Südamerika Reiseblog: Kolumbien Cartagena de Indias.

Cartagena de Indias leuchtet.

So möchte ich diesen Blogartikel über Kolumbiens touristischste Stadt eröffnen. Mit einem popkulturellen Verweis, der dieser erstaunlichen Stadt gerecht wird.

Denn: Cartagena de Indias ist - nun ja - glänzend. Ziemlich wundervoll. Einerseits.

Kolumbien Cartagena de Indias: Reiseblog
Kolumbien Cartagena de Indias

Ich könnte diesen Text alternativ wie folgt beginnen, denn Cartagena ist - andererseits -ziemlich elendig: 

Über Kolumbiens Cartagena de Indias an der Karibikküste ist schon alles geschrieben und gesagt. Nur nicht von jedem. Und in den meisten Fällen auch nicht sehr originell.

Weshalb ich gleich zu Beginn dieses Südamerika Reiseblog Textes alle Worthülsen, Klischees, Dutzendfach verwendete Überschriften und mannigfaltig kopierte und immer wieder genutzte Beschreibungen über Cartagena de Indias einfach mal in einem atemlosen Satz vorwegnehme. In einer Mischung aus journalistischen, abgedroschenen Schlagworten und Axiomen:

Kolumbien. Cartagena. Perle der Karibik. Schönste Stadt Kolumbiens. Königin der Karibik. Schönste Altstadt Südamerikas. UNESCO Welterbe. Total überlaufen. Over Tourism. Karibikflair. Gabriel Garcia Marquez war auch hier. Simon Bolivar sowieso. Shakira vielleicht. Beste Reisezeit ist ganzjährig. Besonders toll ist Cartagena im Karneval. Die wahre Pest sind die Kreuzfahrttouristen. Trubelige Straßen der Altstadt. Lebendiges Nachtleben. Sehenswürdigkeiten. Sicherheit. Die besten Aktivitäten in Cartagena Kolumbien.

Um nicht zu vergessen: Die tollsten Ausflüge ab Cartagena.

Und natürlich: Zehn Dinge die du in Cartagena de Indias erlebt haben musst.

Kolumbien Cartagena de Indias: Altstadt
Kolumbien Cartagena de Indias: Altstadt mit beleuchteter Kathedrale

Den letzten Satz wollte ich in diesem Blog einfach mal geschrieben haben. Um zu versprechen, dass ich ihn niemals sagen oder schreiben und ernst meinen werde. 

Denn jeder Reisende muss erstmal: gar nichts. Muss nicht auf irgendwelchen Listen, die andere geschrieben haben abhaken. Muss nichts „erlebt“ haben. Reisen ist Freiheit. Reisen ist im besten Sinne unproduktiv, ist gepflegtes Flanieren und Nichtstun. Sich treiben lassen. Wer reist, um Orte oder Aktivitäten oder Bucketlists abzuhaken, hat nichts verstanden. Wer Texte von Reisebloggern ernst nimmt, auch nicht. Wer Cartagena oder Kolumbien oder Südamerika „macht“, sollte ggf. sein Leben, zumindest aber seinen Reisestil -  überdenken. 

(Das Leben ist widersprüchlich. Deshalb hier und jetzt: Werbung. Um diesen Reiseblog zu finanzieren.)

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Kolumbien Cartagena de Indias für Traveller in Südamerika

Ach ja, weshalb wollte ich noch mal nach Cartagena reisen?

Wegen des Wetters, muss ich zugeben. In den Bergen in Kolumbien bzw. in der Kaffeezone ist es halt doch eher frisch, Medellin ist ein ungemütlicher Moloch, aber die Küste der Karibik verspricht ein wohl-temperiertes Klima. Freundliche Menschen. Entspanntes, wohltuendes Herumlungern in Hängematten.

Und ich reiste nach Cartagena weil ich südamerikanische Altstädte sehr mag. Ihre Geschichte. Und die Geschichten, die sie erzählen. 

Kolumbien Cartagena de Indias
Kolumbien Cartagena de Indias: Altstadt, recht leer.

Das Cartagena von heute erzählt in erster Linie viele Geschichten und zählt Gründe auf, was am modernen Tourismus schlecht ist, was für Reisende falsch läuft, und exemplarisch das Elend unserer modernen Welt ausmacht: 

Kreuzfahrten. Menschen, die auf Kreuzfahrten gehen um dann in Orten wie Cartagena im Rahmen eines organisierten Ausflugs anzulanden. Bettelnde Kinder. Straßenverkäufer mit Ray-Ban Sonnenbrillen aus Asien. Straßenverkäufern mit Hüten angeblich aus Panama. Sind wahrscheinlich aber eher aus China. Die Hüte. Die Straßenverkäufer sind Flüchtlinge aus Venezuela. Zu viele Geschäfte in den Straßen Cartagenas verkaufen Juwelen, Edelsteine und goldenen Tinnef. An die Menschen, die mit Carnival Cruise anreisen, vermute ich. Abends essen gehen und ebenerdig sitzen ist anstrengend. Zigarrenverkäufer, Ware angeblich aus Kuba. Michael-Jackson-Doubles. Alle möchten dir was verkaufen, auch während du isst: Promocion. Oder sei es nur eine Fahrt mit einer der unzähligen einspännigen Droschken. Darin sitzen oft junge hübsche Frauen mit kleinen häßlichen, nicht mehr so jungen Männern. Die Frauen sind aus Südamerika. Die Männer nicht. Gabriel Garcia Marquez hat hier mal gewohnt. Simon Bolivar auch. Francis Drake sogar. Die kennt doch keiner mehr. In den Läden gibt es T-Shirts mit Pablo Escobar als Motiv drauf. Das Goldmuseum in Cartagena ist geschlossen. Keiner weiß mehr ob, es wieder aufmacht. Kommt Montag mal vorbei, sagt der Wachmann.

Kolumbien Cartagena de Indias: Kathedrale
Kolumbien Cartagena de Indias: Blick zur Kathedrale

Aber. 

Cartagena de Indias, Kolumbien: Koloniales Barock.

Cartagena de Indias als barockes historisches Stadtensemble ist tatsächlich ganz große Klasse. Wie die Altstadt von Havanna, nur nicht zerfallend. Detailverliebt gepflegt, mit nur ganz wenigen Lücken und besitzlosen Häusern, die zum Verkauf ausstehen. Mit einigen netten kleinen Cafés, authentischen Friseurstuben, Kneipen, der Universität.

Die Altstadt mit ihren drei Stadtteilen Centro, San Diego und Getsemani ist tatsächlich einen Besuch wert, auch für erfahrenen Südamerika-Traveller. Wer es sich leisten kann und möchte, bezieht eines der Hotels in Centro, welche in extrem authentischen und wunderbar eingerichteten kolonialen Häusern zu finden sind. Die besten davon haben kein Hotelschild draußen angebracht. 

Cartagena für Traveller hat alles, was man benötigt um sich zu versorgen oder um sich vom Reisen an sich zu erholen: Supermärkte, auch in der Altstadt. Geldautomaten, Banken, Wäschereien.

Preiswerte Unterkünfte, insbesondere in Getsemani, welches das Viertel für Backpacker ist. (Die Südamerika Flashpacker bleiben im Centro). In Cartagena ist alles vorhanden an Traveller- Infrastruktur. Der Hafen der Stadt ist wichtiger Verschiffungspunkt für Overlander, welche auf der Panamericana unterwegs sind, um die Lücke des Darien Gap zwischen Panama und Kolumbien per Schiff zu umfahren.

Cartagena ist vom Preisniveau eine der eher teuren Städte Kolumbiens, im Vergleich zu Europa aber immer noch preisgünstig. Bis auf die Boutiquehotels natürlich.

Kolumbien Cartagena de Indias
Kolumbien Cartagena de Indias: Blick von der Festung San Felipe

Reisende haben in Cartagena wirklich viele Optionen, länger zu verweilen, denn die Stadt besteht nicht nur aus der Altstadt.

Diverse Strände in Stadtnahe als auch auf den umliegenden Inseln (Playa Blanca, über die örtlichen Touranbieter anzufahren) sind zu entdecken, unzählige alte Befestigungsanlagen ebenso. Mit dem Taxi (8.000 bis 10.000 Pesos einfache Fahrt) kommt man ganz gut in den modernen Teil der Stadt welcher ausschaut wie Panama City oder Cancun, also ziemlich furchtbar. Diese Gegend heißt Castillo Grande. Der Strand von Castillo Grande ist ok, das Wasser warm, und man wird von diversen Verkäufern umsorgt und wird weder verhungern noch verdursten. 

planetenreiter Südamerika Reiseblogger Tipps für Cartagena de Indias:

Der beste lokale Reiseblogger Cartagena Explorer ist hier zu finden, er listet eigentlich alle besuchenswerten Highlights sowie die Sehenswürdigkeiten der Stadt auf und ist wirklich praktisch: Museen, Strände, Restaurants, Ausflüge in die Umgebung. Schaut bei Adam mal rein. In Englisch.

Unterkünfte, Restaurants, Cafés

Mein persönlicher Tipp das Hotel bzw. die Unterkunft in der Altstadt von Cartagena  betreffend ist das Boutique Hotel La Passion in Centro. Ein Traum von einem Hotel. Nur acht Zimmer. Tolles Frühstück, Dachterrasse. Adresse: Carrera 5, Ecke Calle 36.

Die eher preiswerteren Unterkünfte für Backpacker sind im Stadtteil Getsemani zu finden, ebenso viele Kneipen, Bars, Restaurants und andere Backpacker.

Restaurants gibt es in der Altstadt Cartagenas wirklich in großer Auswahl, fast alle bieten auch vegetarische Optionen an. Die beste Pizza von Cartagena gibt es meiner Meinung nach im Fernandez de Madrid an der gleichnamigen Plaza in Centro. Craft Beer gibt es dort ebenfalls in der herrlich politisch unkorrekten Farbskala von

  • Blanca (Weißbier)
  • Mestiza (IPA) und
  • Mulatta (dunkles Lager). Alle drei Biersorten sehr lecker. 

Schönstes Café in Cartagena: Ich mochte das Café der Finca San Alberto, in der Calle de Los Santos de Piedra, in der Nähe der Kathedrale. Hier kann man auch Kaffee in ganzen Bohnen kaufen. 

In Getsemani gibt es das Café del Mural, welches nur von 15 - 18 Uhr geöffnet hat. Vormittags veranstaltet der Betreiber ganz wunderbare Kaffee-Workshops. Wer mehr über das kolumbianische Nationalgetränk erfahren möchte, dem sei diese Aktivität ans Herz gelegt. 

Marinemuseum der Karibik

An Aktivitäten empfehle ich das famose Museo de Naval de Caribe, das Marinemuseum der Karibik.

In kurzen Worten: Für Geschichtsfreaks ein Traum. Hier kann der geneigte Besucher im Erdgeschoss des Museums die diversen Belagerungen der Stadt durch Engländer (Francis Drake 1586), Franzosen (Baron de Pointis, 1697) und nochmals die Engländer (Edward Vernon 1741) im Details bewundern. Die Geschichte Cartagena ist ohnehin wert, im Detail gelesen zu werden, hier der Link bei Wikipedia.

Im Obergeschoss des Marinemuseums kann man die Geschichte der kolumbianischen Marine bewundern, und das mit Hilfe zweier fabelhaft hergerichteter und liebevoll präsentierter Schiffssimulatoren, eines Schnellbootes und eines U-Bootes. 

Festung San Felipe

Die Festung San Felipe gehört zum Pflichtprogramm jedes Ausflugs vom Kreuzfahrtschiff und jeder "Das muss man in Cartagena an Sehenswürdigkeiten gesehen haben"-Liste. Von daher ganz spannend, die anderen Touristen zu beobachten. Ernüchternd. Wenn sie alle ihren armseligen Instagram-Moment suchen und alle gleich bzw. hintereinander in den Schießscharten der Festungsmauer sitzend posieren. Die Festung ist so semi-großartig, bietet aber einen interessanten Ausblick über die Altstadt von Cartagena, die Bucht, das Meer, den neuen Teil der Stadt in Castillo Grande.

Kolumbien Cartagena de Indias: Museo de Naval
Kolumbien Cartagena de Indias: Museo de Naval

 

Supermärkte, Wäscherei, Geldautomaten

Supermarkt und Geldautomat in der Altstadt von Cartagena: Calle 36. Am Haus wo Simon Bolivar einst wohnte. Ein weiterer sehr grosser Supermarkt ist in der Calle 36 Ecke Carrera 7 zu finden.

Weitere Geldautomaten auch europäischer Banken sind in der Avenida Venezuela zu finden, am Rande der Altstadt. Die Währung Kolumbiens ist der kolumbianische Peso, abgekürzt COP. 50.000 Pesos sind ca. 13 Euro. An den Geldautomaten kann man mit Kreditkarte (Visa, Mastercard) sehr gut Bargeld abbuchen. EC Karten funktionieren in Südamerika meistens nicht!

Wäscherei (Lavanderia) La Tintoreria San Diego in Cartagena, mit tollem und freundlichen Service: Stadtteil San Diego, Carretera 10, zwischen Calle 36 und Calle del Quero. Das Kilo Wäsche kostet um die 6.000 Pesos. Morgens gebracht, nachmittags fertig.

Sicherheit in der Altstadt

Cartagena ist tagsüber in den drei Altstadtvierteln ziemlich sicher. Abends in Centro und San Diego gibt es laut den Locals auch keine Probleme. Man sollte halt nicht betrunken und alleine in der Gegend herum laufen. In Getsemani sollte man Nachts eher vorsichtiger sein und diese Gegend ggf. meiden bzw. ein Taxi nehmen. Ansonsten machte die Stadt auf mich einen sehr sicheren und entspannten Eindruck, Kolumbiens Probleme sind hier, was den Kontakt mit Touristen und Traveller angeht, doch recht weit entfernt.

Flughafen Cartagena de Indias

  • Anreise Cartagena mit dem Flugzeug: Ab Europa fliegt KLM von Amsterdam, über Bogota, nach Cartagena. Ab Panama mit Copa Airlines. Weitere internationale Flüge gehen mit Avianca und American Airlines ab Miami, USA. Weitere Direktflüge nach Cartagena, Kolumbien ab Mexiko City, Lima, Fort Lauderdale, Toronto und New York. Air Europa plant für 2020 einen Direktflug von und nach Madrid.
  • Innerhalb Kolumbiens kommt man von Bogota, Medellin, Cali, Pereira, San Andres und einigen anderen Städten sehr leicht per Inlandsflug an die Karibikküste. Latam, Avianca als auch Viva Air Colombia bedienen diverse Strecken von und nach Cartagena de Indias. Lies hier im Südamerika und Kolumbien Reiseblog alles über das Fliegen in Kolumbien.

Der internationale Flughafen von Cartagena ist sehr nah an der Stadt, ein Taxi von der Altstadt zum Flughafen kosten um die 15.000 Pesos. Dauer um die 20-30 Minuten, weil um die Mauern der Altstadt herum oft Stau ist. Vom Flughafen Cartagena in die Stadt kann man am Taxistand an einem Schalter sagen, wo man hinmöchte. Dann bekommt man einen offiziellen Zettel mit dem Fahrpreis ausgehändigt, welchem man dem Fahrer zeigt. So geht Südamerika!

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DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
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