Wien, Wien nur du allein: Eindrücke einer eigenwilligen Stadt

Als Reiseblogger im schönen Wien

 

Mit Städten ist es wie mit Menschen: Erste Eindrücke prägen mehr als folgende Erlebnisse, und unsere vorgefertigte Erwartungshaltung, sprich Voreingenommenheit ist nur schwer zu revidieren. Mit Wien und mir aber gab es keinerlei Schwierigkeiten.

Wien: Wiener Hofburg planetenreiter.de
Wien: Wiener Hofburg planetenreiter.de

Meine Erwartungshaltung der Stadt war durch Filme, Musik und Bücher, also eher theoretische Kenntnisse geprägt: Hans Moser Filme und ja, auch Peter Alexander Filme. Ethan Hawke und Julie Delpy. Der dritte Mann in den Ruinen und Kloaken der immer nachtschwarzen Stadt. Dazu passend: Zithermusik. John Irvings unsterbliches literarisches Denkmal eines fabulös-verrückten Wiens in „The Hotel New Hampshire“. Falcos Musik und Dialekt – von ihm habe ich auch die Überschrift entliehen.

Bekannte Wiener wie Fritz Lang und zugezogene Musikanten wie Mozart und Beethoven stehen für mich ebenfalls für die sehr einzigartige Historie der Stadt, so wie die Walzerklänge der Familie Strauss der mentale Soundtrack jeder Wien-Reise sind. An der schönen blauen Donau summt immer mit im Hinterkopf. Bekannte Österreicher wie Arnold Schwarzenegger kommen nicht mal aus der Nähe von Wien, andere bekannte Wiener wie Mozart waren weder Wiener noch je Österreicher. Ein weiterer bekannter Österreicher wurde Deutscher kurz bevor er Reichskanzler wurde, von Deutschland. Später wurde er dann auch Chef von Österreich – aber ich schweife ab.

Für Traveller ist die Hauptstadt von Österreich eine perfekte urbane Destination und in erster Linie Ausgangsort für Exkursionen und Reisen in angrenzende ehemalige Gebiete und Städte des vergangenen KuK Reiches der Habsburger – Ungarn, Slowakei, Slowenien, Tchechien, Ukraine, Rumänien. Prag, Budapest, Bratislava sind nur einige Stunden entfernt. Die Stadt hat sich die Grandezza der alten Zeiten bewahrt, und nährt ihren modernen Glanz aus den Bauten einer lange vergangenen Epoche. Aber Wien wäre nicht Wien, wenn es dieser Zeit nicht auch ein wenig ironisch verbrämt, hinterhertrauern würde.

Der erste Eindruck der Stadt: Viele Gründerzeitbauten haben die Zerstörungen des Kriegens überstanden bzw. wurden wieder aufgebaut. Eine typische Nachkriegsarchitektur mit ihren hastig errichteten Zweckbauten sowie die unverzeihlichen Bausünden der 1970er Jahre, welche man in vielen Westdeutschen Städten mit Erschrecken ansichtig ist, findet man in Wien, im historischen Zentrum zumindest, nicht. Mich erinnert Wien in grossen Teilen an die östlichen Bezirke von Berlin – Mitte, Prenzlauer Berg, und somit fühlte ich mich sofort heimisch.

Wie üblich entdeckte ich die Stadt zu Fuss. Und mit der Strassenbahn. Die Strassenbahn ist ein irgendwie aus der Zeit gefallenes Verkehrsmittel, und wurde in vielen bundesdeutschen Städten in den 1960 Jahren abgebaut und durch Busse ersetzt, so auch in Westberlin. Man gab der guten alten Tram keine Zukunft. Wie schön, dass heutzutage das emissionsarme Fahren mit Strom wieder sehr en vogue ist und die Strassenbahn in nahezu allen Metropolen der Welt wieder eingeführt wird, in Paris als auch in Madrid, und sogar im ehemaligen Westberlin.

In Wien dagegen fahren noch Strassenbahnen, die scheinen älter zu sein als die Habsburger, aber das passt zu dieser Stadt.

Wien: In der Wiener Strassenbahn - planetenreiter.de
Wien: In der Wiener Strassenbahn – planetenreiter.de

Ich finde es immer spannend, herauszufinden, wie das Strassenbahnnetz funktioniert, welche Linie mich von wo nach wo bringen kann, und wie man an einen Fahrschein herankommt. In Berlin oder Leipzig z.B. löst man sein Billet innerhalb der Tram – es gibt kaum Fahrkartenautomaten an den Haltestellen, so wie in Frankfurt am Main.

In Wien stehen die Fahrkartenautomaten an den Haltestellen.  Es verkehrt übrigens eine touristische Strassenbahn über den Wiener Ring, vorbei an den grossen Sehenswürdigkeiten wie der Oper und der Hofburg – sehr zu empfehlen für lauffaule Stadtentdecker. Eine normale Tramlinie des städtischen Nahverkehrs führt durch den besuchenswerten Stadtteil Spittelberg – bekannt als der Prenzlberg von Wien. Kleine Geschäfte, szenige Cafés und Kneipen etwas fernab der Touristenströme vermitteln ein sehr authentisches und angenehmes Bild der Stadt. Für ein Wochenende oder den perfekten Kurztrip reicht die Zeit kaum für die Sehenswürdigkeiten der Stadt – man muss sich beschränken oder länger bleiben oder wiederkommen.

Wien ist ein touristischer Profi – die Fassaden, errichtet für die Besucher aus aller Welt, wollen hinterfragt und umgangen werden – deshalb laufe ich so gerne durch fremde Städte, und verlasse immer die Routen des Massentourismus.

Das was Berlin erst die letzten Jahre lernt und erfährt, nämlich als touristisches Ziel unabhängig von seiner Historie und seinen Sehenswürdigkeiten wahrgenommen zu werden, kennt Wien schon seit längerer Zeit. Die Stadt war das Zentrum des einstigen habsburgischen Kaiserreichs und von dort administrierte man alle angegliederten Regionen und so weit entfernte Ländereien wie die Bukovina oder das südliche Polen.  Die Völker dieser Gebiete besuchten Wien nicht als Touristen, aber eine geschäftige und irgendwie blenderische Fassade gegenüber den fremden Untertanen errichtete die Stadt wohl schon damals.

Sich das Wiener Klischee vom Granteln, Zithermusik, Sachertorte, Kaffeehauskultur und Wein im Haferlstüberl zu erhalten, ist wichtig für das touristische Marketing. Ich bin mir nicht sicher, ob es ein authentisches Selbstbild ist, und ob es das jemals war. Bei Hans Moser wirkte es immer toll! Und erst bei Peter Alexander!

Denn bzw. aber: Wien ist eine moderne Grossstadt, die zweitgrösste deutschsprachige Stadt dieses Planeten mit fast zwei Millionen Einwohnern, einer sehr internationalen Community von UNESCO und EU Institutionen sowie vielen Internet Start-Ups. Mit dieser Internationalität lebt Wien ganz selbstverständlich, wie in den alten Tage des KuK Reichs, als Österreich sogar ein Marine hatte.

Eine Kriegsflotte hat Österreich schon lange nicht mehr, aber an den alten Klischees wird gerne festgehalten: Aus Geschäftssinn, aus Sentimentalität, aus Stolz, aber auch immer mit einer gewissen Ironie verbunden.

Die Grenzen zwischen den Geisteshaltungen sind fliessend. Wien erfindet sich immer neu, seit vor fünfhundert Jahren die Türken zu m ersten Mal vor der Stadt standen und man das Beste daraus machte und die Kaffeekultur von den Eindringlingen übernahm. Wien improvisiert, und vereinnahmt das fremde Neue. Wo Berlin preussisch korrekt und irgendwie berechnend ist, ist Wien bezeichnenderweise dem Kabarett und der Oper zugetan. Kabarett ist die Oper für das Volk, und das Wiener Kabarett, für mich u.a. unsterblich verkörpert von Lukas Resetarits als Kommissar Kottan, bleibt ironisch und unberechenbar, so wie die Wiener und ihre Stadt.

Ach ja, fast vergass ich: Standesgemäss historisierend verliess ich diese sehr besondere Stadt, nämlich mit dem Zug, und wie in einem Joseph Roth Roman gondelte ich ostwärts, nach Budapest nämlich. Ich hätte zum West – Bahnhof auch die U-Bahn nehmen können, aber wie immer zog ich den Fussmarsch vor.

  • Restaurant Tipp Wien: Witwe Bolte in Spittelberg, mit grosser vegetarischer Karte
  • Vom Wiener Flughafen Schwechat fährt der City Airport Train in nur 16 Minuten in die Stadtmitte, einfache Fahrt 11 Euro pro Person, Hin- und zurück 17 Euro. Fahrkarten kann man online kaufen.
  • Ein Taxi vom Flughafen Wien in die Stadt kostet zwischen 40 und 50 Euro
  • Fahrkarten für die Bahn nach Budapest, Prag, Bratislava und andere Orte erhält man bei der ÖBB im Westbahnhof
DC Loew
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DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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