Weltkulturerbe Goslar: Mittelalterliche Altstadt und Bergwerk

Deutschlands UNESCO Weltkulturerbe: Altstadt und Bergbau in Goslar im Oberharz

Reisen ist für mich nicht eine zeitaussfüllende Tätigkeit, weil mir langweilig ist, oder weil ich angeben möchte oder weil ich mein ggf. ansonsten ereignisarmes Leben mit Bedeutung füllen muss, aus all diesen Gründen reise ich nicht, und schreibe auch nicht diesen Reiseblog, sondern es ist:  eine Lebenseinstellung. Im Alltag, und unterwegs.

Offen für Neues sein, Neugierig bleiben, Dinge ausprobieren, mit Mut zum Reinfall. Neue Wege betreten sprich Ziele zu bereisen, an die man so ohne weiteres nicht denken würde.

Und sich in diesem Rahmen an Ideen zu versuchen, welche abwegig erscheinen: Goslar im Harz im schönen Bundesland Niedersachsen zu bereisen ist ein Teil dieser Geisteshaltung. Oder nach Kassel zum dortigen Welterbe zu fahren. Oder nach Essen im Ruhrgebiet. Es muss nicht immer Machu Picchu sein.

Weltkulturerbe Goslar
Marktplatz zu Goslar

Warum das Weltkulturerbe Goslar, höre ich jetzt Fragen. Weil dieser Marktflecken im Harz ein extrem besuchenswertes UNESCO Weltkulturerbe ist, nämlich die sehr malerische mittelalterliche Altstadt, in Verbindung mit dem seit 1000 Jahren in Betrieb befindlichen Bergwerk am Rammelsberg, sowie ergänzend dazu die Systeme der Wasserversorgung der Minen im Harz, das sogenannte Oberharzer Wasserregal.

Diese Sehenswürdigkeiten ergeben in ihrer Kombination ein mehr als begeisterndes Ensemble, und sind auf Grund ihrer Historie, ihres fabelhaften Erhaltungszustandes sowie ihrer touristischen Qualität absolut zu Recht ein veritables Welterbe.

Und ergeben, schlau geplant, einen wunderbaren Wochenendtrip, nicht nur für Reiseblogger.

Bei mir sah diese Reise wie folgt aus. Lässige Anreise nach Goslar, man kann hier einige Hotels bewohnen, welche in jahrhundertealten Gebäuden in Mitten der Altstadt zu finden sind. Zum Bergwerk Rammelsberg kann man durchaus laufen aus der Altstadt heraus, um dort eine der sehr gut organisierten Führungen mitmachen zu können. Wer Glück hat und die Führung durch den alten Teil des Bergwerks, den Roederstollen,  gewählt hat, wird ggf. mit einer Grubenlampe und dem ehrenwerten Auftrag versehen werden, den letzten Mann (oder die Frau) zu geben und darauf zu achten, dass die Gruppe auch wieder geschlossen aus der Mine herausfindet.

Goslar Welterbe
Unter Tage im Bergwerk Rammeisberg, Goslar

Im Bergwerk Rammeisberg zu Goslar

In der Mine selbst kann man die alten und teilweise mehrere Meter im Durchmesser grossen hölzernen Wasserräder bewundern, welche zur Energieversorgung in den Schächten dienten, und wenn man gesehen und verstanden hat, wie wichtig Wasserräder für den Bergbau bis in das 19. Jahrhundert hinein waren; der versteht auch, wie wichtig auf der einen Seite die Versorgung mit Wasser als auch die Entsorgung der Schächte vom Wasser gewesen ist.

Dieser Wasserkreislauf war substanziell für den Betrieb der Schächte, es wurden Förderanlagen als auch Bohrer mit den Wasserrädern angetrieben, oder Pumpen zur Entwässerung, und natürlich Förderanlagen für den Abtransport des Erzes. Alle diese geschichtlichen und technischen Fakten kann man natürlich in schlauen Büchern nachlesen, aber im Bergwerk herum laufen und erklärt zu bekommen, wie die Zusammenhänge sind, ist ungleich beeindruckender und sehr viel lehrreicher.

Im Bergwerk Rammelsberg befindet sich ein Museumscafé mit gutem Essen und Außenterasse, hier lässt sich trefflich auf den Beginn der nächsten Führung warten.

Weltkulturerbe Goslar
Bevor es in den Schacht geht

Wer in Goslar in der Altstadt logiert, hat nach Abreise der Tagestouristen den Ort doch sehr für sich selbst, kann im wunderbaren Fachwerkensemble spazieren, und zwischen mehreren Restaurants im engen Radius um den Marktplatz für das Abendessen in Erwägung ziehen. Wir wählten das vegane Restaurant in der Rosenstraße – eine gute und angenehme Wahl für Vegetarier und Pastaliebhaber! Die Altstadt von Goslar befindet sich in einem extrem guten und gepflegten Zustand, ebenso die Kaiserpfalz am Rande der Altstadt. Cafés, Einkaufsmöglichkeiten, Geschäfte aller Art machen einen Bummel durch das mittelalterliche Städtchen sehr kurzweilig.

Mittelalterliche Altstadt zu Goslar

Goslar war mehrere Jahrhunderte lang einer der Residenzstädte des deutschen Reisekaisertums, und das Bergwerk, wo u.a. auch Silber gefördert wurde, eine der wenigen direkten Einkommensquellen des Kaisers. Aus diesem Umstand ergibt sich die Wichtigkeit der  Stadt mitsamt des Bergwerks für den Kaiser. Für ca. 200 Jahre, vom 10. bis 12 Jahrhundert, war Goslar einer der wichtigen Orte des Deutschen Reichs.

Wie kann ich mir Goslar im Hochmittelalter, also in der Zeit um 1200, als der deutsche Kaiser hier des öfteren verweilte, überhaupt vorstellen?

Die historische Bedeutung des Ortes Goslar liegt in seinem Bergwerk begründet, welches seit ca. 1000 Jahren in Betrieb ist, und einen wichtiger Teil des Welterbeensembles darstellt. Das Bergwerk ist auch der eigentliche Grund, weshalb der Kaiser in Goslar weilte, denn dieses Bergwerk mit seinen Silbervorkommen war eine der wenigen direkten Einkommensquellen für den Herrscher.

Ein Steuerwesen im modernen Sinne gab es nicht, und Steuern und Abgaben wurden, wenn überhaupt, an die Lehensherren, also die Landesfürsten, entrichtet. Nicht aber an den Kaiser.

Der Kaiser hatte nur wenige direkte Optionen, um an bare Zahlungsmittel heran zu kommen. er benötigte aber Geldmittel, um z.B. Kriege zu fühen, oder die Lehensherren bei Laune zu halten. Solidarität war eben damals schon käuflich, und Geld schon immer ein Mittel der Politik.

Welterbe Goslar

Interessant ist, dass dass Heilige Römische Reich deutscher Nation zwar einen Kaiser hatte, welche über die Landesfürsten gestellt war, aber es besaß keine Hauptstadt oder eine vorherrschende Metropole.

Der Kaiser und sein Hofstaat tingelten das ganze Jahr über durch die Lande, und blieben in sogenannten „Pfalzen“, befestigten Plätzen. Von dort wurde dann regiert. In Goslar ist einer der wenigen Kaiserpfalzen an historischer Stelle erhalten geblieben. Bezeichnenderweise ist die Pfalz näher am Bergwerk als an der eigentlichen Stadt gelegen.

Denn der Kaiser war, wie oben beschrieben, nicht wegen der lieblichen Hügel des Harzes in Goslar, sondern wegen der Schätze in seinen Minen.

Goslar im 12. Jahrhundert

Mit dem Kaiser zog der Hofstaat, Abgesandte, Kirchenfürsten etc., dort wo der Kaiser weilte, war der Mittelpunkt des Reiches, die Machtzentrale.

Lehensfürsten kamen zu Besuch, um die Interessen ihrer Ländereien zu vertreten. Wer etwas vom Kaiser wollte, musste ihm hinterherreisen, um dann vor Ort auf eine Audienz zu warten, ohne Garantie, dass man den Herrscher antreffen oder vorgelassen würde.

Welterbe Goslar
Die Kaiserpfalz zu Goslar

Wie muss man sich Goslar sonst noch vorstellen im 12 Jahrhundert?

In Deutschland gab es kaum größere Städte so wie im restlichen Europa. Köln war die größte deutsche Stadt mit ca. 20.000 Einwohnern. Zum Vergleich: Konstantinopel und Cordoba hatten bereits über 100.000 Einwohner.

In Rom, Paris, Florenz, wohnten um die 50.000 – bis 100.000 Menschen.

Goslar im 12. Jahrhundert hatte ungefähr die heutige Größe der Altstadt, also schätzungsweise ein paar Tausend Einwohner.

Die Versorgung des Hofes in dazu recht kleinen Stadt wie Goslar muss ziemlich aufwendig gewesen sein – Lebensmittel mussten produziert und angeliefert werden, Holz, Wild, lieferten die umliegenden Wälder.

Die Wälder waren aber im Bereich des Bergwerkes wohl kaum noch vorhanden– die damaligen Minen verbrauchten eine Unmenge an Holz für Stützwerk, Wasserräder, Abflussrinnen und für Feuer.

Sogar ein kleiner Ort wie Goslar muss vor allen Dingen eines gewesen sein – kein Luftkurort. Es gab keine Kanalisation oder Klärgruben.

Die meisten Häuser hatten Abfallgruben direkt im Hof oder auf der Rückseite des Hauses, dort wurde dann alles entsorgt.

Der Rest wurde verbrannt – dauern brannte also irgendwo immer etwas, Rauch und Gestank waren im 12. Jahrhundert die Zeichen von Urbanisation.

Heutzutage vergessene Handwerkerkünste wie Färben (von Stoffen) oder die Lederherstellung haben gestunken bis zum Himmel – weshalb die Produktionsstätten von Färbern und Gerbern sogar im Mittelalter, wegen des Geruchs, an den Rand des Ortes verbannt wurden.

Besuch der Oberharzer Wasserwirtschaft

In Goslar also lässt sich, zu Fuß und offenene Auges, ganz wunderbar über das Hochmittelater nachdenken.

Die pittoreske Altstadt ist eine wunderbare Inspiration und regt die Fantasie an.

Die zum Welterbe dazugehörende Oberharzer Wasserwirtschaft ist ähnlich wunderbar, allerdings schwerer greifbar als Monument, denn:

Der Besuch des Oberharzer Wasserwirtschaft, seit 2014 Bestandteil des UNESCO Welterbes, ist da schon etwas komplizierter.

Das ganze Ensemble der Oberharzer Wasserwirtschaft ist über 200 km² verteilt, und besteht auch heute noch aus mehr als 100 Teichen und Reservoirs sowie unzähligen Zuflüssen, Abflüssen, Zisternen und Kanälen.

Diese dezentrale Lage des Welterbes macht einen Besuch an einem Ort recht schwierig, eine gute Option, bietet allerdings der Außenbereich des Bergwerksmuseums in Claustahl-Zellerfeld.

Welterbe Goslar
Das Prinzip der Wasserwirtschaft im Oberharz: Miteinander verbundene künstliche Teiche bevorraten Wasser für die Mine. Der linke Teich liegt höher als der rechte!

Von Goslar ist Zellerfeld ca. 20 km entfernt und über die gut ausgeschilderte Bundesstraße in weniger als einer halben Stunde zu erreichen.

Der Außenbereich des Bergwerksmuseums hat, um den Weg zu finden und um Erklärungen für die Relikte entlang des Weges sprich Teile der Oberharzer Wasserwirtschaft zu entdecken, für Kinder eine sehr lehrreiche Software sowie einen kleinen tragbaren Computer entwickelt („EMIL“).

Mit dieser Gerätschaft ausgerüstet lässt sich die ca. sieben Kilometer lange Außenrunde rund um eine stillgelegte Mine ganz wunderbar erkunden. Das Tolle: An einer Stelle zeigt der Computer eine Fotografie, von der gleichen Stelle fotografiert, an der man jetzt steht, von Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Veränderung der Landschaft ist phänomenal: Auf dem Foto sieht man eine Mondlandschaft, keine Bäume, alle ist abgeholzt, denn der Bergbau war intensiv in seinem Holzverbrauch: Wasserräder, Stützbalken, Brennmaterial verbrauchten Unmengen an Holz für die Gewinnung des Erzes.

Mit Schließung der meisten Minen in den 1920er Jahren wurde der Wald wieder aufgeforstet. Allerdings nicht als Mischwald, so wie er war, sondern als schnell wachsender Nadelwald.

Die Schächte wurden zugeschüttet, und sind jetzt Trichter im Waldboden. Nur die Teiche und Reservoirs der Wasserwirtschaft haben die Zeiten überdauert und legen kraft ihrer Existenz Zeugnis ab, wie weit der Mensch, weit vor der eigentlichen Industrialisierung, Bereits seine Umwellt geformt, verformt und verändert hat. Die Kulturlandschaft des Oberharz, die alte Kaiserstadt Goslar, sind ohne die Minenwirtschaft des Harz nicht denkbar.

Anreise Goslar, Übernachten Goslar, Eintrittspreise, Zusammenfassung tl:dr

Also, hier noch mal zusammenfassend für alle spontanen Traveller, Flashpacker, Reiseluxusgeschöpfe und Kulturliebhaber:

In Goslar kann man drei Teile eines großartigen Welterbes erkunden: Altstadt, Bergwerk, Wasserwirtschaft.

Altstadt und Bergwerk Rammelsberg sind in Laufweite zueinander, in der Altstadt gibt es einige Hotels und Restaurants.

Goslar Tourismus ist über diesen Link offiziell.

Eintritt Bergwerk Rammelsberg mit Führung durch den Roederstollen: 13 Euro pro Erwachsener

Anreise Goslar mit dem Auto: Ab Frankfurt am Main ca. 2,5 Stunden, Ab Hamburg, Berlin: ca, 2,5 Stunden.

Anreise mit der Bahn: Über Hannover, Braunschweig

Nächstgelegener Flughafen: Hannover

Mein Tipp um das System der Wasserzufuhr für die Minen bzw. den Bergbau im Oberharz zu verstehen: Besuch des Außengeländes des Bergbaumuseums in Zellerfeld. Das ist ca. 20 km von Goslar entfernt.

Eintritt für die Außentour ist kostenlos, die Miete des Kleincomputers beträgt 6 Euro.

Oberharzer Wasserwirtschaft im Welterbe Goslar
Wasserreservoir im Oberharz. Das Häuschen regelte das Wasserniveau, Zufluss und Abfluss in die Mine.
DC Loew
Dabei sein

DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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