Digitale Sicherheitsvorkehrungen auf Reisen, Langzeitreise, Weltreise

In der heutigen Zeit von Smartphone, freiem WLAN und Onlinebanking muss man auch als Reisender einige digitale Sicherheitsvorkehrungen treffen und ständig beibehalten. Dies gilt insbesondere für die Zeit nach Corona, wenn Reisen wieder möglich sein wird. Ich habe im folgenden Beitrag die für mich wichtigsten Praxistipps zusammengefasst, welche ich auf meinen Reisen selbst anwende und als „best practise“ bezeichnen würde.

Diese Reisetipps für deine digitale Sicherheit sind unabhängig von den Endgeräten, welche du mit dir führst, also Notebook, ein Tablet oder ein Smartphone. Sie gelten weltweit, also für Weltreisen, sind aber gerade für Gegenden wie Südamerika oder Afrika gut zu gebrauchen, wie ich aus eigener Erfahrung weiss!

Freies WLAN bzw. Wifi in Unterkunft oder Internet-Cafés

Gerade auf Langzeitreisen ist es oft notwendig, seine Konten zu checken und Onlinebanking zu machen, deshalb rate ich in den folgenden Reisetipps, wie man auch unterwegs sicher das Internet nutzt. Und dies ist für mich der wichtigste Punkt beim Thema digitale Sicherheit. Ja, es ist angenehm und gehört zum Standard, dass Unterkünfte, seien es Hotels oder Hostels, kostenloses WLAN anbieten. Dies ist sogar in entlegenen Gebieten Südamerikas oder Afrikas mittlerweile Standard.

Aber im Prinzip ist dies ein mehr oder weniger offenes WLAN, und man weiß nichts über die angewandten Sicherheitsstandards. In jedem WLAN kann im Prinzip jeder, der Zugriff auf das WLAN oder den Router hat, Daten mitlesen bzw. abgreifen. Das sind sogenannte „man in the middle attacks“ bzw. „on-path-attacks“.

Diese kann man nur dadurch verhindern, zumindest Bankgeschäfte und die Preisgabe von Zugangsdaten zu deinen Accounts in diesen Netzen zu unterlassen. Unterwegs ist das ggf. leichter gesagt als getan, aber es gibt zwei technische Workarounds, um das Problem zu lösen:

  • Nutze ein VPN. Dies ist eine gesicherte Zugangsleitung (VPN = virtuelles privates Netzwerk) zwischen deinem Rechner und dem Internet, unabhängig vom benutzten WLAN. Man kann diese Software bzw. den Service auch temporär nutzen, kaufen, leihen. Mehrere Anbieter kommen dafür in Frage, einige werden auch von Reisebloggern beworben. Ist eher was für Nutzer von Notebooks. Gibt es für MacOS und Windows.
  • Reise mit deinem eigeneren mobilen WLAN: Das ist die Variante, welche ich nutze. Man kauft ein etwa handygrosses Basisgerät, und dieses kann man pro Land mit einem örtlichen Datenvolumen aufladen. Über das dann erzeugte mobile WLAN kann man sich per Passwort und nur mit den eigenen Geräten einwählen. Sehr einfach in der Anwendung, klappt sehr gut. Gibt es zum Beispiel von GlocalMe, und ist insbesondere für die Reisenden relevant, welche im Laufe der Reise in mehrere Länder kommen, zum Beispiel auf einer Weltreise. Das Basisgerät kostet in der G3 Version um die 159 Euro, dazu kommen die Datenvolumen. Diese kauft man per Handyapp, und diese Datenvolumen sind an das Basisgerät gekoppelt. Über das Handy sieht man dann auch den Verbrauch. Funktioniert auch im Wohnwagen, Camper oder im Hostel.
  • Gerade bei der Nutzung von eigenen Geräten unterwegs auf Reisen gilt: Die Festplatte sollte digital verschlüsselt sein, das Notebook oder Handy passwortgeschützt.
  • Ebenso empfehle ich die grundsätzliche Nutzung einer Firewall. Diese ist im MacOS bereits integriert, gibt es aber auch für Windows-Nutzer.
  • Und natürlich eines Anti-Viren-Programms. Gilt auch für Mac-Nutzer.
Spezielle Tipps zur Sicherheit auf Reisen in Peru

Digitale Sicherheit in Internet-Cafés

Wer keinen Rechner mit sich führt aber auch nicht alles am Smartphone erledigen möchte, für den verbleiben unterwegs ganz klassisch die guten alten Internet-Cafés. Ich habe am Ende der Welt am Amazonas auch schon Flüge für die Weiterreise im Internet-Café gebucht, manchmal geht das halt nicht anders. Hier muss man allerdings tatsächlich sehr vorsichtig sein:

  • Der benutzte Browser sollte keinen Verlauf speichern und du musst darauf achten, dass deine Passworte nicht darin gespeichert werden.
  • Am besten löschst du nach deiner Session alle Daten im Browser, Cookies und Verlauf!
  • Ganz banal werden ja die meisten Accounts nicht fancy gehackt, sondern Leute schauen dir über die Schulter und kommen so an dein Passwort heran. Achte also darauf, dass keine Kameras am Rechner mitlaufen oder dir jemand bei der Eingabe das Passwort ausspäen kann.
  • Wenn möglich, lade einen neuen Browser herunter und nutze diesen. Für Bankgeschäfte z.B.  empfehle ich Brave oder Cliqz. Nach der Session am besten wieder vollständig löschen.
  • Und vergiss nicht, wenn du dich in deine Profile oder Konten eingeloggt hast, dich dort wieder auszuloggen. Der nächste Besucher des Internet-Cafés könnte sonst relativ leicht auf dein Konto zugreifen, sei es Social Media oder so etwas wie booking.com, das wäre sicherlich nicht angenehm.

Reiseblogger-Empfehlung: Risiko minimieren, Datenkopien einrichten

Um einem eventuellen Gerätediebstahl oder einem Datenklau vorzubeugen, kann man die folgenden einfach zu realisierenden Maßnahmen umsetzen. Diese gelten für alle Geräte unterwegs, auch für Smartphones.

  • Am Smartphone ist Bluetooth als auch WLAN permanent und per default ausgeschaltet, wenn du es nicht benötigst.
  • Browser nur nutzen, auch unterwegs an fremden Geräten, z.B. in Internet – Cafés, wenn sie aktuell sind, und sie keine Historie bzw. den verlauf als auch deine Passwörter speichern. Notfalls musst du deinen Verlauf sowie eventuell geladene Cookies löschen. Für die URLs gilt: Nur https im Browser nutzen.
  • Für Handys kann man eine Ortungsfunktion aktivieren, bei iPhones als auch bei Android-Telefonen. Wenn man in Kauf nimmt, dass man dann vom Anbieter des Telefons permanent getrackt wird, ist das ggf. eine Option für mehr Sicherheit. Ob diese im Alltag, hilft wenn man in einer fremden Großstadt das Handy geklaut bekommt, steht dann auf einem anderen Papier. Im Sinne der Datensparsamkeit gegenüber den üblichen Datenkraken habe ich diese Ortungsfunktion immer deaktiviert.
  • Zur Sicherung der Daten in der cloud sollte man noch eine Sicherung auf mitgeführter Hardware unternehmen. Mobile 2,5 Zoll Festplatten sind klein, robust, nicht mehr teuer, und man sollte diese getrennt vom Rechner mit sich führen. Falls der Rechner gestohlen wird, hat man also mindestens zwei weitere Sicherheitskopien der relevanten Daten dabei: Eine in der Cloud, eine lokal auf der mitgeführten mobilen Festplatte. Insbesondere Fotografen sollten ihre Fotodaten so sichern. Die kleinen 2,5 Zoll Festplatten mit USB 3.0 Anschluss gibt es mittlerweile mit mehreren Terabyte an Speichervolumen zu bezahlbaren Preisen, z.B. von Western Digital oder Seagate. 4TB kosten um die 100 Euro. Und 4 TB sind mehr Speicherplatz, als viele Notebooks haben, reicht also für normale Dokumentenkopien plus die Fotos in den meisten Fällen.
  • Für Fotografen gilt: Die Fotos so schnell wie möglich von den Karten  aus dem Kameras auf die mobilen Festplatten übertragen. Die zweite Sicherung der Daten wäre dann in der Cloud oder auf einem Notebook. Ich persönlich habe einen Workflow, um die vollen Datenträger von den leeren zu trennen. Und verpacke die vollen Karten vor der Datensicherung auch so, dass ich sie nicht noch mal benutze. SD Karten kann man übrigens auch physisch sperren, da gibt es einen kleinen Schalter dran.

Weitere spezifische Sicherheitsempfehlungen insbesondere für Backpacker Flashpacker unterwegs in Südamerika findest du hier für Peru (Sicheres Reisen in Peru) und für Kolumbien („Sicherheit unterwegs in Kolumbien„) in diesem Reiseblog.

Vorbereitungen vor der Reise: Zwei-Faktor-Authentifizierung, Kreditkarten schützen, Daten sichern

Einige Sicherheitsvorkehrungen, welche auch geräteunabhängig sind, sollte man VOR der Reise treffen und umsetzen. Dazu gehören die folgenden Sicherheitsmaßnahmen, welche nicht nur Endgeräte betreffen, sondern auch Dokumente und Zahlungsmittel wie Kreditkarten.

Die beste und einfachste und grundsätzlichste Maßnahme von allen, bevor du verreist: Sichere alle deine wichtigen Dokumente (Reisepass, Führerschein, Krankenversicherung, Reiseversicherungen, Flugtickets, Kreditkartennummern etc.) digital und in der Cloud. Also an zwei voneinander unabhängigen Orten bzw. Tools. So hast du im Falle eines Totalverlustes z.B. deines Gepäcks immer noch die wichtigsten Dokumente zumindest als Kopie greifbar. Sichere in diesem Ordner auch die Sperr-Telefonnummer für deine Kreditkarten als auch die Nummer der Kreditkarten selbst, inklusive PIN, und der Sicherheitsnummer etc. Im Verlustfall kannst du bei deiner Bank bzw. deinem Kreditkartenprovider anrufen um die alte Karte zu sperren und ggf. eine neu zu bestellen. Optionen für digitale Cloud-Verzeichnisse bzw. Anbieter sind Apple, Google Drive, Dropbox, um nur die bekanntesten zu nennen.

  • Mache von deinem Handyprofil bzw. deinen Smartphone – Daten eine (Cloud) – Kopie, vor der Reise, so dass du auf diese zugreifen kannst, falls du dein Handy verlierst oder es gestohlen wird.
  • Alle Online-Passwörter sollten z.B. in einer dafür geeigneten App gespeichert sein. Man kann diese Daten auch zusätzlich online gesichert kopiert ablegen (z.B in einer Cloud Lösung, Dropbox, Google drive etc. ), so ist im Fall des Handyverlusts dafür gesorgt, diese Daten weiter benutzen zu können. Ich benutze safe-in-cloud, das ist einfach und funktioniert bestens, und man kann es über mehrere Endgeräte synchronisieren, also den gleichen Datenstand haben auf z.B. Smartphone und Notebook.
  • Vernünftige und sichere Passwörter bitte! Also nicht 123456 oder ähnliches, und auch nicht ein Passwort für alles. Das ist besonders wichtig bei Diebstahl der Hardware und nicht geschützten Apps auf dem Handy.
  • Das Handy sollte ebenfalls per PIN/Fingersensor gesichert sein, und auch nicht erst nach zehn Minuten automatisch gesperrt werden. (Gute Tipps für Passwörter gibt es hier beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.)
  • Stelle deine wichtigen Social-Media-Konten, Buchungsportale (für Hotels, Flüge etc.)  und alle anderen Profile im Netz, wo auch Zahlungsdaten gespeichert sind,  auf eine Zwei-Faktor-Authentifizierung um. Dies bieten beispielsweise dein Google-Konto, Amazon, aber auch Facebook und Booking.com an. Halte ich für sehr wichtig, insbesondere wenn in den Konten bzw. Benutzerprofilen Zahlungsdaten abgespeichert sind.
  • Kreditkarten solltest du in einer Hülle transportieren, die das Auslesen der Karte verhindert (das nennt sich RFID oder NFC Blocking, gibts bei Amazon).
  • Besorge dir eine Kreditkarte, wo Abbuchungen entweder per App freigegeben werden, oder du zumindest eine Email/SMS bei jeder Abbuchung erhältst. Eine Kreditkarte mit einem sehr umfangreichen Sicherheitskonzept ist, um die Lösung zu nennen welche ich sehr gute finde, die Lufthansa Miles+ More Mastercard.

dc
Dabei sein
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