Cartagena de Indias: Reisetipps (Update 2022)

Südamerika Reiseblog: Cartagena de Indias in Kolumbien. Glanz und Elend.

Cartagena de Indias leuchtet.

So möchte ich diesen Blogartikel über Kolumbiens touristischste Stadt eröffnen. Mit einem popkulturellen Verweis, der dieser erstaunlichen Stadt gerecht wird.

Denn: Cartagena de Indias ist – nun ja – glänzend. Ziemlich wundervoll. Einerseits.

Ich könnte diesen Text alternativ wie folgt beginnen, denn die Stadt ist – andererseits -auch ziemlich elendig, denn:

Cartagena de Indias Reisetipps

Über Kolumbiens Cartagena de Indias an der Karibikküste ist schon alles geschrieben und gesagt. Nur nicht von jedem. Und in den meisten Fällen auch nicht sehr originell.

Weshalb ich gleich zu Beginn dieses Südamerika Reiseblog Textes alle Worthülsen, Klischees, Dutzendfach verwendete Überschriften und mannigfaltig kopierte und immer wieder genutzte Beschreibungen einfach mal in einem atemlosen Satz vorwegnehme. In einer Mischung aus journalistischen, abgedroschenen Schlagworten und Axiomen welche in keinem Reiseblog fehlen dürfen:

Kolumbiens Perle der Karibik. Schönste Stadt Kolumbiens. Königin der Karibik. Schönste Altstadt Südamerikas. UNESCO Welterbe. Total überlaufen. Over Tourism. Karibikflair. Gabriel Garcia Marquez war auch hier. Simon Bolivar sowieso. Shakira vielleicht. Beste Reisezeit ist ganzjährig. Besonders toll ist Cartagena im Karneval. Die wahre Pest sind die Kreuzfahrttouristen. Trubelige Straßen der Altstadt. Lebendiges Nachtleben. Sehenswürdigkeiten. Sicherheit. Die besten Aktivitäten in Cartagena Kolumbien.

Um nicht zu vergessen: Die tollsten Ausflüge und Aktivitäten an der karibischen Küste.

Und natürlich: Zehn Dinge die du in Cartagena de Indias erlebt haben musst.

Den zitierten  Satz wollte ich in diesem Blog einfach mal geschrieben haben. Um zu versprechen, dass ich ihn niemals sagen oder schreiben und auch ernst meinen werde.

Denn jeder Reisende muss erstmal: gar nichts. Muss nicht auf irgendwelchen Listen, die andere geschrieben haben irgendwelche Reiseziele, Clubs, Strände oder Aktivitäten abhaken.

Kolumbien Cartagena de Indias: Altstadt
Kolumbien Cartagena de Indias: Altstadt mit beleuchteter Kathedrale

Muss nichts „erlebt“ haben. Reisen ist Freiheit. Reisen ist im besten Sinne unproduktiv, ist gepflegtes Flanieren und Nichtstun. Sich treiben lassen. Wer reist, um Orte oder Aktivitäten oder Bucketlists abzuhaken, hat nichts verstanden. Wer Texte von Reisebloggern ernst nimmt, auch nicht. Wer die Karibik  oder Kolumbien oder Südamerika „macht“, sollte ggf. sein Leben, zumindest aber seinen Reisestil –  überdenken. Wer mit dem Kreuzfahrtschiff dort ankommt, sowieso.

(Das Leben ist widersprüchlich. Deshalb hier und jetzt: Werbung. Um diesen Reiseblog zu finanzieren.)

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Kolumbien: Karte von Cartagena
Karte von Cartagena mit den Stadtteilen sowie dem Flughafen

Cartagena de Indias für Traveller in Südamerika

Ach ja, weshalb wollte ich noch mal nach dorthin an die kolumbianischen Karibikküste reisen?

Wegen des Wetters, muss ich zugeben. In den Bergen in Kolumbien bzw. in der Kaffeezone ist es halt doch eher frisch, Medellin ist ein ungemütlicher zu heisser Moloch, aber die Küste der Karibik verspricht ein wohl-temperiertes Klima. Freundliche Menschen. Entspanntes, wohltuendes Herumlungern in Hängematten. Blauer Himmel. Das Meer. Der Duft von Orangen und Zitronen und minzigen Mojitos. Denn Kuba ist ja nicht weit.

Zudem reiste ich nach Cartagena weil ich südamerikanische Altstädte sehr mag. Ihre Geschichte. Und die Geschichten, die sie erzählen. 

Kolumbien Cartagena de Indias
Kolumbien Cartagena de Indias: Altstadt, recht leer.

Das Cartagena von heute erzählt in erster Linie viele Geschichten und zählt Gründe auf, was am modernen Tourismus schlecht ist, was für Reisende falsch läuft, und exemplarisch das Elend unserer modernen Welt ausmacht: 

Kreuzfahrten. Menschen, die auf Kreuzfahrten gehen um dann in Orten wie Cartagena im Rahmen eines organisierten Ausflugs anzulanden. Bettelnde Kinder. Straßenverkäufer mit Ray-Ban Sonnenbrillen aus Asien. Straßenverkäufern mit Hüten angeblich aus Panama. Sind wahrscheinlich aber eher aus China. Die Hüte. Die Straßenverkäufer sind Flüchtlinge aus Venezuela. Zu viele Geschäfte in den Straßen Cartagenas verkaufen Juwelen, Edelsteine und goldenen Tinnef. An die Menschen, die mit Carnival Cruise anreisen, vermute ich. Abends essen gehen und ebenerdig sitzen ist anstrengend. Zigarrenverkäufer, Ware angeblich aus Kuba. Michael-Jackson-Doubles.

Alle möchten dir was verkaufen, auch während du isst: Promocion. Oder sei es nur eine Fahrt mit einer der unzähligen einspännigen Droschken. Darin sitzen oft junge hübsche Frauen mit kleinen häßlichen, nicht mehr so jungen Männern. Die Frauen sind aus Südamerika. Die Männer nicht. Gabriel Garcia Marquez hat hier mal gewohnt. Simon Bolivar auch. Francis Drake sogar. Die kennt doch keiner mehr.

In den Läden gibt es T-Shirts mit Pablo Escobar als Motiv drauf. Ich möchte nicht wahrhaben, dass dies der außerhalb des Landes vielleicht bekannteste Kolumbianer ist. Zum Glück gibt es es Shaquira. Das Goldmuseum in Cartagena ist wieder geöffnet – in einer Bank.

Kolumbien Cartagena de Indias: Kathedrale
Kolumbien Cartagena de Indias: Blick zur Kathedrale

Aber. 

Cartagena de Indias, Kolumbien: Koloniales Barock.

Cartagena de Indias als barockes historisches Stadtensemble ist tatsächlich ganz große Klasse. Wie die Altstadt von Havanna, nur nicht zerfallend. Detailverliebt gepflegt, mit nur ganz wenigen Lücken und besitzlosen Häusern, die zum Verkauf ausstehen. Mit einigen netten kleinen Cafés, authentischen Friseurstuben, Kneipen, der Universität.

Die Altstadt mit ihren drei Stadtteilen Centro, San Diego und Getsemani ist tatsächlich einen Besuch wert, auch für erfahrenen Südamerika-Traveller. Wer es sich leisten kann und möchte, bezieht eines der Hotels in Centro, welche in extrem authentischen und wunderbar eingerichteten kolonialen Häusern zu finden sind. Die besten davon haben kein Hotelschild draußen angebracht. Aber, es gibt sogar preiswerte Hostales, nicht nur Boutiquehotels.

Cartagena für Traveller hat alles, was man benötigt um sich zu versorgen oder um sich vom Reisen an sich zu erholen: Supermärkte, auch in der Altstadt. Geldautomaten, Banken, Wäschereien.

Preiswerte Unterkünfte, insbesondere in Getsemani, welches das Viertel für Backpacker ist. (Die Südamerika Flashpacker bleiben im Centro). In Cartagena ist alles vorhanden an Traveller-Infrastruktur. Der Hafen der Stadt ist wichtiger Verschiffungspunkt für Overlander, welche auf der Panamericana unterwegs sind, um die Lücke des Darien Gap zwischen Panama und Kolumbien per Schiff zu umfahren.

Cartagena ist vom Preisniveau eine der eher teuren Städte Kolumbiens, im Vergleich zu Europa aber immer noch preisgünstig. Bis auf die Boutiquehotels natürlich.

Kolumbien Cartagena de Indias
Kolumbien Cartagena de Indias: Blick von der Festung San Felipe

Reisende haben in Cartagena wirklich viele Optionen, länger zu verweilen, denn die Stadt besteht nicht nur aus der Altstadt.

Diverse Strände in Stadtnahe als auch auf den umliegenden Inseln (Playa Blanca, über die örtlichen Touranbieter anzufahren) sind zu entdecken, unzählige alte Befestigungsanlagen ebenso. Mit dem Taxi (8.000 bis 10.000 Pesos einfache Fahrt) kommt man ganz gut in den modernen Teil der Stadt welcher ausschaut wie Panama City oder Cancun, also ziemlich furchtbar. Diese Gegend heißt Castillo Grande. Der Strand von Castillo Grande ist ok, das Wasser warm, und man wird von diversen Verkäufern umsorgt und wird weder verhungern noch verdursten. 

planetenreiter Südamerika Reiseblogger Tipps

Der beste lokale Reiseblogger Cartagena Explorer ist hier zu finden, er listet eigentlich alle besuchenswerten Highlights sowie die Sehenswürdigkeiten der Stadt auf und ist wirklich praktisch: Museen, Strände, Restaurants, Ausflüge in die Umgebung. Schaut bei Adam mal rein. In Englisch.

Perle der Karibik!
In der Altstadt von Cartagena, Kolumbien

Unterkünfte, Restaurants, Cafés

Mein persönlicher Tipp das Hotel bzw. die Unterkunft in der Altstadt von Cartagena  betreffend ist das Boutique Hotel La Passion in Centro. Ein Traum von einem Hotel. Nur acht Zimmer. Tolles Frühstück, Dachterrasse. Adresse: Carrera 5, Ecke Calle 36.

Die eher preiswerteren Unterkünfte für Backpacker sind im Stadtteil Getsemani zu finden, ebenso viele Kneipen, Bars, Restaurants und andere Backpacker.

Restaurants gibt es in der Altstadt Cartagenas wirklich in großer Auswahl, fast alle bieten auch vegetarische Optionen an. Die beste Pizza von Cartagena gibt es meiner Meinung nach im Fernandez de Madrid an der gleichnamigen Plaza in Centro. Craft Beer gibt es dort ebenfalls in der herrlich politisch unkorrekten Farbskala von

  • Blanca (Weißbier)
  • Mestiza (IPA) und
  • Mulatta (dunkles Lager). Alle drei Biersorten sehr lecker. 

Schönstes Café in Cartagena: Ich mochte das Café der Finca San Alberto, in der Calle de Los Santos de Piedra, in der Nähe der Kathedrale. Hier kann man auch Kaffee in ganzen Bohnen kaufen. Die Finca San Alberto hat ein zweites Café eröffnet, noch größer und schöner, direkt an der Plaza Santo Domingo.

In Getsemani gibt es das Café del Mural, welches nur von 15 – 18 Uhr geöffnet hat. Vormittags veranstaltet der Betreiber ganz wunderbare Kaffee-Workshops. Wer mehr über das kolumbianische Nationalgetränk erfahren möchte, dem sei diese Aktivität ans Herz gelegt. 

Marinemuseum der Karibik

An Aktivitäten empfehle ich das famose Museo de Naval de Caribe, das Marinemuseum der Karibik.

In kurzen Worten: Für Geschichtsfreaks ein Traum. Hier kann der geneigte Besucher im Erdgeschoss des Museums die diversen Belagerungen der Stadt durch Engländer (Francis Drake 1586), Franzosen (Baron de Pointis, 1697) und nochmals die Engländer (Edward Vernon 1741) im Details bewundern. Die Geschichte Cartagena ist ohnehin wert, im Detail gelesen zu werden, hier der Link bei Wikipedia.

Im Obergeschoss des Marinemuseums kann man die Geschichte der kolumbianischen Marine bewundern, und das mit Hilfe zweier fabelhaft hergerichteter und liebevoll präsentierter Schiffssimulatoren, eines Schnellbootes und eines U-Bootes. 

Festung San Felipe

Die Festung San Felipe gehört zum Pflichtprogramm jedes Ausflugs vom Kreuzfahrtschiff und jeder „Das muss man in Cartagena an Sehenswürdigkeiten gesehen haben“-Liste. Von daher ganz spannend, die anderen Touristen zu beobachten. Ernüchternd. Wenn sie alle ihren armseligen Instagram-Moment suchen und alle gleich bzw. hintereinander in den Schießscharten der Festungsmauer sitzend posieren. Die Festung ist so semi-großartig, bietet aber einen interessanten Ausblick über die Altstadt von Cartagena, die Bucht, das Meer, den neuen Teil der Stadt in Castillo Grande.

Kolumbien Cartagena de Indias: Museo de Naval
Kolumbien Cartagena de Indias: Museo de Naval

 

Für Selbstversorger: Supermärkte, Wäscherei, Geldautomaten

Es gibt drei große Supermärkte in Cartagenas Altstadt: Zwei mal Exito, das ist die größte Kette in Kolumbien, und einen Olimpico. Je ein Exito und ein Olimpico sind in der Carrera 7 zu finden. Der Exito ist deutlich größer, mit einer tollen Auswahl an Obst und Gemüse sowie Getränken. Im zweiten Stock gibt es Kleidung und allerhand nützliches für den Hauhalt und Küche. Ein zweiter großer Exito ist unmittelbar neben der neuen Mall La Serrenzuela am östlichen Ende der Altstadt zu finden.

Geldautomaten auch europäischer Banken sind in der Avenida Venezuela zu finden, am Rande der Altstadt, sowie rund um die Plaza de la Aduana. Sehr gut sind die fünf Geldautomaten von fünf verschiedenen Banken im Basement der neuen Mall La Serrenzuela.

Die Währung Kolumbiens ist der kolumbianische Peso, abgekürzt COP. 50.000 Pesos sind ca. 12 Euro. An den Geldautomaten kann man mit Kreditkarte (Visa, Mastercard) sehr gut Bargeld abbuchen. EC Karten funktionieren in Südamerika meistens nicht!

Wäscherei (Lavanderia) La Tintoreria San Diego, mit tollem und freundlichen Service: Stadtteil San Diego, Carretera 10, zwischen Calle 36 und Calle del Quero. Das Kilo Wäsche kostet um die 6.000 Pesos. Morgens gebracht, nachmittags fertig.

Sicherheit in der Altstadt

Cartagena ist tagsüber in den drei Altstadtvierteln ziemlich sicher. Abends in Centro und San Diego gibt es laut den Locals auch keine Probleme. Man sollte halt nicht betrunken und alleine in der Gegend herum laufen. In Getsemani sollte man Nachts eher vorsichtiger sein und diese Gegend ggf. meiden bzw. ein Taxi nehmen. Ansonsten machte die Stadt auf mich einen sehr sicheren und entspannten Eindruck, Kolumbiens Probleme sind hier, was den Kontakt mit Touristen und Traveller angeht, doch recht weit entfernt.

Beste Reisezeit Cartagena de Indias

Hochsaison in Cartagena ist im Februar/März, dann ist auch Karneval -mas o menos. Ich finde es relativ sinnlos, an der Karibikküste nach einer besten Reisezeit zu fragen, das Wetter ist meistens recht gleich: warm und angenehm. Die sogenannte Regenzeit ist zwischen April und Mai sowie dann noch einmal zwischen September-Oktober. Ich habe ebenfalls einige wirkliche Regenstürze in Cartagena miterlebt, aber eine Stunde später ist das Wasser in den Straßen abgeflossen, und es ist wieder schön warm.

Cartagenas Flughafen Rafael Núñez International Airport

Der Flughafen der Stadt (IATA Code: CTG)  ist unweit der Altstadt gelegen, ein Taxi zwischen Flughafen und Altstadt kostet momentan 15.000 COP, also ca. 4 Euro. Dauer der Fahrt ist um die 20-30 Minuten, weil um die Mauern der Altstadt herum bzw. zum Flughafen oft Stau ist. 2018 nutzten 5,4 Millionen Fluggäste den Airport.

Die einzige Direktverbindung ab Europa bietet KLM an, dieser Flug geht über Bogota, man kommt nachmittags in CTG an. Ab Juli 2022 kündigt der neue spanische Langstrecken-no frills Flieger Plus Ultra Linea Aereas eine direkte Verbindung über Madrid an. Geflogen werden soll mit Airbus A340.

Internationale Flugverbindungen zwischen Süd- bzw. Mittelamerika und CTG bieten Copa über Panama City, Latam über Lima, Avianca über San José Costa Rica und Viva Air über Mexiko City.

Von Kanada und den USA erreicht man Cartagenas Flughafen mit American Airlines ab Miami, Air Canada ab Toronto, Avianca ab New York JFK, JetBlue ab Fort Lauderdale,  Newark und JFK sowie mit Spirit Airlines ab Fort Lauderdale und Orlando, Florida.

 

Innerhalb Kolumbiens kommt man u.a. von Armenia, Bogota, Bucaramanga, Medellin, Cali, Pereira, San Andres und einigen anderen Städten sehr leicht per Inlandsflug an die Karibikküste.

Die folgenden Fluggesellschaften bedienen Strecken nach CTG: Avianca, Latam Airlines, Viva Air Colombia, Easyfly, Wingo und die neue kolumbianische Billigfluggesellschaft Ultra Air.

Man kann also auch die Pazifikküste, die Urlaubsinsel San Andres sowie die Kaffeezone in Zentralkolumbien direkt ab der Karibikküste erreichen und verbinden, ansonsten lassen sich andere Reisegebiete innerhalb Kolumbiens auch sehr einfach per Umsteigeflug und Zwischenlandung in Bogota verbinden.

Im folgenden kurzen Video: Busfahren in Kolumbien dauert lange, ist aber nicht so übel. Wer Zeit hat, kann sich das antun. Teilweise ist die Aussicht super, wenn man nicht den ganzen Tag im Stau steht…

Noch mehr Südamerika-Reisetipps: Unterwegs in Kolumbien. Praktische Reisetipps.

dc
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