Roadtrip Franken: Durch das fränkische Welterbe

Franken also. Ein Roadtrip. Mit dem Auto. Oder, wahlweise, der Bahn. Unterwegs in einem eher kleinen Zielgebiet gelingt so ein Roadtrip fast von selbst. Das Zielgebiet heißt diesmal: Franken!

Das Ziel meines Roadtrips ist, das fränkische Welterbe der UNESCO zu besuchen. In diesen Zeiten macht es doch sehr viel Sinn, das vielleicht nicht so bekannte Deutschland und seine Sehenswürdigkeiten zu entdecken.

Und tatsächlich, ein Blick auf die Karte macht Sinn, denn mehrere sehr besuchenswerte Welterbestätten finden sich in Franken, also im Norden und Nordosten des Bundeslandes Bayern (für die Nichtfranken unter uns). Das fränkische Weltkulturerbe umfasst:

  • Das markgräfliche Opernhaus zu Bayreuth.
  • Die phänomenale Altstadt von Bamberg.
  • Die Residenz zu Würzburg.

Alles in angenehmer Entfernung zueinander und in kurzen Etappen erreichbar, ob mit Auto oder per Bahn, perfekt also für einen wirklich entspannten Roadtrip.

Zu ergänzen sind diese drei tollen Sehenswürdigkeiten mit den unweit gelegenen sehr malerischen historischen Stadtkernen bzw. Altstädten von

  • Nördlingen
  • Dinkelsbühl
  • Rothenburg ob der Tauber

Denn das macht doch einen Roadtrip erst schön und wertvoll: Dass man eben nicht stundenlang am Steuer und im Stau der bundesdeutschen Autobahn verbringt. Sondern in kurzer Zeit und mit wenig Aufwand das maximale an Erlebnissen und Eindrücken sammeln kann. Denn für mich stellen die UNESCO Welterbestätten ein nahezu immer lohnenswertes und hochwertiges Ziel dar. Sie sind historisch und kulturell außergewöhnlich, touristisch zumindest in Deutschland perfekt vermarktet und zugänglich, und somit immer eine Reise wert.

Auch auf Anhieb vielleicht nicht so spannend wirkende Reiseziele wie das Eisenwerk in Völklingen im Saarland oder der Bergpark in Kassel entpuppen sich als sensationelle Sehenswürdigkeiten von Weltrang. Zudem werden die Welterben in Deutschland alle wundervoll gepflegt und aufwändig in Schuss gehalten. Es ist schön zu sehen, dass unsere Steuergelder in das Erbe unseres Landes zuweilen sehr gewinnbringend investiert werden!

 

Roadtrip Franken: Markgräflichliches Opernhaus in Bayreuth
Fassade des Markgräflichlichen Opernhauses in Bayreuth

Roadtrip Bayreuth, Bamberg, Würzburg

Dabei bin ich, als Reiseblogger der eher in Südamerika und Afrika unterwegs ist, immer wieder überrascht, was für tolle Ziele es in Deutschland zu besuchen gilt.

Was man über seine eigene Geschichte vielleicht gar nicht weiß, aber dann lernt. Und im Ergebnis genau das passiert, weshalb ich reise: Erkenntnis. Abreisen und Ankommen. Sich verlieren und wieder finden in der Fremde und im Fremden. Das Neue begrüssen, das Alte verabschieden und verwerfen. Loslassen. Festhalten. Offen sein. Bereit, das Glück zu finden in der Ungewissheit.

Reisen ist Bewegung, innerlich und äusserlich. Reisen ist Leben. Stehenbleiben, mental und physisch, ist der Tod. Und: Man muss nicht immer an das Ende der Welt fahren.

Mein Roadtrip startet im fernen Osten Frankens, dort wo der Landstrich gefühlt näher an Tschechien als am Rest des Bundeslandes Bayern ist, in Bayreuth nämlich.

Und ja, an dieser Stelle sei vermerkt, dass ich weiß das es lokal üblich und mental gewünscht ist, die Region in Ober-, Mittel- und Unterfranken aufzuteilen. Da ich aber kein Franke und zudem im Erwartungsmanagement ganz schlecht bin, darf ich das ignorieren!

Mein Roadtrip Franken beginnt in Bayreuth

Für mich war Bayreuth positiv überraschend. Man denkt bei dieser Stadt automatisch an einen gewissen Herrn Richard Wagner, welcher mir persönlich irgendwie unangenehm ist. Wie geht der alte Woody-Allen-Witz: Immer wenn ich Wagner höre, möchte ich in Polen einmarschieren. Genau. Aber Bayreuth ist freundlich und angenehm und entspannt. Und: In Bayreuth hat das eigentliche Welterbe, nämlich das barocke Opernhaus der Markgrafen, so rein gar nichts mit Wagner zu tun. Das Opernhaus war bei meinem letzten Besuch noch eine ziemlich spektakuläre Baustelle:

„Das was ich sehen konnte war ein Opernhaus in dessen Inneren die Bohlen aus dem Boden herausgerissen, der Putz von den Wänden geklopft und kein Stein auf dem anderen gelassen wurde. Mit anderen Worten und um es kurz zu machen: das Opernhaus ist momentan nicht zugänglich. Es ist geschlossen. Bis zur Wiedereröffnung im Sommer 2018. Was bleibt ist ein Blick in die Baustelle, mein Foto vermittelt, glaube ich, einen guten Einblick.“

Das ist vergangen, und die wichtigste Sehenswürdigkeit von Bayreuth ist wieder geöffnet und zugänglich. Ein Grund mehr, dort außerhalb der Wagner- Festspiele hin zu fahren.

Roadtri Franken: UNESCO Welterbe in Bayreuth
Im Inneren des Markgräflichen Opernhauses zu Bayreuth

Wie auch immer, das sehr ansprechende Städtchen Bayreuth hat auch über die Wagnerfestspiele hinaus eine sehr hübsche Altstadt zu bieten, mit vielen Cafes und Restaurants. Das herzogliche Neue Schloss im Stadtinneren mit seinem barocken Garten ist ein weitere lohnenswerter Spaziergang.

Der Eintritt in den Garten ist übrigens kostenlos. Zum Festspielhaus des Herrn Wagner führt der originelle Walk of Wagner vom Bahnhof an bergauf. Und Bayreuth in Franken wäre untypisch für die Gegend, wenn man nicht auch am Abend ein leckeres Bier (Maisels! Kulmbacher!) und regionales Essen bekäme.

Roadtrip Kultur und Geschichte: Auf ins barocke Bamberg!

Von Bayreuth geht es weiter nach Bamberg. Das sind von Bayreuth nur ca. 100 Kilometer. Bamberg besitzt sicherlich eines der schönsten spätmittelalterlichen bzw. barocken Altstadtensembles in Deutschland.

Roadtrip Franken
Ausflugsziel Bamberg

Man kann sich hier tatsächlich in ein fernes Jahrhundert zurückversetzt fühlen, und die vielen sehr ansprechenden Hotels in der Altstadt lassen einen Besucher, welcher nicht im Strom der Tagestouristen mitschwimmen möchte, tief in ein romantisches Bild vom späten Mittelalter eintauchen.

Wer für einen Kurztrip nach Bamberg kommt, kann sein Auto getrost sozusagen vor der Stadtmauer abstellen, und die Altstadt und die Gegend um den Dom zu Fuß erkunden. So lässt sich, das ist meine Überzeugung, am besten ein Gefühl für die Geschichte Bambergs erahnen – auf Schusters Rappen über das Kopfsteinpflaster stolpern, die Zinnen der Stadt im Blick, herrlich.

Für Bamberg gilt die alte Traveller Regel: Bis abends da bleiben oder im Ort übernachten, denn wenn die Tagestouristen ihren Bus wieder bestiegen haben, wird es schön.

Von Bamberg geht es weiter nach Würzburg. Immer auf der Straße entlang des Mains, kommt der geneigte Besucher von Bamberg recht schnell in die altehrwürdige Residenzstadt Würzburg.

Der Main erscheint mir übrigens als einer der unterschätzten und wenig besungenen Flüsse unseres Landes.

 

Warum eigentlich?

Historisch hat der Main, in Bayreuth und Bamberg beginnend, vorbei an Aschaffenburg fließend und oberhalb der alten Kaiserstadt Frankfurt endend, wirklich allerhand zu bieten. Nicht nur Kulturgeschichte, auch Industriegeschichte wird lebendig, u.a. in Schweinfurt und ja, sogar in Offenbach.

Touristisch ansprechende Gebiete wie der Odenwald und der Spessart grenzen an seine Ufer, und Römer und Kelten und Germanen und haben ihre Spuren hinterlassen. Aber der Main bleibt immer im Schatten des Rheins, als dessen bedeutendster Zufluss, mit einer eher unscheinbaren Mündung (in einem Gewerbegebiet unterhalb von Mainz) in den deutschesten aller Flüsse. Irgendwie schade für den armen alten Main!

Würzburg, Nürnberg und die Schlösser Ludwigs

Wie auch immer, in Würzburg ist der Main deutlich wahrnehmbar, wenn auch nicht wirklich beeindruckend. Etwas Wein entlang seiner steilen Hänge, ein paar Brücken, die Bahnstrecke.

Würzburg punktet allerdings mit einem weiteren UNESCO Welterbe, nämlich der Residenz, einem barocken Weltwunder aus dem 18. Jahrhundert.

Mehr als 40 Räume sind sorgfältig restauriert, man kann das berühmte Treppenhaus von Balthasar Neumann mit dem größten Deckenfesko weltweit, von Tiepolo gestaltet, bewundern.

Würzburg hat eine kleine aber charmante Altstadt, Weinberge, enge Gassen, und viele fränkische Restaurants. So kann man den Roadtrip durch Franken ausklingen lassen, oder einfach weitermachen und noch einige Stationen anhängen: Nürnberg als bedeutendste fränkische Stadt ist von Würzburg nur einen Katzensprung entfernt, verfügt über allerhand herausragende geschichtliche Monumente, eine wirklich schöne und lebendige Altstadt, mit den Wohnhaus von Universalgenie Albrecht Dürer eine der schönsten Sehenswürdigkeiten Deutschlands,  aber über kein einziges UNESCO Welterbe.

Dürerhaus Nürnberg
Dürerhaus Nürnberg

Noch nicht einmal die Nürnberger Burg oder das Albrecht-Dürer Haus stehen auf der deutschen Vorschlagsliste („Tentativliste“) für weitere UNESCO Welterbestätten – ich kann nur vermuten, dass die König-Ludwig-Schlösser Bayerns hier den Vorzug erhalten haben.

Der Roadtrip Franken durch das Welterbe der Region lässt sich in drei bis vier Tagen ohne Stress durchführen – perfekt also für ein verlängertes Wochenende!

dc
Dabei sein
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