Azoren Reisetipps: Faial, Pico, Terceira – Wandern, Wale, Welterbe

Wandern und Whale watching auf den Azoren

 

Keine Ahnung, wie das mit der Reise auf die Azoren passiert  ist. Es war so: Wir hatten Zeit und Geld und wie immer: Fernweh. Es stand kein Ziel fest. Nur soweit, dass wir nicht dort hinfahren wollten, wo wir schon gewesen waren.

Sehr spezielle Ausnahmen (Tansania! Peru!) bestätigen diese Regel nur.

Und klar war auch: Der Weg ist natürlich nicht das Ziel. Keine Ahnung übrigens, wer diese bescheuerte Aussage jemals getroffen hat: Nur das Ziel kann das Ziel sein.

Dieses Ziel sollte diesmal in Europa liegen, am Meer obendrein, wanderbare Gegenden aufweisen, fernab des Massentourismus liegen und individuell zu bereisen sein. Und wir wollten keine Winterklamotten mitnehmen. Daraus ergaben sich als Reiseziel fast wie ganz von alleine:

Die Azoren.

Und weil man nicht jeden Tag dort hin fährt, obwohl es sich zweifelsohne sehr lohnt, hier die Azoren Reisetipps für die zentrale Inselgruppe des Archipels, nämlich Faial, Terceira und Pico. Diese Inseln des Azoren – Archipels lassen sich, weil sie nämlich recht dicht beiander liegen, sehr gut bereisen. Die folgenden Reisetipps sind also für alle, welche eine Reise auf die Azoren planen.

Pico Sunset by planetenreiter.de 2013
Pico Sunset im Hafen von Horta, Faial, Azoren –  Foto DC Loew

Die Azoren – immer noch Geheimtipp?

 

Es könnte natürlich auch ganz anders gewesen sein, und zwar so: Manchmal möchte man einfach weg, hinaus in die Ferne, ans Meer, in die Berge, in exotische und historische Städte, UNESCO Welterbestätten erwandern, und dann lernt man zur eigenen grossen Überraschung, dass man alle diese Ziele vereint an einem entlegenen Platz im Atlantik finden kann – den Azoren.

Gehört hat fast jeder von dieser Inselgruppe, weniger bekannt ist, wo genau sie liegt und zu welchem Land sie gehören. Die Antworten sind einfach: Mitten im Atlantik, ca. 1500 km westlich von Lissabon. Die Azoren gehören zu Portugal und somit zur Europäischen Union.

Oder genauer: Die Inselgruppe der Azoren besteht aus neun sehr unterschiedlichen Eilanden und gehört politisch zu Portugal – die von Europa am entferntesten gelegene Insel Flores gehört geographisch aber schon zu Amerika. Dem Kontinent Amerika, nicht zu den USA, natürlich.

Die Ferne zum alten Kontinent und die Lage als Zwischenstation der Reise in die neue Welt brachte den kargen Inseln über die Jahrhunderte immer schöne Zusatzgeschäfte ein: die Seefahrer des 15. und 16. Jahrhunderts fanden zwischen den Kontinenten einen willkommenen sicheren Hafen und Warenumschlagplatz in Angra auf Terceira, später kamen die Walfänger.

Die Telegrafengesellschaften aller Länder spannten im 20. Jahrhundert ihre Kabel quer durch das grosse Meer und transformierten die Nachrichten in Horta auf Faial. Später im Kalten Krieg hatten die US – Amerikaner eine grosse Basis samt Flughafen, auf Terceira.

Zu verdanken haben die Azoren diese wirtschaftlichen Aktivitäten ihrer Lage in der Mitte des Atlantiks. Als die Wale dort immer weniger wurden und man merkte, dass mit lebenden Walen und Touristen mehr Geld verdienen konnte ist als mit toten Walen, als der Kalte Krieg endete und man keine Flugbasen mehr brauchte, als die Telegrafie ein Technikrelikt wurde, wandelten sich die Azoren zu einem Reiseziel für Natur – Touristen, Atlantiküberquerer, Whale watcher und Wanderer.

Pico, Azoren planetenreiter.de
Pico, Azoren: Portugals höchster Berg  –  planetenreiter.de

Galao und Gurkensandwich

 

Das Tolle an diesen Inseln ist: Jede ist anders. Jede ist speziell. Jede ist grossartig. Jedenfalls die, welche ich kenne: Faial, Pico und Terceira. Sie gehören zu einer Gruppe von vier Inseln, welche zentral im Azoren – Archipel und sehr nah zusammen liegen, die vierte Insel dieser zentralen Gruppe heisst Sao Jorge. Es empfiehlt sich bei begrenzter Zeit, sich auf einige Inseln des Archipels zu begrenzen, die Zentralgruppe bietet sich für einen vielleicht auch kurzen Tripp doch sehr an.

Die Ausdehnung der gesamten Inselgruppe der Azoren von Ost nach West beträgt  600 km, man benötigt also etwas Zeit, möchte man alle Inseln bereisen. Das geht per Fähre und Flugzeug recht einfach, alle Inseln können angeflogen werden.

Die zentrale Inselgruppe der Azoren bietet schöne Optionen zum Wandern, Fotografieren, Baden, Wale beobachten und geruhsamen Nichtstun bei tollem Essen, angenehmen Klima und charmanten, sehr freundlichen Einheimischen.

Von Lissabon aus kann man Faial als auch Terceira direkt anfliegen. Von Faial aus empfiehlt sich die sehr spektakuläre Fährüberfahrt nach Terceira, welche auch Sao Jorge ansteuert. Zwischen Pico und Faial verkehrt eine andere Fähre stündlich bis halbstündlich. Man sollte Seefest sein, sobald man aus dem Windschutz von Sao Jorge in Richtung Terceira hinaus kommt, zeigt der Atlantik seine wilde Seite mit beeindruckenden Wellen und tollem Seegang.

Da kotzen schon mal die Einheimischen, dieser Trip ist also nicht zu unterschätzen. Vom Hafen der Inselstadt Angra auf  Terceira kann man in das barocke Städtchen laufen, hier scheint jedes Haus museal, und alle Strassen das letzte Mal kurz nach Kolumbus Vorbeifahrt gepflastert. Die Altstadt von Angra ist ein UNESCO Weltkulturerbe, und eines des wunderbarsten, welches ich kenne.

Und eines der wenigen, in denen man toll Essen und coole Klamotten kaufen kann. In Angra kann man stundenlang durch die Gassen schlendern, in kleinen Strassencafes sitzen, verschlafene Museen besichtigen, bis ans Ende der Bucht oder auf einen kleinen Hügel oberhalb der Stadt spazieren, und hat auch als Reisefotograf permanent farbenfrohe Motive, mit der barocken Kathedrale oder dem Meer als Hintergrund. In Portugal geniesst man tolle kleine Kuchen und feines Gebäck zur lokalen Version des Latte Macchiato, dem Galao.

Und alles für kleines Geld, kaum zu glauben, bei der eigentlich preistreibenden inselhaften Abgeschiedenheit des Archipels. Im Stadtpark füttert man die Vögel und quatscht auf Englisch mit den Rentnern, welche in Kanada gelebt und gearbeitet haben und jetzt ihren Lebensabend in der Heimat verbringen. Viele Azorer wandern nach Amerika aus, in die USA oder nach Kanada, denn die Azoren haben ausser ein wenig Landwirtschaft, ein wenig Tourismus und ein wenig Seefahrt wirtschaftlich kaum Potenzial.

Auswandern gehört zur lokalen Kultur und ist ein Karriereweg, ähnlich wie in Irland. Aus diesem Grund unterhält die lokale Fluggesellschaft SATA eine Flugverbindung nach Boston und nach Toronto, von der Hauptinsel Sao Miguel aus. Ethnic Traffic nennt man das dann wohl.

Angra, Terceira, Azoren planetenreiter.de 2013
Angra, Terceira, Azoren: Barockes Welterbe  –  planetenreiter.de

Wandern und Wale – Azoren zu Land und zu Wasser

 

Zwischen den Inseln der zentralen Gruppe kommt man am besten mit der Fähre von einer Insel zur anderen. Unterkünfte in fast allen Preisklassen gibt es genug. Auf Terceira, Pico und Faial kann man auch preiswert Autos mieten und schöne Tagesausflüge zu den entlegenen Stränden, dem höchsten Berg Portugals auf Pico oder der Vulkancaldera auf Faial machen.

Von unzähligen Aussichtspunkten entlang des Weges kann der Landschaftsfotograf Berge, das Meer, den Himmel und die natürlich blauen Hortensien in Kompositionen aus Blau zusammenführen. Wanderwege gibt es auf allen vier zentralen Inseln, Wanderführer und Reiseagenturen gibt es vor Ort, ebenso weisen die Inseln ausser Sao Jorge ein öffentliches Busnetz auf, so dass man zu einem Ausgangspunkt mit dem Bus fahren kann, um von dort zurück zu wandern.

Pico ist die  Insel mit Portugals höchstem Berg und der schillernden Historie der Waljagd. Dass die Meeressäuger, darunter die grössten Arten wie Blauwal, Finnwal, und Pottwal auf ihrem Weg vom Nordatlantik in die Karibik an den Azoren vorbeikommen, sorgte für die Entstehung einer lokalen Walfang – Industrie bis in die 1970 Jahre. Auf Pico und auf Faial gibt es alte Walfabriken, die jetzt zu sehr sehenswerte Museen umgebaut und Zeugen einer ganz besonderen Geschichte und dem Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt sind.

Die Walfabrik in Horta, auf Faial, ist wirklich sehr seehenswert, und zudem an einer grossartigen Bucht gelegen, an der schon Alexander von Humboldt, James Cook und ich, um nur einige zu nennen, bedächtig den schwarzen Sand beschritten. Man kann dort auch Klasse baden!

Die Walausgucke auf den Felshängen Picos stehen heute im Zeichen des Waltourismus und lenken die Boote mit den Touristen zu den Walen. Whale watching Touren kann man übrigens im Hafen von Faial aus beginnen als auch im Städtchen Lajes an der Südküste von Pico. Das Walfang – Museum dort ist übrigens sehr schön, man muss nur die Bustouren an Pauschaltouristen vermeiden, die dort manchmal abgeladen werden.

Pico, Azoren Welterbe planetenreiter.de 2013
Pico, Azoren: Die Terassen sind UNESCO Welterbe  – planetenreiter.de Reiseblog

UNESCO Weltkulturerbe auf Pico

 

Pico bietet übrigens das zweite Weltkulturerbe der Azoren, neben der Altstadt von Angra an, die Terrassenfelderkultur an den Hängen des Pico. In Jahrhunderten setzten die Bauern kleine Mauern aus Vulkangestein um die parzellierten Felder, um zu verhindern, dass der Wind vom Meer die Saat verweht. So entstand eine einzigartige Kulturlandschaft aus Vulkansteinmauern an den westlichen Hängen des Pico bis hinab an die Küste.  Sehr beeindruckend, weil dieses ingeniöse Werk auch zeigt, wie schwierig Landwirtschaft auf den Azoren ist, und wieso die Wale als Erwerbsmöglichkeit so willkommen waren.

Die Landwirtschaft wirft weiterhin nicht viel für den Export ab, sehr leckeren Käse gibt es allerdings vor Ort, welcher zu empfehlen ist. Auf Sao Miguel, der Hauptinsel des Archipels kann man auch die einzige Teeplantage Europas besuchen, in den Geschäften an den Flughäfen der anderen Inseln kann man diesen Tee kaufen, manchmal auch zu Fantasiepreisen in deutschen Teeläden.

Azoren Reisetipps: Keine Strände = kein Massentourismus

Ach ja, fast vergass ich: die Strände der zentralen Inselgruppe der Azoren. Auf Faial gibt es einen sehr Klasse Strand am östlichen Ende der Insel, mit schwarzem Sand und Blick nach Pico und Sao Jorge. Auf Pico gibt es keinen Sandstrand, aber dafür tolle vulkanische Naturbecken, die einen Besuch lohnen. Terceira hat einige grosse sandige Buchten, so die bekannt Bucht von Praia da Vitoria mit akzeptablem Stadtstrand. Aber auch der kleine Strand von Angra ist sehr schön und natürlich fussläufig direkt aus dem 15. Jahrhundert heraus zu erreichen.

Vielleicht ist der Mangel an massentauglichen Stränden sowie die allgemeine Abgelegenheit der Inseln der Grund, weshalb der Massentourismus noch keinen Einzug gehalten hat auf den Azoren. Und dies hoffentlich nie wird.

  • Offizielle Webseite der Azoren bei VisitPortugal
  • Anreise Azoren: Direktflug mit SATA Air Acores ab Frankfurt Rhein – Main nach Ponta Delgada, Sao Miguel. Oder Umsteigen über Porto. Von Sao Miguel dann per Inlandsflug weiter nach Faial oder Terceira.
  • Mit TAP Air Portugal ab mehreren deutschen Flughäfen, Umsteigen in Lissabon. Von dort direkt nach Terceira oder Faial.
  • SATA Air Acores verbindet die Azoren mit Madeira und Gran Canaria, aber auch mit Toronto, Kanada. Ebenso fliegt Air Acores alle Inseln der Azoren an.
  • Zwischen Faial, Pico, Sao Gorge und Terceira verkehrt eine Fähre.
  • Geldautomaten: Gibt es ausreichend. Währung ist der Euro. Das Preisniveau ist trotz der Insellagen ziemlich ok
  • Autovermietungen: Auf Faial, Pico und Terceira direkt am Flug- oder Fährhafen.
  • Beste Reisezeit: Europäischer Sommer. Wem Regen nichts ausmacht, der kann das ganze Jahr auf die Azoren fahren!
DC Loew
Dabei sein

DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!
DC Loew
Dabei sein
DC Loew

DC Loew ist Reiseblogger auf planetenreiter.de und berichtet von seinen Reisen im Speziellen, über das Leben und das Reisen im Allgemeinen sowie über Afrika, Lateinamerika, Safari, UNESCO Welterbestätten und naturnahes und individuelles Reisen im Besonderen. Zudem fotografiert er gerne und liebt die Exotik: Ob Offenbach oder die Osterinsel - los gehts!