Virunga: Ein sehr sehenswerter Dokumentarfilm.

Achtung, Klickbefehl: Virunga. Ein Dokumentarfilm.

 

Virunga ist ein außergewöhnlich spannender Dokumentarfilm über ein außergewöhnliches Land, seine Menschen, den Krieg, den Naturschutz und die Schwierigkeit, in Zeiten wie der unseren, die letzten Naturparadiese zu bewahren. Und der Film ist, vollkommen zu Recht, für den Oscar in der Kategorie „Bester Doumentarfilm“ nominiert.

Der Virunga Nationalpark ist ein Naturschutzgebiet im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, und bildet dort mit angrenzenden Habitaten in Uganda und Ruanda ein einmaliges Ökosystem von teils endemischer Flora und Fauna in Savanne und montanem Regenwald an den Hängen von aktiven und mächtigen Vulkanen.

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Insbesondere die letzten Berggorillas dieses Planeten machen den Virunga Nationalpark  zu etwas besonderem. Man schätzt die Zahl der Berggorillas auf nur noch ca. 800 Individuen. Virunga ist bedroht, denn internationale Konzerne vermuten Öl im Gebiet des Parks. Naturschützer und Berggorillas stören beim Geldverdienen nur, es gilt, sie los zu werden…

Der Film Virunga, produziert für Netflix von u.a. Leonardo Di Caprio und der Buffet Foundation, zeigt den selbstlosen, aufopfernden Kampf der Parkranger gegen Rebellengruppen als auch gegen ausbeuterische ausländischen Konzerne. Bereits mehr als 120 Ranger sind im Kampf gegen die Wilderei und im Bürgerkrieg gefallen. Virunga, das ist ein Mehrfrontenkrieg in einem Land, welches seit Jahrzehnten Frieden nur auf dem Papier erlebt.

Im Kongo tobt seit 1996 der weltweit verheerendste Krieg seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, weitgehend unbemerkt und ignoriert von der europäischen Öffentlichkeit. In den bisherigen drei Kongokriegen ging es vorrangig um Machtpolitik und geostrategischen Einfluss in der Region im Zentrum Afrikas. Vordergründig sind die Kongokriege ein Machtkampf um die Staatsgewalt im Kongo sowie ein ethnischer Konflikt zwischen Hutu und Tutsi. Befeuert und genährt wird der Krieg durch die Bodenschätze des Kongo und das Geld, das damit zu verdienen ist. Koltan, Diamanten, seltene Erden, Erdöl, Mineralien, Edelmetalle, der Kongo könnte ein prosperierendes Land sein, mit Wohlstand für alle.

Statt dessen, die afrikanische Krankheit: Eine kleptomanische Führungsschicht beutet skrupellos das Land aus, und wirtschaftet allein in eigene Taschen. Der Westen assistiert und verdient mit, korrumpiert, profitiert, schafft Ertrag und Korruption und eine moralische Wüste, neben der Vernichtung von einzigartigen Naturräumen. Bezeichnend, wie der Mann der Ölgesellschaft fragt, welchen finanziellen Wert eigentlich die Gorillas haben, im Vergleich zum Öl. Mehrere Millionen Tote haben die Kriege im Kongo bis heute gefordert.

Der Dokumentarfilm Virunga versucht erst gar nicht, die verwirrenden Hintergründe des Kongokonflikts zu entschlüsseln, dafür bräuchte es eine zusätzliche Lehrveranstaltung im Anschluss. Virunga bedient sich einer pragmatischen Herangehensweise, und wie bei modernen Dokumentarfilmen üblich, ohne Zeigefinger und Voice Over: Der Zuschauer muss sich sein eigenes Bild machen, dafür muss man recherchieren, nachlesen, verstehen.

Es gibt zwei herausragende Helden in diesem Dokumentarfilm: Zum einen André Bauma, der Ranger, welcher die verwaisten Gorillas aufzieht. Ein beeindruckender Mann, sanft, liebenswert, aber bestimmt, sein Schicksal mit seinen Schützlingen bedingungslos verknüpfend. André Bauma ist Papa Afrika im besten Sinne: warmherzig, bescheiden, zutiefst menschlich.

Und da ist der Chef des Virunga Nationalparks, Emmanuel de Merode, eine Mischung aus John Wayne in  „The Green Berets“ und Kevin Costner in „Die Unbestechlichen“. Unbeugsam, unbestechlich, stellt sich de Merode, ein belgischer Prinz und promovierter Naturschützer, mit seinen Mannen dem Ölkonzern und seinen korrupten Vorgesetzten. Einen Anschlag auf sein Leben hat er 2014 bereits schwer verletzt überstanden. Diese Welt braucht einfach mehr André Baumas, und mehr de Merodes.

Virunga, das Schutzgebiet, in denen Parkranger unter Einsatz ihres Lebens verwaiste Gorillas wie ihre eigenen Kinder aufziehen, ist ein berührendes Element von Menschlichkeit und Werten außerhalb eines profanen Profitstrebens. Virunga ist wie eine Insel, nicht nur für die Gorillas, sondern auch für die Menschen darin, in einem Meer von Gewalt und Korruption.

Mit versteckter Kamera gedrehte Bestechungsversuche an den Rangern, Abendessen mit Vertretern des nach Öl suchenden britischen Soco Konzerns (welcher wohl immer noch im Park aktiv ist aber offiziell das Gegenteil behauptet), einsame Journalisten zwischen allen Fronten, skrupellose Söldner, gefährliche Rebellen, und dazwischen die aufrechten Parkranger mit dem Chef des Virunga Parks, Emmanuel de Merode, sorgen für ein wirklich spannend gefilmtes Dokumentardrama, das keine künstliche Spannung benötigt.

Die spannungserzeugende Verbindung dieser erzählerisch sehr unterschiedlichen Stränge gestaltet der Film auf bemerkenswerte Art und Weise.

Virunga besticht zudem mit sensationellen Landschaftsaufnahmen: Savanne, Seen, Vulkane, Urwald, es ist nicht schwer, diese wunderbare Landschaft kinogerecht zu filmen.

Zudem hat man einen tollen Soundtrack produziert, der die Schauwerte des Films klanglich unterstreicht.

Absoluter Klickbefehl also: Anschauen. Auf Netflix. Und bitte teilen!

Virunga. UK 2014. Regie: Orlando von Einsiedel. Kamera: Franlin Dowe. Nominiert für die Academy Awards 2015 Kategorie Dokumentarfilm.

Für die Unerschrockenen unter uns:

Anreise Virunga NP in der DR Kongo: Über Kigali, Ruanda. Von Kigali bis zur Grenze des Parks sind es ca. 120 KM, ein Taxi ab Kigali kostet um die 100 US Dollars.

Von einer Anreise per Flugzeug nach Goma in der DR Kongo ist abzuraten, es gibt keine sichere Flugverbindung von Kinshasa aus. Die Anreise über Ruanda scheint die momentan sinnvollste Route zu sein.

Flug Europa – Kigali, Ruanda: Mit Brussels Airlines über Brüssel.

Unterkunft im Virunga Park: Es gibt mindestens eine Lodge und ein Tented Camp, von welchem man die Berggorillas besuchen kann und welche in Betrieb sind. Die Parkranger kommen für die Sicherheit der Besucher im Park auf, aber das ist natürlich keine Garantie.

Offizielle Webseite von Virunga NP mit Anreise und Unterkunftsinformation.

Ausführlicher Virunga Artikel im Daily Telegraph (auf englisch).

Virunga Kampagne des WWF.

Spenden: Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt ist ebenfalls engagiert in Virunga.

Unterkunft Virunga NP

DC Loew
Dabei sein

DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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