Whale Wars – Gedanken zur Doku TV – Serie

Whale Wars – Unterwegs mit Sea Shepherd im südlichen Ozean

 

Wale also. Um sie geht es im Wesentlichen in der über fünf Staffeln produzierten Doku-Reihe „Whale Wars“ von Animal Planet. Genauer gesagt geht es in dieser aussergewöhnlichen TV – Serie um die Jagd nach den Walen bzw. dem Versuch der Naturschutzorganisation Sea Shepherd Conservation Society, diese Jagd zu verhindern.

Eingeleitet mit den martialischen Worten „These are their battles, this is their war„, spinnt Whale Wars eine epische Saga um die Wale im antarktischen Ozean, ihre Jäger und ihre Beschützer.

Whale wars

Die Jagd auf Wale – Hintergrund

 

Der historisch-naturschützerische Hintergrund, vor dem sich die Konflikte zwischen Sea Shepdherd und der japanischen Walfangflotte abspielen, ist komplex. In aller Kürze lässt er sich wie folgt subsumieren, am Ende des Textes findet ihr dann auch noch eine kommentierte umfangreiche Linksammlung, welche das Thema erklärt und dokumentiert.

Die meisten Nationen haben den Walfang beendet – es gibt im Prinzip keine wirtschaftlich vertretbaren Gründe mehr, ihn aufrecht zu halten.

Neben den fehlenden moralischen, um nicht zu sagen zivilisatorischen Gründen, natürlich.

Einzig Japan (Island und Norwegen beharren leider auch immer noch auf der Waljagd) möchte der kommerziellen Waljagd nicht abschwören. Die Gründe dafür sind vielschichtig – es geht um eine angebliche Tradition, es geht darum, nicht das Gesicht zu verlieren, es geht darum, Recht zu behalten und dies auch zu beweisen. Machtspiele.

Und deshalb schickt die Nation jeden Dezember/Januar eine Walfangflotte, bestehend aus einem Fabrikschiff sowie mehreren Harpunenschiffen in das südliche Meeresschutzgebiet („Southern Ocean Sanctuary“) in der Antarktis, um angeblich aus Forschungszwecken Wale zu töten.

Machen wir uns nichts vor, diese Forschungszwecke sind ein alberner Vorwand, um im Rahmen der von der internationalen Walfangkommission (IWC) zugestandenen Quote Wale zu wildern. Island und Norwegen setzen sich übrigens über das von der IWC verfügte Moratorium des Aussetzens der Waljagd ganz bewusst hinweg.

Die Sea Shepherd Conservation Society hat sich seit ihrer Gründung 1977 zur Aufgabe gemacht, die Meere zu schützen: If the Oceans die, wie die.

Der Gründer von Sea Shepherd ist Paul Watson, der als eines der frühen Mitglieder von Greenpeace diese Organisation verliess, weil ihm der Protest dort als zu wenig effizient erschien. Greenpeace dementiert dies seit jeher, und ob Paul Watson tatsächlich die Mitgliedsnummer 007 hatte, scheint mir auch mehr eine coole Legende als Tatsache zu sein. Aber die Story mit der Mitgliedsnummer ist bezeichnend, und sagt viel über Paul Watson aus.

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Captain Paul Watson

Sea Shepherd schrieb sich von Begin an die sehr konsequente Auslegung der Protestmethoden der „direkten Aktion“ auf die schwarze Fahne, um so gezielter und sehr viel konkreter gegen maritime Wilderer vorgehen zu können.

Man besetzte keine Eisschollen mehr, man rammte und versenkte in direkter Konfrontation deren Schiffe. Das geht sogar noch deutlich über die eigentlichen Methoden der direkten Aktion (Blockaden, Boykotte, Besetzungen) hinaus, und hat Sea Shepherd in einigen Ländern den Ruf von „Ökoterroristen“ eingetragen, insbesondere in Japan. Denn, und hier setzt nun Whale Wars ein, hat die Organisation vorrangig versucht, die aus ihrer Sicht Wilderei von Walen in einem Meeresschutzgebiet zu verhindern.

Paul Watson: Captain Ahab meets Don Corleone

 

In Staffel 1 von Whale Wars verfügt die Meeresschutzorganisation über ein Schiff (die Steve Irwin), eine Besatzung mit viel Motivation, aber wenig Kompetenz, und Captain Watson.

Die Rolle und die Art, wie Watson sich gibt bzw. in allen Staffeln der Serie inszeniert wird, ist höchst interessant.

Wenn man sieht, wie er auf der Brücke seines Schiffes agiert, in kritischen Situationen das Steuerrad übernimmt, ruhig und bestimmt Kommandos erteilt, sich mit seinem Team beratschlägt aber letztlich alle Entscheidungen fällt, seine Offiziere in seiner Kajüte rapportieren lässt; wie er auch im Angesicht grösstmöglicher Inkompetenz und höchstmöglichem Chaos keine Miene verzieht, nie laut wird (jedenfalls vor der Kamera), und nie seine kaltblütige Entschlossenheit auch im Angesicht von Gefahr und Kollision verliert, dann kommen mir zwei Figuren der Kulturgeschichte in den Sinn, die mich an Paul Watson erinnern.

Es sind dies Captain Ahab aus Moby Dick und Marlon Brando in der Rolle des Don Vito Corleone in Coppolas „The Godfather“.

Captain Ahab im Herman Melvilles bewundernswertem Roman ist besessen von seiner Idee, den weissen Wal zu finden, so wie Watson es ist, den Walfang zu beenden. Das ist für mich kein Widerspruch, den Walfänger mit dem Walschützer zu vergleichen, es ist die eiserne Entschlossenheit, die quasireligiöse Inbrunst ihres Tuns, die Ahab mit Watson verbindet.

Und so wie Watson auf der Brücke in seinem Kapitänsstuhl sitzt, wie er leise Kommandos gibt, Vorschläge macht, welche ebenfalls nichts als Befehle sind, wie er seine Offiziere in seiner Kajüte empfängt, wie er sich nicht unter die Crew mischt, sondern einsam und für sich in seiner Kajüte seine Plänen ausheckt, wie sein Wort Gesetz ist, so erinnert er mich auf grossartige Weise an Marlon Brando in „Der Pate“.

Und ich glaube, Paul Watson weiss um seine Wirkung, und um seine Art des Agierens. Ein berühmtes Zitat über Watson bringt es ein wenig anders auf den Punkt:

“Captain Paul Watson is the world’s most aggressive, most determined, most active and most effective defender of wildlife.“ (Farley Mowat)

Ja, stimmt, und ich bin froh, dass es Paul Watson gibt, und ich denke, er ist einer der Helden unserer Zeit, aber nichtsdestotrotz eine ambivalente Figur.

Was ihm sicherlich bewusst, aber auch vollkommen egal ist, denn wie sagt er so schön: Our clients are the whales! Was heisst: Es ist mir egal, was ihr über mich schreibt, denn ich vertrete die Interessen der Wale.

Unbenommen, Paul Watson ist ein PR- und Marketing – Genie, und das sind in allen Staffeln der Serie die für mich faszinierendsten Momente: Wenn Watson die PR Maschine anwirft, die internationalen Medien in seinem Sinne instrumentiert, Interviews per Telefon, Skype, und allen denkbaren Kanälen in druckreifen Sätzen spricht, seine Message in die Schlagzeilen und Nachrichtensendungen diktiert, das ist tatsächlich grossartig, und sollte in jedem Hauptseminar an Journalistenschulen gezeigt werden.

Ähnlich grossartig ist in allen Staffeln die Motivation und Inspiration der Besatzung der Schiffe von Sea Shepherd, diesen unseren Planeten zu einem besseren Ort zu machen. Das ist für die Zuschauer anrührend, motivierend, mitreissend, emotional, sehr spannend, und auch wahnsinnig cool inszeniert.

Los die Schnellboote, und gegen die Harpunenschiffe! Buttersäure werfen, Farbe verschiessen, Fangleinen auslegen um die Schiffsschrauben zu blockieren. Und letztlich, mit allen zur Verfügung stehenden, aber Menschen nicht gefährdenden Mitteln, das japanische Fabrikschiff zu suchen und zu finden und zu blockieren, und so die Kampagne der Walfänger zu stoppen.

Whale Wars ist rasant inszeniert, mitreissend von Anfang bis Ende, spannend, voller Action, mit grossem Schauwert, und sehr sehr professionell produziert.

Auf Wikipedia gibt es einen sehr guten weil detaiilierten Überblick über die Serie Whale Wars, deren einzelne Staffeln und deren Folgen.

Whale Wars

Übersicht und Anmerkungen über die Fünf Staffeln von Whale Wars

 

Staffel eins besticht durch das teilweise doch sehr haarsträubend amateurhafte Vorgehen der Crew, die fehlendes Know-How aber mit Lernbereitschaft und Enthusiasmus wettmacht. Zudem ist ein sehr interessanter Konflikt innerhalb der Besatzung, ausgelöst durch den ersten Offizier Peter Brown, zu beobachten. Dieser wird erst in Staffel zwei, mit der Demission von Brown, gelöst.

In Staffel zwei sieht man mehrfach einen grauhaarigen Herren im Bild, der aber nicht vorgestellt oder interviewt wird. Das ist Douglas Thompkins, Gründer von The North Face und Esprit, und einer der grossartigen Naturschützer unserer Zeit. Er bezahlte den Treibstoff der Steve Irwin und war einer der wichtigsten Unterstützer von Sea Shepherd. Leider verunglückte Doug Thompkins Ende 2015 tödlich. Die Crew der Steve Irwin agiert bereits wesentlich professioneller, auf der Brücke als auch auf Deck.

In Staffel drei verfügt Sea Shepherd über drei Schiffe: Die Steve Irwin, die Bob Barker (ein Geschenk vom gleichnamigen TV Moderator von The Price Is Right) und die Ady Gil. Zusammen mit der Ady Gil wird die sehr interessante Person von Pete Bethune eingeführt, einem Neuseeländer, welcher mit der Ady Gil die schnellste Erdumrundung auf See durchgeführt hatte. Die Ady Gil wird später von einem japanischen Begleitboot gerammt und irreparabel beschädigt. Später in der Staffel entert Pete Bethune eines der Schiffe der Walfangflotte, und wird von diesem erst in Tokyo der Polizei übergeben. Bethune landet in einem Hochsicherheitsgefängnis, wird vor Gericht gestellt und verurteilt, aber nach drei Monaten nach Neuseeland ausgewiesen. Später hat er Sea Shepherd verklagt, es ging um Schadenersatzzahlungen für die Ady Gil, aber man legte die Klage aussergerichtlich bei.

In den Staffeln vier und fünf hat die japanische Walfangflotte aus den vorangegangenen Jahren gelernt und technisch und taktisch massiv aufgerüstet, aber letztlich ist ihr Schwachpunkt das Fabrikschiff, die Nishin Maru. Denn wer das Fabrikschiff blockiert, indem man hinter es fährt und so die Übergabe der gewilderten Wale zur Verarbeitung verhindert, der beendet die gesamte Kampagne. Was Sea Shepherd denn auch, in einer langen Verfolgungsjagd des Fabrikschiffes fast um die gesamte Antarktis herum, gelingt.

In Staffel fünf finden sie erst ganz zum Schluss der Kampagne, die Nishin Maru, geprägt sind die wenigen Folgen dieser Staffel von technischen Problemen der Schiffe der Meeresschutzorganisation, und dem sehr strategischen und aggressiven Agieren der japanischen Walfänger.

Was bleibt im Kopf, nachdem man Whale Wars gesehen hat?

 

Dass die Antarktis wunderschön, und sehr verletzlich und schützenswert ist. Dass die Jagd auf Wale wirtschaftlich sinnlos, unzivilisiert und dumm ist. Dass keine noch so angebliche Tradition diese Wilderei begründet oder entschuldigt. Dass die meisten Staaten, welche das südliche Meeresschutzgebiet ausgerufen haben, nichts zu seinem Schutz tun und nicht politisch auf Japan einwirken, den Walfang einzustellen.

Dass es Menschen gibt wie Paul Watson und seine Crew, die nicht reden, sondern handeln, und die tatsächlich Änderungen für die Menschen, die Tiere und unseren Planeten herbeiführen. Im Tun, im Denken, im Fühlen.

Linksammlung Whale Wars und Walfang:

Weitere sehenswerte Filme sind:

Whale Wars ist über amazon UK in einer preiswerten Box mit allen fünf Staffeln erhältlich. Im deutschen Fernsehen lief die Serie auf DMAX.

Die offzielle Homepage der Serie Whale Wars bei Animal Planet und auf Facebook

DC Loew
Dabei sein

DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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