Italia Rundreise: Unterwegs von Padua nach Ferrara und Mantua. Oder: Warum es keinen Filterkaffee in Italien gibt.

Im ersten Teil des einwöchigen Roadtrips durch den wunderbaren Norden Italiens ging es von Mailand über Como nach Padua – mit dem Auto. Insgesamt dauerte diese Rundreise durch die Lombardei, Venetien und die Emilia Romagna bzw. die Ebene des Flusses Po sieben Tage. Start war in Mailand, über Como und Padua geht es nach Ferrara und Mantua.

Padua ist eine Perle der Renaissance, touristisch und geographisch im Schatten Venedigs gelegen aber sehr gut zu erreichen und unbedingt eine Reise wert. Padua ist zudem eine tolle Alternative zu Venedig, wem es dort zu voll ist.

Weiter geht es bei unserem Roadtrip Italia durch die Ebene des Po von Padua nach Ferrara. Dies sind auf gut ausgebauten Landstraßen gerade einmal um die 90 Kilometer, man fährt ohne Hast und Eile ca. 90 Minuten.

 

Die Po-Ebene ist als Landschaft, nun ja, eher unscheinbar. In der sehr flachen Gegend sind die Kirchtürme der kleinen Ortschaften die höchsten Umgebungen, gefolgt von den unzähligen Lagerhäusern und Relikten von Fabriken und Produktionsstätten. Wer auf der Suche nach verlassenen Palazzos oder schlicht lost places genannten verfallenen Häusern und Bauernhöfen ist, der ist in dieser Gegend Italiens sicherlich nicht falsch. Hier noch einmal die Routenführung der Rundreise durch Norditalien auf den Spuren der Renaissance  in der Übersicht:

VonNachEntfernung in KMFahrtzeit in h
MailandComo501,5
ComoPadua2703 - 3,5
PaduaFerrara781
FerraraMantua901,5 -2
Mantua Mailand1852 - 2,5

Ein europäisches Highlight: Ferrara in der Emilia Romagna

Ferrara mag als alte Stadt nicht so bekannt sein, wahrscheinlich steht der Ort auch im Schatten von Venedig, dem großen touristischen Magneten im angrenzenden Venetien.

Ferrara hat ca. 132.000 Einwohner, die zentrale Altstadt entspricht auch heute noch der Planungen aus dem 13. Jahrhundert und ist somit auch eines der authentischsten UNESCO Welterben. Denn die Altstadt ist tatsächlich, nun ja, überzeugend alt, verwinkelt, pittoresk – nenne eines der üblichen Adjektive für Europas Mittelalter-Städte, es trifft auf Ferrara unbedingt zu.

Italien Roadtrip: So geht Kathedrale
Italien Roadtrip: Kathedrale von Ferrara

Die Hauptstadt der Region Emilia-Romagna hat in ihren alten Mauern so einige Besonderheiten zu bieten, die tatsächlich unikat sind, und das historische Zentrum wirklich herausheben. Die romanisch-gothische Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert (momentan, September 2020 geschlossen wegen Sanierungsarbeiten) ist ein seltsamer Bau, mit einem irgendwie angeflanscht wirkenden Glockenturm, und einer integrierten Ladenzeile, der Loggia dei Merciai.

Was historisch betrachtet jetzt nicht ungewöhnlich ist, früher waren IN den Kathedralen die Händler drin. Zudem gibt es unmittelbar im Stadtkern Ferraras eine Burg, das Castello Estense, gegenüber der Kathedrale.

Italien Roadtrip: In den Gassen von Ferrara
Italia Roadtrip: Ferrara Centro Storico – so geht historisches Stadtzentrum

Mit der Via delle Volte und den sie umgebenden Gebäuden und engen Gassen und Bauten und ihren ergrauten Mauern aus Ziegelsteinen  bietet Ferrara ein für mich sehr authentisch wirkendes historisches Zentrum. Im Prinzip ist diese Stadt der italienischen Renaissance in ihren Grundzügen der Stadtlegung aus dem 13. Jahrhundert unverändert, als man die Stadt verlegte und neu plante und quasi den sich ändernden Flussarmen des Po folgen ließ.

In der Via San Remo gibt es sehr viele tolle Geschäfte, Klamottenläden, Bars, Pizzerien oder diesen Fruchtsaft-Laden – siehe folgendes Foto.

Ferrara für Traveller Italien Roadtrip
Hier gibts Fruchtsaft. Ferrara, Via San Remo

Das ist fantastisch, mit der Stadtmauer und dem Palazzo Diamanti sowie dem alten jüdischen Ghetto gibt es in Ferrara wirklich viel zu bestaunen und zu erkunden. Das geht ganz wunderbar zu Fuß, trotz der vielen Radfahrer, welche hier erstaunlich rücksichtsvoll sind und sogar für Fußgänger anhalten. Kennt man ja von Zuhause gar nicht.

In der Fußgängerzone von Ferrara sowie in den angrenzenden Gassen gibt es sehr viele Geschäfte und Cafés und Restaurants. Das Publikum ist, das mag an der seit 1391 betriebenen Universität liegen, jung und zahlreich und unbesorgt und abends aktiv. Pandemie hin oder her, in Ferrara spürt man, ohne dass ich andere Reisende oder Touristen gesehen habe, immer noch sehr gut und leicht der italienischen Lebensqualität nach.

Italien Roadtrip: Altes Stadtzentrum von Ferrara.
Hier gibts keinen Overtourism! Italien Roadtrip, Ferrara

Wer genug von Prada und Konsorten hat: In Ferrara gibt es zwei street wear Läden in der Altstadt, da gibts T-Shirts und Hosen und Accessoires auch von Marken mit street credibility wie Vans oder Element.

Hotelempfehlung Ferrara: Das Hotel Maxim in einer Nebenstraße der Altstadt ist eine sehr gelungene Fusion aus modernem Hotel in einem alten Gebäude. Mit einem tollen Innenhof für Restaurant und  Frühstück, und eine Tiefgarage um die Ecke für das Auto. Das DZ mit Frühstück um die 95 Euro. Etwas teurer sind die Zimmer mit mehreren Etagen, aber die sind witzig und sehr zu empfehlen!

 

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Roadtrip mit Auto: Von Ferrara nach Mantua

Schweren Herzens doch mit leichtem Gemüt verlassen wir beschwingt das wunderbare Ferrara. Nachdem ich jetzt weltweit so einige ganz bezaubernde und charismatische alte Städte in ihren Stadtmauern gesehen hab (Cartagena de Indias, Cusco, Toledo) muss ich Ferrara direkt in diesen Olymp der Mittelalter-Städtchen mit aufnehmen.

Altstadt Mantua
Italien Roadtrip: In Mantua, Lombardei

Durch die weiterhin unscheinbare Ebene des Po geht es in etwas mehr als einer Stunde nach Mantua, auf italienisch Mantova genannt, und somit wieder zurück in die Lombardei. Aus der eher ereignislosen, der Puszta nicht unähnlichen Gegend taucht wie ein Schemen das Panorama von Mantua auf – ein Schloss, die Seen, mächtige Mauern.

Man sollte, wenn man eine Unterkunft im historischen Zentrum von Mantua gewählt hat, das Auto am besten vor den Mauern der Altstadt parken, es gibt genug Parkplätze. (Kosten für den ganzen Tag bzw. über Nacht: um die 15 Euro).

Abendessen in Mantua: Rund um Dom und die Piazza delle Erbe sowie die Piazza Sordello gibt es eine tolle Auswahl an Restaurants. Ein Abendessen kommt in Mantua um die 40-50 Euro für zwei Personen.  Empfehlung: Eine Tagliere, das ist eine Art Platte oder Hackbrett, gibt es mit Fleisch oder vegetarisch mit Käse belegt, dazu Brot, sehr Klasse.

Wir erreichen Mantua zu Zeiten des Literaturfestivals, die Stadt ist, Corona zum Trotz, eher wimmelig und laut und gefüllt.

Abends gibt es schön illuminierte Lesungen mir gänzlich unbekannter italienischer Autoren, vor dem malerischen Hintergrund der alten Gemäuer der einstigen Residenzstadt der Herzöge von Gonzaga. Besonders gut gefallen haben mir in Mantua die vielen Restaurants und Cafés direkt in oder vor historischen Gebäuden.

Da kann man teilweise im Freien und doch unter alten Gängen oder Gewölbedecken sitzen und dem Trubel auf den Kopfsteinpflasterstraßen entspannt zuschauen.

Panorama von Mantua. Italien Roadtrip
Italia Rundreise und Roadtrip: Panorama von Mantua, Lombardei

Das historische Zentrum von Mantua gehört, ebenso wie die Altstadt von Ferrara, zum Welterbe der Menschheit und ist Teil der Liste der UNESCO Weltkulturerbes.

Von Mantua ausgehend beenden wir die Rundreise durch die alten Barock- und Renaissancestädte von Italiens Norden und fahren die nicht mal 200km nach Mailand zurück, wo die Reise begonnen hatte.

Caffé und Espresso: Italiens Kaffeekultur. Oder: Warum es in Italien keinen Filterkaffee gibt.

Wer in Italien gehörig für Verwirrung bei der Bestellung seines Heißgetränks sorgen möchte, der bestelle einen Kaffee und einen Espresso. Das macht in Italien nämlich gar keinen Sinn, es ist hier das exakt gleiche.

Jeder Espresso kann auch als „caffé´“ bestellt werden. Wer also zwei „caffé“ ordert, bekommt immer zwei Espresso.

Einen Filterkaffee oder Bohnenkaffee, z.B mit gemahlenen Bohnen in der Cafetiere zubereitet, also einen Kaffee in einer Tasse und  im klassischen deutschen Sinne, gibt es in Italien nicht. Punkt.

Es gibt Alternativen zum ewigen Espresso, welche aber im Prinzip immer verwässerte Versionen des kleinen Schwarzen sind: Ein Americano ist ein mit Wasser gestreckter Espresso, ebenso ein lungo. Mit geschäumter Milch drauf ist es ein Espresso Macchiato. Und doppio meint natürlich einen doppelten Espresso.

Die Qualität des servierten kleinsten Kaffees waren auf unserem Roadtrip delle Italia höchst heterogen, ebenso die Preise. Zwischen einem und drei Euro kostet der schnelle Koffein-Shot.

In Mailand sind es eher drei, auf dem Land bzw. in der Provinz wie in Ferrara gab es ihn für 1,50 Euro. Der italienische Kaffee ist in der Tendenz eher bitter, er wird meistens anders und stärker geröstet („italienische Röstung“) als in Mitteleuropa oder Südamerika.

Kaffeekultur Italien
Kaffee und Caffé in Italien: Darauf einen Espresso Hausbrandt!

Man kann in Italien auch, eher am Vormittag, nicht am Nachmittag, einen Cappuccino ordern, in Mailand sagten sie dazu hartnäckig „Cappucco“. Street slang? Lombardisch? Ich habs nicht herausgefunden, muss mal einen native speaker fragen. Latte Macchiato wird auch getrunken, habe ich aber selten gesehen.

Dieses ganze US-amerikanische Kaffeegedöhns hat in Italiens Kaffeekultur keine großen Spuren außer dem einen oder anderen Starbucks hinterlassen. Wobei diese eher in den Metropolen zu finden sind, in Mantua oder Padua habe ich kein Starbucks oder ähnliches  gesehen.

Ich sah keine Menschen mit einem Kaffeebecher in der Hand herumlaufen. Exotische Kaffeevarianten wie Karamel Frapuccino mit Soyamilch haben in Italien offenbar keine Lobby, und ich kann das nur begrüssen.

Allerdings habe ich auf unserer norditalienischen Rundreise auch keine Hipster-Kaffeekultstätten wie z.B. ein Bonanza Coffee Heroes (Berlin Prenzlauer Berg) oder Café Wacker (Frankfurt) gefunden, und von einem anständigen Flat White kann man in Mailand oder Rom nur träumen – Italien bleibt eben bei seinen Klassikern. Dem Espresso. Im Stehen getrunken. Un Bacio. Avanti. Ciao.

Mit anderen Worten: Zwar hat Italien Europa den Kaffee, also das Getränk als auch das Wort (entlehnt aus dem Arabischen) beschert, aber die Kaffeehauskultur mondänen Nichtstuns und einen Braunen trinken gibts eher in anderen Ländern und Städten. Als Kaffee-Aficionado geht man besser nach Wien, oder gleich dahin wo der beste Kaffee der Welt herkommt, in die Kaffeezone in Kolumbien.

Noch mehr alte Städtchen? Gibts auch in Deutschland!
Die schönsten deutschen Altstädte

Wie wir verreisen bzw. wie organisiere ich meinen Roadtrip in Norditalien? Wie bereite ich die Rundreise vor?

So reist dieser Reiseblogger: Ich buche alle Leistungen der siebentägigen Reise selbst: Flug, Mietauto, die Hotels. Den Flug kaufe ich meistens direkt bei der Fluggesellschaft. Den Mietwagen miete ich direkt beim Anbieter, oder auch über Expedia oder Booking. Die Hotels bzw. Unterkünfte suche und reserviere ich meistens über Booking, manchmal auch über AirBnb. Man kann sie natürlich vorab alle reservieren, ich mache dies meistens von unterwegs aus.

An Vorbereitung fällt also erstaunlich wenig an. Ich plane die Route vor, schaue auf Google Maps nach den Entfernungen zwischen den potenziellen Zielorten bzw. Städten, das ist alles

Ich habe mir einen Reiseführer gekauft, um zu sehen, was uns am besten gefallen könnte. Und dann fiel eben Venedig raus, weil zu voll, dafür kam Padua rein, als auch Ferrara.

Bei einem Roadtrip versuche ich, eine Rundreise zu unternehmen, also Start und Ziel an einem Ausgangspunkt zu haben. Im Norden von Italien kann man aber auch Start- und Zielort variieren, da es Flüge (als auch Züge) direkt nach Turin, Mailand, Verona und Venedig gibt.

Man könnte also diese hier geschilderte Norditalien bzw. Lombardei und Venetien-Rundreise auch mit einem (Gabel-)Flug nach Mailand beginnen, das Auto in Mailand abholen, über Mantua, Ferrara, Padua, Verona nach Venedig oder auch Bologna fahren und von dort zurückfliegen. Alle diese Strecken kann man auch mit Zügen der italienischen Bahn zurücklegen.

Ich nutze für die Organisation der Reise von unterwegs die App bzw. die Webseite von Kayak und dort die Funktion „Trips“. Dort kann man sehr komfortabel alle Buchungen ablegen und speichern, sei es Flug, Zug, Mietauto oder Hotels. Trips zeigt einem dann pro Tag seine Buchungen an, mit Kontaktadresse, Buchungsnummern etc. Sehr Klasse. Hat mir schon auf unserer Weltumrundung sehr geholfen.

Reisetipps Norditalien Roadtrip

  • Anreise per Flugzeug: Mit dem Flieger nach Mailand, Venedig, Verona, Turin oder Bologna. Diese Städte werden alle von Lufthansa ab Frankfurt oder München angeflogen, man hat also einige Optionen für Gabelflüge.
  • Unterkünfte: Gibt es in Italien in allen Preiskategorien ausreichend. Ab 60 Euro bekommt man schon anständige Doppelzimmer, wenn es ein paar Sterne mehr sein sollen wird es ab 100 Euro möglich.
  • Autobahnmaut: Ja, in Italien kostet es Geld, die Autobahn zu befahren. Preisbeispiel für diese Reise: Mailand bis Padua waren einfach, für einen PKW, um die 18 Euro.
  • Kosten für ein Abendessen: Zu zweit im Restaurant zahlt man schon um die 40-50 Euro, wenn man eine Vorspeise und alkoholische Getränke konsumiert.
  • Maskenpflicht wg. Corona: In Hotels, Geschäften, vielen dicht bevölkerten Plätzen gilt Maskenpflicht. Ebenso in Taxis, öffentlichen Verkehrsmitteln wie Straßenbahnen, Flugzeugen und Flughäfen. In Mailand haben auch im September 2020 auch viele Menschen auf der Straße permanent eine Maske getragen. Abstand einhalten sowie Hygienemaßnahmen werden in Italien, wen wundert das wer keinen Aluhut trägt, sehr ernst genommen.
Hier gehts zum ersten Teil der Italien Rundreise
dc
Dabei sein
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