunderte ich mich sehr, dass auch in anderen Sequenzen, in denen interne Meetings dokumentiert werden, z.B. zwischen Management und den Trainern, nur in absoluten Worthülsen kommuniziert wurde. Kein kritisches Nachfragen, kein Bedarf daran, Dinge zu ändern. Sehr anschaulich auch die kurzen Schilderungen des Trainings – welches so auch bei semi-ambitionierten Kreisligisten aussehen dürfte. Kaum verwunderlich, dass der fehlende “Change” Ansatz und die nicht vorhanden Strategie der Clubleitung sich auf die Mannschaft überträgt, und diese bereits nach wenigen Spieltagen am unteren Ende der Tabelle angekommen ist.

Den Trainer dann im Dezember zu entlassen, folgt den wenig originellen Regeln des Geschäfts. Sehr spannend ist, dann zu sehen, dass Geschäftsführer Bain mit Chris Coleman einen hochkarätigen Fachmann nach Sunderland holt, der den dringend benötigten neuen Wind und einen Hauch von Welt in die darbende englische Provinz trägt. Coleman hatte mit der Nationalmannschaft von Wales bei der EURO 2016 das Halbfinale erreicht. Aber auch sein Einsatz, welcher in der Retrospektive eher charmant denn wirklich fachkompetent umwälzend erscheint,  kann Sunderland vor dem erneuten Abstieg nicht mehr retten. Too little, too late, würde man im Amerikanischen sagen.

Das Januar-Transferfenster der ersten Zweitligasaison (“Deadline Day”) wird aus der Sicht der Vereinsführung geschildert, Spieler kommen, Spieler gehen. Bain rechnet das in etwas so auf: Fünf Spieler raus, fünf neue Spieler rein. Passt. Ich habe auch hier einen Plan vermisst, eine Strategie, wie viel Geld ist vorhanden, wen wollen wir haben, wer hilft uns als Spieler weiter, wer nicht. Mein Eindruck, und sollte das Geschäftsgebaren von Sunderland beispielhaft für die Branche sein, wäre dies fabelhaft furchtbar, war der, dass es mehr oder weniger dem Zufall oder der Hartnäckigkeit von Spielervermittlern zu verdanken war, welcher Spieler letztlich geholt wurde und welcher nicht. Hoffnung ist keine Strategie – hier aber schon. 

Die zweite Staffel der Serie, und ich greife vorweg, Achtung Spoiler, begleitet den Verein in seiner insgesamt 140 Saison in der Spielzeit  2018/2019 in der dritten Liga. Welche in England, und das ist schon fast klischeehaft exzentrisch, Ligue One genannt wird. Coleman ist weg, und besser noch, Ellis Short verkauft den Verein. 

Neue Liga, neue Besitzer

Auftritt die neuen Besitzer, ein irgendwie namenloses Konsortium, unter dem Vorsitz von Stewart Donald und Charlie Methven. Diese machen direkt von Beginn an einen bodenständigen und sehr professionellen Eindruck. Dies manifestiert sich darin, dass sie beginnen, die Kosten und Einnahmen des Vereins aufzurechnen (ok, das sollte man eigentlich VOR dem Kauf machen), um dann Martin Bain mitsamt seinem Range Rover nach Hause zu schicken. Stewart Donald und Charlie Methven stammen beide aus Oxfordshire (“Südengland” für Leute aus Sunderland) und haben ihr Geld in der Versicherungsbranche gemacht. 

Bevor sie Sunderland AFC kauften, haben sie Erfahrungen mit Fußballvereinen wie Eastleigh F.C (5 Liga) und Oxford United (3. Liga). gesammelt. Donald verkaufte Eastleigh und die Anteile an Oxford um Interessenskonflikte auszuschließen, und sich voll auf Sunderland zu konzentrieren. Die Sequenzen mit Donald und Methven zu Beginn der zweiten Staffel sind die für mich stärksten Szenen der Serie. 

Wie sie in Rechnungen und Verträgen recherchieren und Beträge nennen, die der Verein bezahlt und von denen sie nichts wussten, wie die 100.000 Pfund für eine Kryokammer, die kein Spieler nutzt. Wie Charlie Methven versucht, mit den demoralisierten Angestellten der Marketingabteilung neue Pläne und Ziele festzulegen, und wie die Mitarbeitenden sitzen und nichts sagen und nichts fragen und nichts erwarten. Diese Szenen waren für mich das oben angeführte zweite persönlich mich berührende Erlebnis, welches ich selbst in ähnlicher Form, in der Partei des Käufers, schon mitgemacht habe. Die Übernahme einer demoralisierten und geschlagenen Organisation, das schwierige Einleiten eines Change-Prozesses, das Begleichen alter Rechnungen für unbekannte Leistungen und Auflisten aller Kosten verbunden mit den Fragen: Was ist das, wer braucht das, wieso kostet das soviel, und wann können wir kündigen.

Donald und Methven machen dies auf robuste, nüchterne, und sehr authentische Art und Weise. Grandios im Kontrast, das jährliche oben bereits geschilderte Treffen mit den Fans. Methven unternimmt dies alleine, gibt seine Nervosität vor der begleitenden Kamera zu, trägt keinen Anzug und keine Krawatte, und schenkt den Fans über die Situation des Vereins sehr deutlich, sehr ehrlich und sehr klar den Wein ein, den niemand schmecken möchte. Beeindruckend. 

Und dann übernimmt in der Serie erzählerisch-emotional, und dies ist überraschend wie ein Lottogewinn für jemanden, der sein Jahreslos vergessen hat, der Zauber des Fußballs, und man versteht, warum wir dieses Spiel so lieben. Mit der Person des CEO Stewart Donald schildert dies die Serie sehr anschaulich, subtil, aber mitreißend. Zu Beginn und unmittelbar mit der Übernahme ist er der neue Clubbesitzer und Chairman. Kündigt Spielern und Mitarbeitern, der alten Geschäftsführung. Rechnet kühl die Einnahmen gegen die Ausgaben und führt vor, dass das Geschäftsprinzip des Vereins gewesen ist, jeden Monat das Minus in der Bilanz vom schwerreichen Besitzer ausgleichen zu lassen.                                             

Von Spiel zu Spiel jedoch schwindet Stewart Donalds professionelle Distanz, und aus einem nüchternen Investment entwickelt sich ein mitreißend gemanagter Fußballverein im schwierigen Terrain der dritten Liga. Und somit findet sich der Boss irgendwann bei einem Auswärtsspiel in der tiefsten englischen Provinz auf der guest supporters Tribüne wieder, inmitten unter den Sunderland-Allesfahrern. Zuhause gibt Stewart Donald gegenüber seiner Frau zu, daß er eine weitere Saison nicht ohne gesundheitliche Schäden überstehen wird. Der Manager ist zum Fan geworden, wie auch der Zuschauer mehr und mehr in den Bann des Spiels gezogen wird, welches für Sunderland in zwei Finals einer denkwürdigen Saison in Wembley resultieren wird. 

Tradition ist kein Asset

Während ich “Sunderland `Til I Die“ sah, musste ich oft an die in Deutschland geltende sogenannte 50+1 Regel denken. Dieses Regelwerk des Deutschen Fußball Bundes verhindert, dass Vereine eben nicht wie Unternehmen gekauft und verkauft werden können. (Mit historisch bedingten Ausnahmen wie Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg, und, nun ja, der TSG Hoffenheim, aber auch seltsam gescheiterten Konstrukten wie München 1860).

Aber: Die Vereine sollten meiner Meinung nach wie Unternehmen geführt werden. Ohne Fußball-Romantik. Von Fachleuten. Nicht von altgedienten Spielern und irgendwelchen Provinzfunktionären. Tradition ist eben kein Asset. Weshalb ich die 50+1 Regel tatsächlich für sehr sinnvoll halte, aber auch keinen Groll gegen erstklassig geführte Unternehmungen wie RB Leipzig hege, welche sogenannte Traditionsvereine genau so alt aussehen lassen, wie sie zuweilen sind.  

Dass Vereine wie Sunderland, oder in Deutschland beispielsweise der FC Kaiserslautern, in der dritten Liga spielen, hat nämlich – leider – gute Gründe. Bezeichnend, dass in Sunderland die Zuschauerzahl pro Spiel per manueller Zählung der papiernen Ticketbelege erfolgt. Digitalisierung? Ja, vielleicht bei ManUnited.

Als weitere Konklusio für mich, und das wird vielen Fans nicht schmecken, aber ich bin auch vollkommen unromantisch: Micky Beisenherz ` Aperçu, daß moderne Spieler “eine Mischung aus Kindersoldaten und Rennpferd sind”, erhält mit dieser Serie geradezu eine dokumentarische Grundlage von trauriger Wucht und Wahrhaftigkeit. Leider. Der oben angesprochene Josh Maja bleibt natürlich nicht bei Sunderland, sondern wechselt in die erste französische Liga, zu Girondins Bordeaux, und nur die dem Fußball inhärente sehr sachliche Logik, somit in eine erste Liga zu wechseln und zweifelsohne mehr zu verdienen, macht diesen Wechsel sinnvoll. 

Die Netflix Doku endet mit Sunderlands erster Saison in der dritten Liga. In seiner zweiten Spielzeit in der dritten Liga, und ich gehe nun über den Zeithorizont der Serie hinweg und greife die Gegenwart auf,  sieht es für den AFC Sunderland und seine Fans weiterhin nicht wirklich hoffnungsvoll aus. 

Die Saison ist wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Stewart Donald wird den Verein nach harter Kritik durch die Fans verkaufen, so wie er dies einst angekündigt hatte. Auch damit bleibt er sich treu. Gut für ihn und seine work-life Balance, schlecht für den Verein. 

Wer jetzt noch wissen möchte, wie Will Griggs in diese Saga des Wahnsinns und des Irrwitz hinein spielt, welche Rolle der Sunderland AFC im Leben seiner treuen Fans bedeutet, welche bezaubernden Dialekte die englische Sprache doch aufweist, der sollte sich “Sunderland til I Die” anschauen und die ewig wahren Worte von Sir Alex Ferguson werden beständig subkutan mitschwingen: Football, bloody hell.

tl;dr

Aus zwei Gründen ist die Netflix-Produktion über zwei denkwürdige Spielzeiten des Sunderland AFC die für mich beste Fußballdokumentation: 

  1. Sie zeigt extrem unromantisch auf, wie Fußball als ein Geschäft funktioniert bzw. nicht funktioniert, wenn ein Verein schlecht gemanagt wird.
  2. Auf einer zweiten Ebene beleuchtet die Produktion die Wechselwirkung zwischen Fans und Verein, und dies ist schrecklich und schrecklich rührend und wundervoll zugleich.

Mehr erfahren: Ich habe hier einige interessante Beiträge verlinkt. Wer sich für die Umsatz- und Geschäftszahlen des Sunderland AFC interessiert: 

dc
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